Halten Sie an Ihrer Strategie fest

Auch bei ausserordentlich starken Kursturbulenzen bringen langfristig orientierte Anlageentscheide den grössten Erfolg.

9. März 2020

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Die Verunsicherung war heute morgen mit Händen zu greifen. Italiens Regierung hatte übers Wochenende für Bewohner der Lombardei und benachbarter Gebiete eine Reisesperre verhängt, womit die Corona-Krise eine neue Eskalationsstufe erreichte. In den frühen Handelsstunden ist es deshalb an den Finanzmärkten heute zu einer weiteren deutlichen Korrektur gekommen.

In der aktuellen Situation ist es überaus schwierig abzuschätzen, was die medizinischen, sozio-kulturellen, wirtschaftlichen und finanzmarkttechnischen Auswirkungen der Corona-Krise sein werden. Noch ist beinahe jedes Szenario vorstellbar. Ist die Entspannung der Situation in Asien richtungsweisend oder nicht? Ist Europa besonders exponiert gegenüber dem Corona-Virus? Trifft es in erster Linie Anbieter oder Nachfrager in den betroffenen Volkswirtschaften? Abschliessend lassen sich diese Fragen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beantworten.

Gerade in solchen Situation ist für Anleger eine gewisse Distanz angebracht. Aus den Emotionen heraus werden in den seltensten Fällen die richtigen Entscheidungen getroffen. Es gilt ruhig Blut zu bewahren und die Faktenlage an den Finanzmärkten zu checken.

Fakt 1: Seitens der Politik – Geld- und Fiskalpolitik – wurde in grossem Stil zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Diese werden einen Effekt auf die Wirtschaft haben. Das Ausmass und der Zeitpunkt lässt sich aber nur schwer bestimmen.

Fakt 2: Renditedifferenz zwischen Anlagen in Aktien und in Obligationen hat sich nach der jüngsten Preisentwicklung sehr stark ausgeweitet. Sie nimmt in der Zwischenzeit auch historische Höchstwerte ein. Langfristig lässt sich deshalb mit Aktien gerade nach der jüngsten Kursentwicklung eine nachhaltig grössere Rendite erzielen als mit Obligationenanlagen.

Fakt 3: Aktienanlagen – auch sichere Werte wie Dividendentitel aus der Schweiz – haben höhere Kursschwankungen als Obligationenanlagen. Gerade aus diesem Grund sollte ein Aktieninvestor einen längeren Anlagehorizont haben als ein Obligationeninvestor und das Risiko seines Portfolios mit Anlagen in mehrere Titel gleichzeitig diversifizieren.

Fakt 4: Auch Obligationenanlagen enthalten Einzeltitelrisiken. Kursschwankungen der Aktien einzelner Emittenten führen auch zu höheren Risikoaufschlägen der Obligationen dieser Unternehmen.

Fakt 5: Aktives Festlegen von Ein- und Ausstiegszeitpunkten für Anlagen sind per Definition in stark schwankenden Märkten schwierig. Deshalb sind zu diesem Zeitpunkt allenfalls punktuelle Anpassungen aber keine grundsätzlichen Anlageentscheide angebracht.

Es lässt sich deshalb festhalten: Eine ruhige, langfristig orientierte Anlagepolitik bringt gerade bei ausserordentlich volatilen Situationen die grössten Erfolge mit sich. Erfolgreiches Anlegen ist ein Ausdauersport und keine kurzfristig orientierte Sportart.

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