Verhaltener Optimismus nach den ersten Zahlen fürs Geschäftsjahr 2022

Die laufende Berichtssaison zeigt, dass trotz drohender Rezession durchaus auch mit höheren Aktienbewertungen zu rechnen ist.

3. Februar 2023

Verhaltener Optimismus nach den ersten Zahlen fürs Geschäftsjahr 2022

Zu Beginn des Jahres liefern die Jahresabschlüsse der Unternehmen wichtige Anhaltspunkte zur Situation an den Finanzmärkten. (Bild: Adobe Stock)

Auf den Jahreswechsel folgt aus Finanzmarktsicht in der Regel auch der Startschuss für die sogenannte Berichtssaison, im Laufe derer die Unternehmen ihre Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlichen. Unsere Analyse der bisher vorgelegten Zahlen zeigt, dass viele Unternehmen insbesondere gemessen an den Umsatzangaben besser als erwartet abschneiden.

Dies relativiert ein Stück weit das in der öffentlichen Wahrnehmung vorhandene Selbstverständnis, die Weltwirtschaft befände sich derzeit bereits in einer tiefen Rezession. Wird allerdings der Nettoumsatz zum Gewinn ins Verhältnis gesetzt, wird deutlich, dass die Profitmargen der Unternehmen insbesondere auch in der Schweiz (gemessen am Schweizer Aktienindex SPI) unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen teilweise schwer leiden (siehe Grafik).

Gewinnmargen verschiedener Aktienindizes im Vergleich

Gewinnmargen verschiedener Aktienindizes in Prozent: Bei den Firmen des Swiss Performance Index (SPI) sind die Gewinnmargen zuletzt insbesondere wegen der Credit Suisse gesunken. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management)

Die Ursache ist unter anderem auch in inflationsbedingt höheren Rohmaterial- sowie Personalkosten zu suchen. Diese wiederum wirken sich in der laufenden Berichtssaison negativ auf die Unternehmensgewinne aus. Für die Entwicklung der Profitmargen ist entscheidend, inwiefern es den Unternehmen gelingt, entweder die höheren Produktionskosten durch Preissteigerungen an die Kunden weiterzugeben oder den Kostenanstieg durch Sparmassnahmen im Rahmen zu halten.

Eine absolut gesehen schwächere Profitmarge bedeutet allerdings nicht zwingend eine Anpassung der Bewertungen an den Börsen. Massgebend sind ebenfalls die Markterwartungen. Nachdem die Marktstimmung im vergangenen Jahr sehr schlecht war, haben viele Analysten ihre Gewinnschätzungen nach unten revidiert. Nun scheint es den Unternehmen einmal mehr zu gelingen, mit den vorgelegten Zahlen für eine positive Überraschung zu sorgen.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies, dass trotz drohender Rezession und absolut gesehen schwächeren Profitmargen ausgehend von den aktuellen Niveaus durchaus auch mit höheren Aktienbewertungen zu rechnen ist.

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