Die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Konflikts dürften für die Schweiz überschaubar bleiben

Die Handelsaktivitäten zwischen der Schweiz und Russland sowie der Ukraine sind verhältnismässig gering. Im Vordergrund stehen höhere Energie- und Rohstoffpreise.

4. März 2022

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Gasspeicher in Schlieren: Fast die Hälfte der Gasimporte der Schweiz stammt aus Russland. (Bild: Adobe Stock)

Der russisch-ukrainische Konflikt hat Auswirkungen auf ganz Europa und damit auch auf die Schweiz. Zum einen stellen sich wirtschaftliche Fragen, zum anderen stehen migrationspolitische Folgen im Fokus. Jedoch ist eine Prognose über das Ausmass zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwierig.

Aus wirtschaftlicher Sicht dürfte sich der Schaden für die Schweizer Wirtschaft aber in Grenzen halten. Der Warenverkehr zwischen der Schweiz und Russland belief sich im Jahr 2020 auf rund 4,5 Milliarden US-Dollar (siehe Grafik). Mit diesem bescheidenen Handelsvolumen gehört Russland nicht zu den 20 grössten Handelspartnern der Schweiz.

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Handelsvolumen Schweiz-Russland (in Mio. USD): Das Handelsvolumen umfasst Warenimporte und Warenexporte zwischen der Schweiz und Russland (exklusiv Dienstleistungen). (Quelle: IWF/Grafik: HBL Asset Management)

Auch für die wenigen Schweizer Unternehmen mit Produktionsanlagen, Verteilzentren oder Vertriebsorganisationen in der Ukraine oder in Russland sind die Risiken überschaubar. Denn das Engagement beschränkt sich typischerweise auf den Warenverkehr – auf den Transfer von Technologie oder Know-how wird weitestgehend verzichtet.

Somit dürften Schweizer Unternehmen vor allem von steigenden Öl- und Gaspreisen betroffen sein. Russland ist der mit Abstand wichtigste Gaslieferant der Schweiz, fast die Hälfte der direkten Gasimporte der Schweiz stammt aus Russland. Vor allem rohstoffintensive Branchen, wie beispielsweise der Metall- oder Chemiesektor, sind von den höheren Beschaffungspreisen betroffen.

Kurzfristig wird sich diese Entwicklung in den Gewinnmargen niederschlagen. Langfristig gesehen dürfte sich der Schaden aus Sicht der Unternehmen abermals in Grenzen halten. Einerseits sind Preisschocks bei Rohstoffen in der Regel nur von kurzer Dauer, andererseits sind speziell Schweizer Unternehmen oftmals markführend und in Nischenmärkten tätig. Die damit einhergehende dominante Marktposition ermöglicht es den entsprechenden Unternehmen eher, höhere Produktionskosten an die Endverbraucher weiter zu geben.

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