China: Die Investitionen im Reich der Mitte sind deutlich rückläufig

Gemessen am Beitrag zum Wirtschaftswachstum sind die Investitionen in China seit der Corona-Pandemie deutlich rückgängig. Das hat verschiedene Gründe.

3. Juni 2022

Shanghai China Photo By Hanny Naibaho On Unsplash 1920X1080px

Shanghai als Wirtschaftsmetropole könnte wegen der rückläufigen Auslandinvestitionen langfristig ein Wachstumsproblem erhalten. (Bild:Hanny Naibaho/Unsplash)

Das Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) einer Volkswirtschaft basiert auf drei Kernkomponenten: dem Konsum, dem Nettoexport von Gütern und Dienstleistungen sowie der Bruttokapitalbildung. Die Bruttokapitalbildung stellt dabei die Investitionen innerhalb einer Volkswirtschaft dar.Dabei ist der Anteil letzterer Komponente in der Volksrepublik China seit der Corona-Pandemie deutlich unter dem Durchschnitt  der letzten Jahre ausgefallen.

So trugen die Investitionen in den Jahren 2015 bis zum ersten Quartal 2020 im Durchschnitt 38% zum Wirtschaftswachstum bei. Schliesst man  das zweite Quartal 2020 aus, beträgt der Anteil der Investitionen seither im Mittel 18% – das sind 20 Prozentpunkte weniger als in der Zeit vor Corona. Daraus lässt sich schliessen, dass die Attraktivität Chinas für Investitionen abgenommen hat.

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Chinas Bruttoinlandprodukt als Summe von Konsum, Kapital und Nettoexporten (in Prozent): Die Investitionen als Teil der Kapitalbildung sind in China in den letzten Quartalen zurückgegangen. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management)

Für diese Entwicklung gibt es verschiedene Gründe. Der wichtigste Grund ist jedoch die Null-Covid-Strategie der Staatsführung, die inzwischen kurz vor dem Scheitern steht. Zudem hat das Land weiterhin mit einem schwachen Immobilienmarkt zu kämpfen. Im Herbst 2021 wurde der grösste chinesische Immobilienentwickler Evergrande vom Staat in letzter Minute vor einer Pleite gerettet. Seither ist das Vertrauen der Investoren im Bausektor nicht mehr vorhanden – dementsprechend sind die Neuinvestitionen eingebrochen und die Häuserpreise stark rückläufig.

Hinzu kommen die Unsicherheiten rund um die angespannten Beziehungen mit dem Westen, welche sich negativ auf den Handel und den Güterverkehr auswirken. Auch die Haltung der Volkrepublik im Hinblick auf die russische Invasion in der Ukraine wird von vielen, vorwiegend westlichen Investoren als nicht vertretbar taxiert. Diese Entwicklungen führen dazu, dass diverse namehafte Unternehmen, wie zum Beispiel Apple, ihre Abhängigkeit vom Reich der Mitte reduzieren. Der Tech-Gigant will die Chip-Fertigung in die Vereinigten Staaten verlegen. Auch andere Halbleiterproduzenten hegen ähnliche Absichten wie Apple.

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