Zinsprognose Schweiz: Begrenztes Potenzial für ausgeprägte Zinserhöhungen

In den vergangenen Wochen machten Zinserhöhungsfantasien die Runde und wurden von der restriktiveren Tonalität der Zentralbanken zusätzlich befeuert. Die SNB lässt sich davon nicht beeindrucken.

30. September 2026

Schweizerische Nationalbank: begrenztes Potenzial für ausgeprägte Zinserhöhungen

0 Prozent Leitzins im September 2026 bestätigt: Sitz der Schweizerischen Nationalbank in Zürich. (Bild: ZVG)

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt ihren Leitzins im September 2026 unverändert bei 0 Prozent. Aufgrund der leicht höheren Inflationsprognose passen wir unsere Zinsprognose leicht an und rechnen neu mit zwei Zinsschritten von jeweils 25 Basispunkten im Jahr 2027.

Verschiedene Schweizer Zinssätze im Vergleich

Geldmarktzinsen deutlich gestiegen (in %): Die Interbanken-Zinssätze (SARON) für drei, fünf und zehn Jahre sind zuletzt deutlich angestiegen, während die SNB den Leitzins im September 2026 bei 0 Prozent belässt. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 28.09.2025)

Seit dem Treffen der internationalen Zentralbanker in Jackson Hole hat sich die geldpolitische Grosswetterlage spürbar verändert. Höhere Energiepreise haben die Inflation international wieder angefacht und sowohl die US-Notenbank als auch die europäische Zentralbank haben ihre Leitzinsen zuletzt erhöht.

Auch in der Schweiz hat dies Spuren an der Zinskurve hinterlassen. Die SNB selbst bleibt dagegen bemerkenswert gelassen. Zwar ist die Inflation von 0,6 Prozent im Mai auf 0,8 Prozent im August gestiegen und auch die bedingte Inflationsprognose wurde leicht nach oben angepasst. Gleichzeitig bezeichnet die Nationalbank ihre aktuelle Geldpolitik weiterhin als angemessen und sieht lediglich einen leicht höheren mittelfristigen Inflationsdruck. Das ist eine wichtige Botschaft.

Energiepreise befeuern Inflation

Die Ursache des jüngsten Inflationsanstiegs ist schnell gefunden. Hauptverantwortlich waren erneut die höheren Preise für Erdölprodukte. Im vierten Quartal dürfte die Inflation gemäss SNB deshalb nochmals etwas zulegen und vorübergehend rund 1,2 Prozent erreichen. Danach erwartet die Nationalbank bereits im Verlauf von 2027 wieder einen Preisrückgang unter der Voraussetzung, dass der Effekt der höheren Energiepreise nachlässt.

Im Jahresdurchschnitt prognostiziert die SNB eine Inflation von 0,7 Prozent für 2026 sowie jeweils 0,8 Prozent für 2027 und 2028. Damit wurde der Inflationspfad gegenüber Juni zwar leicht angehoben, bleibt aber über den gesamten Prognosezeitraum komfortabel innerhalb des Bereichs der Preisstabilität.

Besonders relevant für unsere Einschätzung ist dabei ein Detail: Diese Prognose basiert auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei 0 Prozent bleibt. Mit anderen Worten: Selbst ohne eine einzige Zinserhöhung erwartet die SNB bis 2029 nur einen geringen Anstieg der Inflation, die sich nur sehr langsam der Obergrenze ihres Zielbandes von 2 Prozent annähert.

Mehr Wachstum – aber kein Boom

Auch die Schweizer Konjunktur hat sich besser entwickelt als noch im Juni erwartet. Das Bruttoinlandprodukt wuchs im zweiten Quartal ausserordentlich stark und die SNB erhöhte ihre Wachstumsprognose für 2026 von zuvor rund 1 Prozent auf neu 1,5 bis 2 Prozent.

Allerdings relativiert ein genauerer Blick die Wachstumsaussichten der SNB. Die Entwicklung wurde wesentlich durch ein aussergewöhnlich starkes Quartal der chemisch-pharmazeutischen Industrie geprägt. Zwar war das Wachstum auch ohne diesen Effekt solide und breiter abgestützt als in der jüngsten Vergangenheit, gleichzeitig bleibt aber die Kapazitätsauslastung insbesondere in der Industrie unterdurchschnittlich und die Arbeitslosigkeit ist nochmals leicht angestiegen. Für 2027 erwartet die SNB weiterhin ein Wachstum von rund 1,5 Prozent.

Markt ist SNB einen Schritt voraus

Die Schweizer Wirtschaft präsentiert sich damit robuster als noch vor einigen Monaten erwartet. Von einer Überhitzung, die geldpolitisch gebremst werden müsste, kann jedoch keine Rede sein.

Während die SNB weiterhin keinen unmittelbaren Handlungsbedarf signalisiert, haben die Zinsmärkte bereits deutlich reagiert. Der dreijährige SARON-Swap liegt mittlerweile bei rund 0,63 Prozent, der fünfjährige bei 0,72 Prozent und der zehnjährige bei 0,84 Prozent. Bei einem aktuellen SARON-Fixing von –0,04 Prozent weist die Schweizer Zinskurve damit wieder eine ausgeprägte Steilheit auf.

Der Markt nimmt damit bereits einen guten Teil einer zukünftigen Normalisierung der Geldpolitik vorweg. Genau hier sind wir zurückhaltender. Die robustere Konjunktur, der schwächere Franken und die etwas höhere Inflation rechtfertigen durchaus höhere langfristige Zinsen als noch vor einigen Monaten. Allerdings gehen wir weiter davon aus, dass die Summe der Zinserhöhungen der SNB geringer ausfallen wird als beispielsweise der vergleichbare Wert der EZB. Für entsprechende Leitzinserhöhungen liefert die aktuelle Inflationsprognose der SNB aus unserer Sicht wenig Argumente.

Fazit

Viel eingepreist – wenig Handlungsdruck: Neu gehen wir davon aus, dass die Nullzinsen der SNB bis Ende 2026 Bestand haben werden. Für das erste und das zweite Halbjahr 2027 rechnen wir mit je einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung ist gegenüber unserer letzten Prognose also weiter gestiegen. Mit ersten Zinserhöhungen im Jahr 2027 ist zu rechnen.

Mehr Informationen zu den Zinsen

Die Schätzungen der Zinsraten für die kommenden zwölf Monate finden Sie im Internet. QR-Code scannen oder Telefon 062 885 15 15.

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