Schwächerer Franken schafft Spielraum für die Geldpolitik
Der reale effektive Wechselkurs des Frankens ist zuletzt gesunken. Eine moderate Abschwächung könnte der Schweizer Wirtschaft zugutekommen und den Weg für höhere Zinsen ebnen.
30. September 2026

Ein starker Franken belastet die Exportindustrie und wirkt dämpfend auf die schweizerische Konjunktur. (Bild: Adobe Stock)
Der reale effektive CHF-Wechselkurs ist zuletzt wieder gesunken (siehe Grafik). Dieser Index misst die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Frankens gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner und berücksichtigt neben den Wechselkursen auch die unterschiedlichen Preisentwicklungen. Das ist für die Schweizer Wirtschaft relevant, denn ein sehr starker Franken belastet insbesondere exportorientierte Unternehmen und wirkt zudem dämpfend auf die Konjunktur.

Realer Frankenwechselkurs im Seitwärtsband (Wertentwicklung CHF – indexiert): Der Schweizer Franken hat sich gegenüber einem Korb verschiedener Währungen wegen der tiefen Leitzinsen in der Schweiz zuletzt auf hohem Niveau abgeschwächt. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 28.09.2026)
Zinsunterschied ausgeweitet
Ein wesentlicher Treiber der jüngsten Entwicklung sind die veränderten Zinserwartungen. Während die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank ihre Leitzinsen zuletzt angehoben haben, hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) weiterhin an ihrem Leitzins von 0 Prozent fest. Damit hat sich der Zinsunterschied zur Eurozone und zu den USA nochmals ausgeweitet und der Franken bleibt aus Zinssicht vergleichsweise wenig attraktiv.
Für die SNB könnte ein etwas schwächerer Franken allerdings auch zusätzlichen geldpolitischen Spielraum schaffen. Denn sollte sich die Schweizer Wirtschaft weiter verbessern und der Inflationsdruck zunehmen, wäre eine spätere Abkehr von der Nullzinspolitik leichter verkraftbar, wenn gleichzeitig der Aufwertungsdruck auf den Franken begrenzt bleibt. Gleichzeitig hat sich die wirtschaftliche Ausgangslage in der Schweiz zuletzt verbessert: Im zweiten Quartal 2026 wuchs die Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal – so stark wie seit dem dritten Quartal 2021 nicht mehr. Auch die Binnennachfrage zog wieder an.
Konstruktives Umfeld für Aktien
Wir rechnen deshalb zunächst weiterhin mit stabilen Leitzinsen, erwarten im Verlauf von 2027 jedoch höhere Zinsen (siehe Artikel Zinsprognose). Für die Finanzmärkte wäre dies nicht zwangsläufig eine schlechte Nachricht. Ein moderater Zinsanstieg wäre vielmehr Ausdruck einer sich normalisierenden Konjunktur. Davon könnten insbesondere Finanztitel profitieren.
Obligationenanlagen dürften bei steigenden Renditen zunächst unter Druck geraten, langfristig würde ein höheres Zinsniveau jedoch auch ihre Ertragsperspektiven verbessern. Insgesamt spricht aus unserer Sicht daher vieles für ein weiterhin konstruktives Umfeld für Aktienanlagen.
Artikel teilen
30. September 2026
«Drei Zinserhöhungen eingepreist»
Die Finanzmärkte rechnen mit weiteren Zinserhöhungen. Deshalb erwartet Reto Huenerwadel, Leiter des HBL Asset Managements, keine starken Marktreaktionen auf die kommenden geldpolitischen Zinsmanöver. «In der Schweiz erwarten wir Anfang 2027 eine Zinserhöhung», so Huenerwadel im Video.
Abonnieren Sie #hblasset
Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie kostenlos unseren #hblasset Anlageservice für private Investor:innen digital per E-Mail oder als Magazin per Post.
