«Wir orientieren uns am absoluten Wert des Portfolios»

Absolute Return rückt in Zeiten unsicherer Märkte wieder stärker in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger. Das HBL Asset Management lancierte deshalb kürzlich den Prämienstrategiefonds. «Wir wollen eine absolute Rendite in allen Marktphasen erzielen», sagen die Fondsmanager Guido Fritschi und Beat Jakob im Interview.

12. September 2022

Portrait Guido Fritschi Und Beat Jakob

«Professionelle und private Anlegerinnen und Anleger haben oftmals das gleiche Ziel: Sie wollen eine Rendite auf ihrem Vermögen erwirtschaften und dabei das eingegangene Risiko möglichst tief halten», sagen Guido Fritschi und Beat Jakob, Manager des Prämienstrategiefonds. (Bild: Romeo Basler)

Der Prämienstrategiefonds des HBL Asset Managements bietet eine Alternative zu traditionellen Finanzinstrumenten, indem er die Volatilität auf den Aktienmärkten als Renditemöglichkeit nutzt. Die Renditequelle kommt aus dem systematischen Verkauf von EuroStoxx50-Put-Optionen. Bei der Bewirtschaftung der Positionen wenden die Fondsmanager ein konsequentes Risikomanagement an. 

Das Ziel des Fonds ist‚ eine positive Rendite in steigenden sowie seitwärts oder leicht negativ tendierenden Marktphasen zu erwirtschaften. Der ideale Anlagehorizont beträgt drei bis fünf Jahre, was typischerweise einem Konjunkturzyklus entspricht. Beat Jakob und Guido Fritschi, Fondsverantwortliche und Investment Manager beim HBL Asset Management, streben eine jährliche Rendite von 5 Prozent an, mit einer moderaten Volatilität von ebenfalls 5 Prozent. Im Vordergrund steht ein langfristiger Vermögensaufbau.

Frage: Wie beschreiben Sie die Anlagephilosophie des Prämienstrategiefonds?

Antwort Beat Jakob*: Unsere Philosophie folgt dem Absolute-Return-Ansatz. Wir arbeiten nicht indexorientiert, sondern behalten immer den kurzfristigen Kapitalerhalt und den langfristigen Vermögenszuwachs im Fokus. Der Unterschied zwischen unserer Anlagephilosophie und Indexprodukten zeigt sich in der momentanen Börsen-Baisse relativ klar. Bricht, wie in diesem Jahr, ein Aktienindex um 20 Prozent ein, peilen wir nicht eine Outperformance gegenüber dem Index oder dieser Benchmark an, sondern wir orientieren uns am absoluten Wert des Portfolios. Natürlich hängen auch Absolute-Return-Strategien vom Marktumfeld ab und leiden in einer schwierigen Marktphase. Doch das Mass der Abhängigkeit ist ein ganz anderes als bei Strategien, die den Markt replizieren.

Für was genau steht Absolute Return? 

Beat Jakob: Das Konzept des Absolute Return stammt aus den 1950er-Jahren und erfährt im momentanen Marktumfeld eine kleine Renaissance. Der Ansatz unterscheidet sich von herkömmlichen Anlagekonzepten, die sich bei der Performancemessung mit einem Index oder einer Benchmark vergleichen. Wir wollen in allen Marktphasen eine absolute, wenn möglich positive Rendite erzielen.

Wie wird Absolute Return im Prämien­strategiefonds umgesetzt? 

Guido Fritschi**: Alles beginnt mit der Denkweise und der Ausgangsfrage: Wo liegt der primäre Fokus – beim Risiko oder bei der Rendite? Wir gewichten das Risiko stärker als die Rendite. Das heisst, wir legen zunächst die Risikoparameter fest und leiten daraus mögliche Renditeziele ab. Das Risiko-Rendite-Profil unseres Fonds ist deutlich moderater als dasjenige von Schweizer Aktien. Für die Umsetzung der Anlagestrategie braucht es ein aktives Vorgehen und eine permanente Bewirtschaftung der Fondspositionen. Absolute Return ist auch eine Mentalität – man kann sich nicht hinter einer Benchmark verstecken, man ist immer aktiv.

Rendite-Risiko-Matrix-Praemienstrategie

Grafik 1: Rendite-Risiko-Verhältnis verschiedener Anlageklassen. Der HBL AM Prämienstrategiefonds kommt der Risiko-Rendite-Struktur von Hedge-Fonds am nächsten. Das Rendite-Risiko-Verhältnis ist deutlich moderater als dasjenige von Schweizer Aktien, weshalb sich der Fonds eher für Investorinnen und Investoren eignet, die ihr Risiko-/Renditeprofil optimieren wollen.

Wie bewährt sich der Ansatz im aktuellen Umfeld?

Beat Jakob: Bei sinkenden Aktienmärkten, wie wir sie derzeit erleben, reduzieren wir im Fonds das Risiko. Bei steigenden Märkten erhöhen wir es. Diese Vorgehensweise ist prozyklisch, verhindert bei unsicheren Marktphasen ein zu grosses Aktienrisiko und schafft bei guten Marktbedingungen Potenzial für Erträge. Zusätzlich wird das konsequente Risikomanagement durch ein Multifaktormodell unterstützt. Registriert das Modell ein entsprechendes Warnsignal, werden die Risiken signifikant reduziert.

Wie erklären Sie die Strategie des Fonds einer Privatanlegerin oder einem Privatanleger?

Guido Fritschi: Die wesentlichen Erträge des Fonds erzielen wir mit dem Verkauf von Put-Optionen auf den europäischen Leitindex EuroStoxx50 und den daraus stammenden Prämieneinnahmen. Als Sicherheiten für diese sogenannte Short-Put-Strategie dienen Anleihen. Sie haben im Schnitt mindestens ein Rating «AA-» von Standard & Poor‘s oder eine gleichwertige Bonität.

Sie wollen eine positive Rendite in allen Marktsituationen erzielen und fokussieren gleichzeitig darauf, Verluste möglichst tief zu halten. Welche Vorteile bringt das?

Guido Fritschi: Ein Portfolio, das weniger Verluste verzeichnet, benötigt auch weniger lang, um in den positiven Performancebereich zurückzukehren. Wer einmal 50 Prozent verloren hat, muss rein rechnerisch auf eine zukünftige Rendite von 100 Prozent hoffen, um eine Rendite von null Prozent zu erreichen. Je länger zudem der Anlagehorizont ist, umso stärker profitiert man vom Zinseszinseffekt. Ausserdem kann man entspannter schlafen, wenn man Marktvolatilitäten weniger stark ausgesetzt ist.

Put-Option-EuroStoxx50-Praemienstrategie

Grafik 2: Dargestellt sind die Prämien von Put-Optionen auf den EuroStoxx50 mit einer Laufzeit von sechs Monaten und einem Ausübungspreis, der beim Verkauf 5 Prozent unter dem effektiven Indexstand liegt. Seit 2005 erzielte man mit dem Verkauf solcher Optionen Einnahmen in der Höhe von 2 bis 10 Prozent des jeweiligen Ausübungspreises. Im Durchschnitt (Median) liegen die Prämien bei knapp unter 4 Prozent.

Wo liegen die grössten Risiken?

Beat Jakob: Die grössten Risiken sind schnelle und heftige Marktbewegungen. Solche Marktsituationen ergeben für den Fonds aber auch Opportunitäten. Aus diesem Grund setzen wir auf ein rigoroses Risikomanagement, eine gute Diversifikation und auf ein sehr aktives Portfoliomanagement, das den vorherrschenden Marktbedingungen Rechnung trägt.

Weshalb lohnt es sich auch für private Anlegerinnen und Anleger, in diese Strategie zu investieren?

Guido Fritschi: Professionelle und private Anlegerinnen und Anleger haben oftmals das gleiche Ziel: Sie wollen eine Rendite auf ihrem Vermögen erwirtschaften und dabei das eingegangene Risiko möglichst tief halten. Jeder Kunde muss sich die Frage stellen: Wo liegt der primäre Fokus – beim Risiko oder bei der Rendite? Beim Prämienstrategiefonds steht primär die Optimierung des Risiko-Rendite-Profils im Vordergrund. Wir beobachten, dass insbesondere die Portfolios unserer privaten Anlegerinnen und Anlegern in Sachen Risikooptimierung Verbesserungspotenzial aufweisen.

Wie sieht die Gebührenstruktur aus, und wo kann ich den Fonds kaufen?

Beat Jakob: Die jährlichen Gebühren setzen sich aus Verwaltungskosten und einer variablen Erfolgsprämie zusammen. Die Verwaltungskosten bestehen aus der Verwahrstellenvergütung und der Managementgebühr. Die variable Erfolgsprämie wird fällig, wenn erstens die Rendite des Fonds höher ist als der Satz, der sich aus dem 3-Monats-Euribor zuzüglich 0,5 Prozentpunkten ergibt (Hurdle Rate), und wenn zweitens der Fonds jeweils einen neuen Höchststand (High Watermark) erreicht. Bei der Hypothekarbank Lenzburg werden die Produkte des HBL Asset Managements ohne Courtagen abgerechnet. Der Prämienstrategiefonds kann aber bei jeder anderen Bank gekauft werden.

 

* Beat Jakob ist verantwortlicher Fondsmanager des Prämienstrategiefonds des HBL Asset Managements.
** Guido Fritschi ist stv. Fondsmanager des Prämienstrategiefonds des HBL Asset Managements.

Prämienstrategiefonds

Alle Zahlen und Kennziffern zum Fonds stehen zum Download bereit.

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