Der Wachstumsmotor der chinesischen Wirtschaft ist ins Stottern geraten

Die wirtschaftliche Dynamik in China fällt in diesem Jahr hinter diejenige des Westens zurück. Dabei scheinen viele der Problemfelder im Reich der Mitte selbstverschuldet.

5. September 2022

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Wegen der «Null-Covid-Politik» kämpft China selbst in seiner Paradedisziplin, der industriellen Produktion, gegen starken Gegenwind an.

Die chinesische Wirtschaft vermag mit den Erwartungen derzeit nicht Schritt zu halten. Auch das ohnehin schon tiefe Ziel eines BIP-Wachstums von 5,5 Prozent, das von der Regierung ausgegeben wurde, droht in weite Ferne zu rücken. Dementsprechend hat der chinesische Leitindex Shanghai CSI 300 seit Anfang Jahr rund 22 Prozent eingebüsst (siehe Grafik).

Grafik Dow Jones Versus Shanghai CSI 300

Indexiert (100=01.01.2022): Im Vergleich zur US-Börse schneidet Chinas Leitindex seit Anfang 2022 deutlich schlechter ab. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management)

Der amerikanische Leitindex Dow Jones Industrial Average ist im selben Zeitraum nur rund 12 Prozent gesunken. Selbst in seiner Paradedisziplin, der industriellen Produktion, kämpft das Land gegen starken Gegenwind an. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist mit 49,4 Punkten im August sogar unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gerutscht.

Dabei scheint der Gross­teil der Probleme hausgemacht. Zum einen verursacht die «Null-Covid-Politik» mit ihren wiederkehrenden Lockdowns Unterbrechungen in den Produktionsabläufen und schwächt den Konsum. Zum anderen gleicht der chinesische Immobilienmarkt seit geraumer Zeit einem Patienten auf der Intensivstation.

Schärfere Kontrollen und ideologisch anmutende Beschränkungen

Die hohe Verschuldung der Immobiliengesellschaften führte beinahe zum Systemkollaps – unlängst musste die Zentralregierung einschreiten. Gegen die hohe Schuldenlast, die sinkenden Immobilienpreise und die nachlassende Investitionstätigkeiten, insbesondere seitens ausländischer Investoren, konnte Peking bisher keine Lösung präsentieren.

Die grösste Unbekannte bezüglich künftiger Entwicklung stellt aus unserer Sicht jedoch die Politik der Regierung unter dem Staatspräsident Xi Jinping dar. Am Parteikongress im November möchte sich Xi für eine fünfte Amtszeit wählen lassen. Es drohen für die Wirtschaft damit schärfere Kontrollen und ideologisch anmutende Beschränkungen.

Es sind dies probate Mittel, um parteipolitische Machtansprüche durchzusetzen. Die harte Regulierung der einst dynamischen chinesischen Technologiebranche ist nur ein Beispiel. Vielleicht gelingt es China, gestärkt aus der Schwächephase herauszufinden. Es wäre nicht das erste Mal. Gegenwärtig ist der Mangel an Dynamik aber ein Wachstumshemmer für die gesamte Weltwirtschaft.

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