SNB setzt ein monetäres Ausrufezeichen

Trotz der jüngsten Zinsentscheidung der SNB haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht grundsätzlich geändert.

17. Juni 2022

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«Nach der deutlichen Kurskorrektur sind Aktien eher tief bewertet und es ist deshalb nicht der geeignete Zeitpunkt, um sich von Aktienanlagen zu verabschieden.»

Nach Jahren mit unverändert tiefen Zinsen ist Bewegung in das internationale Zinsgefüge gekommen. Nachdem in einigen Volkswirtschaften bereits seit Monaten die Inflationsraten positiv überraschen, nehmen vermehrt auch die Zentralbanken Notiz von der ungünstigen Entwicklung und heben die Zinsen deutlich an. So hat beispielsweise die US-Zentralbank Fed im Verlaufe der Woche die Zinsen um bemerkenswerte 0.75% nach oben angepasst.

Auch in der Schweiz ist in den letzten Monaten der Preisdruck deutlich angestiegen. Wie im Rest der Welt stehen höhere Energie- und Lebensmittelpreise im Zentrum der Diskussionen. Im Vergleich zu den anderen wichtigen Volkswirtschaften der Welt, fällt der Preisdruck in der Schweiz deutlich tiefer aus. Dies liegt einerseits an einer Aufwertung des Schweizer Frankens andererseits vor allem aber auch an einer im internationalen Vergleich deutlich geringeren Lohninflation. Die Löhne und damit die Kaufkraft in der Schweiz stehen im weltweiten Vergleich bereits auf erhöhten Niveaus.

Den inflationären Tendenzen entgegentreten

In diesem Umfeld hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) anlässlich ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung dennoch die Leitzinsen um 50 Basispunkte nach oben angepasst und damit die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer überrascht. Mit dieser Entscheidung hat die SNB einmal mehr ihre Unabhängigkeit von anderen Zentralbanken bewiesen.

Trotz anhaltend starkem Schweizer Franken ist die SNB zum Schluss gekommen, dass es angezeigt sei, die geldpolitischen Rahmenbedingungen zu straffen. Selbstverständlich ist es die Absicht der SNB mit dieser Entscheidung in erster Linie den inflationären Tendenzen in der Schweiz entgegenzutreten.

Der Entscheid hat aber auch andere weitreichende Implikationen. So dürfte der Schweizer Franken aufgrund der reduzierten Zinsdifferenz zum EUR bis auf weiteres zur Stärke neigen. Auch sind die Zinsen in der Schweiz noch einmal etwas angestiegen.

Inflation trifft nicht alle Unternehmen gleich stark

Grosse Effekte hatte die gestrige Ankündigung der SNB aber auch auf den Aktienmarkt der Schweiz. Er verzeichnete weitere deutliche Kursverluste. Bei einer Interpretation der aktuellen Entwicklung an den Aktienmärkten müssen folgende Punkte berücksichtigt werden:

 

  • Zinserhöhungen sind in der Regel ein Zeichen für eine zu gute Wirtschaftsentwicklung und für höhere Inflationsraten.
  • In der aktuellen Zinsentwicklung sind bereits eine Reihe von zusätzlichen Zinserhöhungen enthalten.
  • Aktien mussten seit Beginn des Jahres schon deutlich Federn lassen. Gerade einzelne kleinere Unternehmen aus der Schweiz, die in klar definierten Nischenmärkten Spezialprodukte anbieten, sind gegenüber den inflationären Entwicklungen aber eigentlich weniger exponiert. Sie werden auch in den kommenden Quartalen und Jahre gute Gewinne schreiben und sind deshalb langfristig sicher gute Anlagen – gerade auf den aktuellen Kursniveaus.

Sorgfältiges Risikomanagement ist angezeigt

Grundsätzlich gilt: Nach der deutlichen Kurskorrektur sind Aktien eher tief bewertet und es ist deshalb nicht der geeignete Zeitpunkt, um sich von Aktienanlagen zu verabschieden. Angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit und der damit verbundenen Volatilität legen wir aber auch weiterhin ein besonderes Augenmerk auf ein sorgfältiges Risikomanagement.

Dabei erachten wir eine sorgfältige Diversifikation als absolut zentral. Mit der Beimischung von Optionsstrategien, beispielsweise in der Form der HBL Prämienstrategie lässt sich aber auch von den erhöhten Kursschwankungen an den Finanzmärkten profitieren.

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