Gold – sinnvolle Absicherung oder Klumpenrisiko?

Sogenannte Goldbugs (Goldkäfer) schwören auf die schützende Wirkung des gelben Edelmetalls in einem Anlageportfolio. Doch mehr als 10 Prozent sollte Gold im Anlagemix nie ausmachen.

30. August 2023

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«Es gibt Investoren, die einen starken Hang zu Goldanlagen haben. Sie sind überzeugt, dass die Geldpolitik der Zentralbanken den Wert des Geldes nachhaltig negativ beeinflusst.»

Der Goldpreis hat seit März wieder deutlich nachgegeben. Verschiedene Argumente zum Kauf von Gold haben in der letzten Zeit an Bedeutung verloren. 1) Goldanlagen als Inflationsschutz: In einem Umfeld, in dem Zentralbanken wieder deutlich restriktiver geworden sind, verlieren Goldanlagen als Inflationsschutz an Attraktivität.

2) Goldanlagen als Alternative zu Negativzinsen: Als Folge der restriktiveren Geldpolitik sind die Zinsen – nominal und real – rund um den Globus wieder deutlich angestiegen. Höhere Nominalzinsen ergeben Anlagealternativen mit einer positiven Rendite und tieferer Volatilität am Obligationenmarkt. Dazu kommt eine negative Korrelation zwischen Realzinsen und dem Goldpreis – sinkende Realzinsen ergeben oft höhere Goldpreise und umgekehrt.

Finanzsystem hat an Glaubwürdigkeit gewonnen

3) Goldanlagen als Hedge (Absicherung) gegenüber Instabilität des Finanzsystems: Die Auswirkungen der Regionalbankenkrise in den USA und der Untergang der CS haben zu keiner anhaltenden Verunsicherung geführt. Auch die restriktive Geldpolitik der Zentralbanken haben nicht zu Finanzmarktinstabilität geführt. Viel eher hat die Geldpolitik die Glaubwürdigkeit des Finanzsystems wieder erhöht. Gold als Hedge hat damit an Bedeutung verloren.

4) Gold als Anlage in unsicheren Zeiten: Die weltweiten politischen Herausforderungen aufgrund der Corona-Krise, der stark reduzierten Realeinkommen und der Unsicherheiten rund um die Ukraine-Krise haben in der Tendenz eher an Bedeutung verloren.

Eine Frage der Persönlichkeit und des Vermögens

Dagegen gibt es aber weiterhin gute Gründe in Gold zu investieren: A) Als knappes Gut haben Goldanlagen oft eine geringere Korrelation gegenüber anderen Finanzmarktaktiva. B) Gold als Anlage in unsicheren Zeiten: Nicht alle politischen Unsicherheiten sind aufgearbeitet. Sie können jederzeit wieder auftauchen. In einer ersten Phase der Unsicherheit ist der Anstieg des Goldpreises oft besonders heftig. Für diese Episoden macht es Sinn, einen Teil der Anlagen in Gold zu halten. C) Goldanlage aus Überzeugung: Es gibt Investoren, die einen starken Hang zu Goldanlagen haben (Goldbugs). Sie sind überzeugt, dass die Geldpolitik der Zentralbanken den Wert des Geldes nachhaltig negativ beeinflusst (Stichworte: Debasing; Vollgeldinitiative, etc.). Diese Investoren wollen in allen Situationen in Gold investiert sein.

Fazit: Im Grundsatz würden wir einen gutschweizerischen Kompromiss vorschlagen. Insbesondere aufgrund der Argumente A) und B) macht es Sinn einen gewissen Betrag in Gold zu halten. Allerdings sprechen die Punkte 1) bis 3) dafür, den in Gold gehaltenen Betrag zu reduzieren. Wie gross der absolute Wert des in Gold gehaltenen Vermögens sein sollte, hängt von der Grösse des Vermögens und von der Überzeugung einer Person ab. In unseren Portfolios halten wir Gold mit einem Anteil von maximal 10 Prozent. Aktuell liegt dieser Wert aber deutlich tiefer. Über 20 Prozent des Vermögens würden wir auf keinen Fall empfehlen. Das wäre ein richtiges Klumpenrisiko. Auch 10 Prozent erachten wir schon sehr, sehr viel.

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