Inflationsängste haben die Finanzmärkte im Griff

Kann die US-Notenbank Fed die Inflationserwartungen der Investoren dämpfen? Oder provoziert ein zu später Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik eine Überhitzung der Konjunktur? Das Angstbarometer schlägt wieder aus.

8. März 2018

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Die Nervosität an den Märkten ist gestiegen: Das Volatilitätbarometer der Wall Street erreichte Ende Februar 2018 Kriseniveaus. (Bild: Adobe Stock)

Was mit einem schwächelnden US-Dollar begann, war auf den Obligationenmärkten später als Kursschwäche spürbar und kulminierte auf den Aktienmärkten mit einem ausgewachsenen Kursrutsch. Im Grundsatz konnte sich dieser Entwicklung kein Sektor und keine Region der Welt entziehen. Dennoch lässt sich festhalten, dass es beim Ausmass der jüngsten Kurskorrektur je nach Sektor oder Region deutliche Unterschiede gegeben hat.

Die Märkte, die zuletzt besonders ausgeprägte Kursgewinne erzielen hatten, erlitten die grössten Verluste. Stellvertretend sind in diesem Zusammenhang der US-Aktienmarkt aber auch einige Tech-Titel zu erwähnen. Der Grad an Nervosität lässt sich besonders gut am VIX-Index ablesen, der die Volatilität der Aktienkurse, also das Ausmass der Schwankungen misst: Ende Februar 2018 haben wir Notierungen gesehen, die in früheren Krisen auch zu beobachten waren (grafische Analyse im Video).

Andere Märkte, insbesondere auch viele Märkte der Schwellenländer, sind dagegen ohne grösseren Schaden durch den Februar-Sturm gekommen. Die Ursache für die Korrektur liegt nicht etwa in schlechten Geschäftsabschlüssen fürs vergangenen Jahr. Im Gegenteil: Für das Gros der Unternehmen brachte 2017 Rekordergebnisse. Auch seitens der Wirtschaftsindikatoren deutet wenig auf eine substanzielle Verschlechterung der Konjunktur in den nächsten Monaten hin.

Ausgehend von den USA gibt es mehr Anzeichen, dass die wirtschaftliche Situation noch besser ausfallen könnte, als bisher angenommen. Die Folgen auf dem Arbeitsmarkt wären aber höhere Inflationsraten und höhere Zinsen. Nach Jahren sinkender und tiefster Zinsen ist ein solches Szenario für viele Marktteilnehmer ein beunruhigender Gedanke.

Die Notenbanken sind vorbereitet

Die Konsequenz ist, dass die Märkte nun in den USA für das Jahr 2018 zusätzlich zu den bereits erwarteten drei Zinserhöhungen im Gesamtausmass von dreiviertel Prozentpunkten in 2018 mit einem weiteren Zinsschritt von einem Viertelprozentpunkt rechnen müssen. Zusätzlich lastete auf den Aktienbewertungen der Umstand, dass die langfristigen Zinsen stärker gestiegen sind als Zinssätze mit kurzer Laufzeit.

Dies deutet daraufhin, dass die Marktteilnehmer befürchten, dass die US-Notenbank trotz aktiver Zinspolitik die Entwicklung der Inflationserwartungen nicht in den Griff bekommen könnte. Tatsache ist, dass die Zinskurven weiter verhältnismässig flach sind und sich die Zentralbanken bereits über Jahre auf eine solche Situation vorbereiten konnten. Erste Schritte hin zu einer Normalisierung der Geldpolitiken wurden schon eingeleitet.

In der Konsequenz halten wir einen weiteren Monat an unserer Taktischen Asset Allocation und damit im Grundsatz an unserem leichten Übergewicht an Aktien fest. Wir konzentrieren uns dabei auf die klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen aus der Schweiz und Europa.

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