Bankenkrise: Zentralbanken sind mitverantwortlich und zugleich Teil der Lösung

Mit rasanten Zinserhöhungen haben die Währungshüter Banken in die Enge getrieben. Nun müssen sie wieder reagieren, um eine neue Finanzkrise zu verhindern.

29. März 2023

Paradeplatz in Zürich mit Gebäuden der UBS und der Credit Suisse (Bild: Claudio Schwarz @ Unsplash)

Einer der Hauptschauplätze der jüngsten Unruhen im Finanzsektor: Paradeplatz in Zürich mit Gebäuden der UBS und der Credit Suisse. (Bild: Claudio Schwarz / Unsplash.com)

Für die internationalen Finanzmärkte sind aktuell vor allem die Unruhen im Finanzsektor das absolut dominierende Thema. Während noch vor rund einem Monat alle Augen der Finanzmarktakteure auf der Geldpolitik lagen, hat sich der Fokus zuletzt deutlich geändert. Dennoch erscheint es angebracht, diese beiden Themen zueinander in Beziehung zu setzen.

Zum einen wird wohl zu Recht argumentiert, dass die Geldpolitik der letzten Quartale in einigen Fällen, zum Beispiel bei der Silicon Valley Bank (SVB), ein zentraler Grund für die jüngste Entwicklung gerade im Bankensystem darstellt. Zum anderen ist festzuhalten, dass die Bankenkrise ihrerseits wieder Auswirkungen auf die Geldpolitik in den nächsten Monaten haben dürfte. Es lässt sich also mit Sicherheit sagen, dass die beiden Entwicklungen einander bedingen.

Bankbilanzen bleiben verwundbar

Während einerseits die über Jahre sehr grosszügige Versorgung des Finanz- und Bankensystems mit günstigem Geld in ausgewählten Fällen zu risikoreicheren Bankbilanzen geführt hat, ist andererseits festzuhalten, dass die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten mit deutlich gestiegenen Risikoprämien gerade für einzelne Banken eher dazu führen dürften, dass die Zentralbanken im Mittel etwas weniger an der Zinsschraube drehen werden, als sie dies ursprünglich angedacht hatten.

Ein Blick auf die Struktur einer Bankbilanz kann helfen, die jüngsten Geschehnisse zu erklären. Während die Aktivseite einer Bank die herausgegebenen Kredite und andere (Finanz-)Anlagen umfasst, setzt sich die Passivseite wie üblich aus dem Eigen- und Fremdkapital zusammen. Eine spezielle Rolle kommt dabei den Kundeneinlagen zu. Aufgrund der über lange Zeit historisch tiefen Zinsen hatten sie eine ebenfalls historisch tiefe Fristigkeit und damit Anbindung. Erst mit den zuletzt gestiegenen Zinsen ist es hier wieder zu einer Umstrukturierung der Finanzierungsseite der Bankbilanzen gekommen.

Dennoch bleiben wohl viele Bankbilanzen verwundbar für schnelle Kapitalabflüsse. Andererseits haben diejenigen Finanzinstitute, die aktivseitig die tiefen Zinsen über langfristige Kredite oder Finanzanlagen angebunden haben, aufgrund der im letzten Jahr deutlich restriktiveren Geldpolitik und den damit verbundenen stark gestiegenen Zinsen grössere Verluste erlitten. Dies gilt insbesondere für die Banken in den USA, da hier die Fed den mit Abstand grössten Zinsanstieg vorgenommen hat. Eine Kombination dieser Entwicklungen hat denn auch die Silicon Valley Bank (SVB) in den USA in die Insolvenz gebracht.

Massnahmen wirkten nur bedingt

Unter diesen Umständen ist eine besonders umsichtige Bewirtschaftung der Bankbilanz angebracht. Eine langfristige Finanzierung und kurzfristige Anlagen – Kredite und Finanzanlagen – stehen dabei im Vordergrund. Gerade die Finanzierungsfrage wurde in den letzten Tagen bei einigen Finanzinstituten gestellt. Die letzten Tage haben gezeigt, dass einige Finanzinstitute die entsprechenden Fragestellungen nur unbefriedigend beantworten konnten. Bemerkenswert ist dabei, dass die in den letzten Jahren eingeführten regulatorischen Sicherungsmassnahmen nur bedingt die Situation zu entschärfen vermochten. Dies gilt insbesondere für die grössten Finanzinstitute. Ein deutlicher Anstieg der Risikoprämien ist die Konsequenz. Zusätzlich zu den bereits gestiegenen Zinsen dürfte dies die wirtschaftliche Aktivität zusätzlich negativ beeinflussen.

Dass die wichtigsten Zentralbanken der Welt in den letzten Tagen dennoch weitere Zinserhöhungen beschlossen haben, weist darauf hin, dass sie mit einer baldigen Stabilisierung des Bankensystems rechnen. Unter diesen Umständen sehen sie weiterhin die Bekämpfung der anhaltend hohen Inflationsraten als ihr zentrales Mandat. Dies gilt insbesondere für diejenigen Zentralbanken, die sich auch in den letzten Tagen für Zinssatzerhöhungen in der Grössenordnung von 50 Basispunkten entschieden haben. Es sind dies namentlich die Europäische Zentralbank (EZB) aber auch die Schweizerische Nationalbank (SNB).

Die Geldpolitik ist also gleichermassen einer der Gründe für die aktuelle Situation im internationalen Bankensystem aber auch eine der Lösungen für eine Entspannung dieser Entwicklung.

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