Das Coronavirus, Schwellenländer und Investitionsentscheide

Anleger, die Schwellenländer wegen der Corona-Krise ignorieren, machen einen Fehler. Einige Länder werden in absehbarer Zukunft überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen.

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Eines der wichtigsten Merkmale des Coronavirus ist seine globale Ausprägung. Innert kürzester Zeit hat das Virus sämtliche Grenzen überwunden und damit seinen Weg in die entlegensten Winkel dieser Erde gefunden – auch in die Schwellenländer. Wie aber gehen diese weniger entwickelten Volkswirtschaften mit dem Virus um?

Die Antwort ist so vielfältig wie die Staatenvielfalt selbst. Keine zwei Schwellenländer haben die gleichen Strukturen. Es gibt kleine Volkswirtschaften und grosse. Einige bewirtschaften vor allem natürliche Ressourcen, andere praktisch gar keine. Bei den einen handelt es sich um etablierte Demokratien, bei den anderen um totalitäre Regime. Unterschiedlich sind auch die medizinischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Und auch der zeitliche Verlauf der Corona-Krise variiert von Land zu Land. Dabei ist klar, dass der Umgang mit dem Coronavirus für alle Länder eine teure Sache wird. Auch in den Schwellenländern ist die Hoffnung gross, dass mit Finanzmitteln zumindest ein Teil der Rezession aufgefangen werden kann.

Die grösste Herausforderung ist das Coronavirus dabei für Volkswirtschaften, die seit längerer Zeit mit Leistungsbilanzdefiziten zu kämpfen haben. Für Länder also, die aufgrund der schwachen Wirtschaftskraft auf ausländische Finanzmittel angewiesen sind oder aber sich überdurchschnittliches Wachstum durch das Ausland finanzieren liessen. Hier fliessen die Finanzmittel nur spärlich. Ähnlich verhält es sich auch mit populistischen Regierungen, die in der jüngsten Vergangenheit sehr grosszügig Geld verteilt haben. Diese Mittel fehlen jetzt in der Corona-Krise. Eine dritte Kategorie von hart getroffenen Staaten sind Produzenten von natürlichen Ressourcen – speziell fossile Brennstoffe – für den industriellen Gebrauch.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Reihe von Schwellenländern, die über einen gesunden Staatshaushalt verfügen. Etwa weil sie von der erhöhten Nachfrage nach Technologie profitieren und so in den letzten Jahren einen Leistungsbilanzüberschuss aufbauen konnten. Von einem aktiven Anlagespezialisten kann erwartet werden, dass er sich auch in der aktuellen Situation dieser strukturellen Unterschiede bewusst ist und sich entsprechend positioniert. Einzig mit passiven Anlageinstrumenten ist diese Unterscheidung schwierig.

Es lässt sich aber mit Sicherheit festhalten, dass strukturell robuste Volkswirtschaften auch aus dieser Krise gestärkt herauskommen werden und umgekehrt. Von Investitionen in Schwellenländer in grossem Sinne abzusehen, macht keinen Sinn. Der Grossteil der Weltbevölkerung wohnt in diesen Volkswirtschaften und es ist auch die Weltregion, in der in absehbarer Zukunft die überdurchschnittlichen Wachstumsraten erreicht werden.