Stabile Rahmenbedingungen in der Schweiz

Nach der Katastrophe die Erholung: Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft sind derzeit gar nicht so schlecht. Positiv ist insbesondere die Situation auf dem Arbeitsmarkt.

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Das Matterhorn als Leitbild für die wirtschaftliche Perspektive: Die soliden Rahmenbedingungen eröffnen Aussichten auf eine graduelle Wachstumsbeschleunigung in den kommenden Monaten und Quartalen. (Bild: Adobe Stock)

Die wirtschaftliche Situation in der Schweiz bleibt auch vor dem Beginn der Sommerferien angespannt. Zwar hatten die Lockerungsmassnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in der jüngsten Vergangenheit einen positiven Einfluss auf das Befinden der verschiedenen Akteure in der Schweiz. Dennoch gibt es auch weiterhin grosse Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus, aber auch in der Schweiz. Eine zentrale Rolle in diesem Zusammenhang nimmt dabei die Schweizerische Nationalbank (SNB) und ihre Geldpolitik ein. In diesem Sinne hat denn auch die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB für das zweite Quartal 2020 besonders viel Beachtung erhalten.

Dabei lässt sich festhalten, dass die SNB im Einklang mit vielen anderen Zentralbanken rund um den Globus ein Bild zeichnet, bei dem sie nach einem katastrophalen ersten Halbjahr 2020 von einer graduellen Verbesserung der konjunkturellen Situation in den Folgequartalen ausgeht. Von Wachstumseuphorie kann dabei aber nicht die Rede sein. Viel eher weist die SNB und auch andere Prognoseinstitute der Schweiz auf die vorhandenen Überkapazitäten in praktisch allen Sektoren hin. Nach dem scharfen Einbruch der Wirtschaftsaktivitäten im ersten Halbjahr 2020 ist für das Jahr 2021 oder gegebenenfalls 2022 mit Output-Niveaus zu rechnen, die wir zu Beginn des aktuellen Jahres gesehen haben.

Zentrale Grösse nach unten revidiert

Diese Einschätzung führt denn auch zu einer wesentlichen Neubeurteilung der Situation an der Preisfront der Schweiz. Die SNB hat anlässlich ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung diese zentrale Orientierungsgrösse noch einmal deutlich nach unten revidiert. Während in der mittleren und längeren Frist die neu entstandenen Überkapazitäten der Schweizer Wirtschaft auf den Preisen lasten, wirken sich kurzfristig die deutlich gesunkenen Preise für fossile Energie zusätzlich dämpfend auf die Preisentwicklung in unserem Land aus.

In der Konsequenz rechnet die SNB auch für das laufende Jahr mit deflationären Tendenzen und einem Rückgang der Preisentwicklung von rund minus 0,7 Prozent. Dies vergleicht sich mit einem bisherigen Prognosewert von minus
0,3 Prozent. Aber auch die Inflationsprognosen für 2021 (von plus 0,3 Prozent auf neu minus 0,2 Prozent) und für 2022 (von plus 0,7 Prozent auf nur plus 0,2 Prozent) wurden substantiell nach unten revidiert. Auch wenn die SNB seit dem Sommer 2018 wiederholt ihre bedingte Inflationsprognose nach unten revidiert hat, ist die aktuelle Anpassung angesichts der erreichten tiefen Inflationsniveaus besonders bemerkenswert.

Erwartungen nach unten revidiert

Inflation effektiv und prognostiziert: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im Juni 2020 die Inflationserwartung nach unten revidiert. (Quelle: SNB, Grafik: HBL Asset Management.)

Bei einem Inflationsziel in der Grössenordnung von 2,0 Prozent und einer aktuellen Inflationsprognose von plus 0,4 Prozent am Ende des Prognosehorizonts im ersten Quartal 2023 ist klar, dass die Tiefstzinsen in der Schweiz bis auf weiteres Bestand haben dürften. Auch ist davon auszugehen, dass die SNB mittels Deviseninterventionen und damit dem Kauf von Euro den Märkten zusätzlich Liquidität zur Verfügung stellen wird. Die geldpolitischen Rahmenbedingungen der Schweiz sind für einige Quartale, ja sogar Jahre, klar abgesteckt und Überraschungen nicht zu erwarten. Dieser Grundsatz der weltweiten Geldpolitik lässt sich eins zu eins auch auf die Schweiz übertragen.

Neben den deutlichen Anpassungen der Inflationsprognosen ist zuletzt aufgefallen, dass die eigentlichen Wachstumsprognosen für die Schweiz sogar leicht nach oben angepasst wurden. Es ist in erster Linie die besser als erwartete Situation auf dem Arbeitsmarkt, die sich leicht positiv auf die Konjunkturaussichten auswirkt.

Graduelle Beschleunigung

Wir teilen weitestgehend diese Einschätzung und rechnen mit einer graduellen Wachstumsbeschleunigung der Schweizer Wirtschaft in den kommenden Monaten und Quartalen. Diese moderat positive Entwicklung und vor allem auch die expansive Geldpolitik dürften auch die Finanzmärkte stützen. Auf dieser positiven Note wünschen wir schöne Ferien und geniessen Sie – in diesem Jahr besonders aktuell – vor allem auch die Schönheit der Schweiz.

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