Handelskriege und unheilige Allianzen

US-Präsident Donald Trump will China mit höheren Zöllen für die Missachtung der Spielregeln im internationalen Handel strafen. Die Risiken einer solchen Politik sind beachtlich, wie die Geschichte zeigt.

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US-Präsident Donald Trump hat seinen Handelskrieg mit China nach einer längeren Phase der Ruhe erneut entfacht. Er will die Einfuhrzölle auf chinesischen Importen im Wert von 200 Milliarden USD von 10 auf 25 Prozent erhöhen. Betroffen davon sind rund 40 Prozent aller chinesischen Exporte in die USA.

Wenig überraschend haben die Chinesen schnell reagiert und ihrerseits eine Erhöhung der Zölle auf US-Importen angekündigt. Ziel der Auseinandersetzung ist es, das Defizit der USA gegenüber China im Handel mit Gütern im Ausmass von 500 Milliarden USD zu verringern. Daneben erhebt die Regierung Trump auch Einwände gegen Chinas Missachtung der Spielregeln im internationalen Handel.

Höhere Zölle führen zu höheren Preisen

China subventioniert beispielsweise die staatliche Industrie. Das Land wird aber auch beschuldigt, es nicht zu genau mit den geistigen Eigentumsrechten zu nehmen. Dies ist besonders problematisch bei Technologiethemen. Zudem verfügt China über immer noch hohe Hürden für ausländische Investoren. Die chinesische Regierung hat auch keine Vorschriften erlassen, um diese Probleme zu lösen oder die Vorwürfe zu entschärfen.

Viele Experten sind sich daher einig, dass die Kritik Trumps an Chinas Handelspraktiken begründet seien. Die Art und Weise aber, wie diese Fragen thematisiert werden, ist speziell und schadet in erster Linie den Verbrauchern und Unternehmen in den USA. Zudem entfremden solche Strafaktionen wichtige Handelspartner immer mehr.

Solange Trump Präsident der USA ist und die Wirtschaft des Landes stark wächst, besteht eine gute Chance, dass Handelskriege immer wieder zum Thema werden. Deshalb ist mittelfristig auch mit einer etwas stärkeren Inflation in den USA zu rechnen: Denn höhere Zölle führen zu höheren Preisen bei Produkten, und der Konsument zahlt am Schluss mehr im Laden. Das Preiswachstum in den USA ist jedoch so gering, dass die meisten Verbraucher den zusätzlichen Anstieg der Inflation um geschätzte 0,2 Prozent kaum bemerken werden.

Mit Twitter die Börse steuern

Sicher scheint aber, dass Präsident Trump die Handelsverhandlungen (und seine Twitter-Nachrichten) als Instrument nutzen kann, um den Aktienmarkt kurzfristig positiv oder negativ zu beeinflussen. Niemals hat ein Präsident dieses Instrument stärker zu seinem politischen Vorteil eingesetzt.

In der Konsequenz rechnen wir nicht mit einer grossen Korrektur auf den Aktienmärkten. Die US-Wirtschaft läuft weiterhin rund, das Wachstum Europas hat sich stabilisiert und auch die Konjunktur der Schwellenländer hat sich in den ersten Monaten 2019 verbessert. Zuletzt sind auch die Zentralbanken in allen wichtigen Staaten weiter expansiv.

Um den tatsächlichen Schaden des Handelskriegs zu verstehen, gilt es ebenfalls ausgewiesene Beobachter von Handelskriegen zu befragen; insbesondere diejenigen, die auf die geopolitischen Risiken hinweisen, die durch die Überschneidung von Nationalismus, Populismus und Protektionismus entstehen können.

Die Geschichte deutet darauf hin, dass diese Kräfte zu Problemen in unterentwickelten Industrien bis hin zu gefährlichen politischen Allianzen führen können. Vor diesem Hintergrund argumentiert der englische Professor Marc-William Palen beispielsweise, dass diejenigen Länder die Gewinner von Handelskriegen sind, die die Auseinandersetzung aussitzen und sich nicht engagieren.