Die Schweiz und das Rohöl – Bezugsquellen zwar diversifiziert, Abhängigkeit aber hoch

Die Schweiz fördert selbst kein Erdöl und ist bei Rohöl und Mineralölprodukten vollständig auf Importe angewiesen. Trotz Energiewende bleiben Ölimporte für das Land wichtig.

3. September 2026

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Die Raffinerie in Cressier (Kt. Neuenburg) ist die einzige Erdölraffinerie in der Schweiz.

Trotz Energiewende bleiben Ölimporte für das Land wichtig. Erdölprodukte, insbesondere Benzin, Diesel, Flugtreibstoffe und Heizöl, deckten 2025 rund 45 Prozent des Schweizer Endenergieverbrauchs. Geopolitische Konflikte oder Störungen wichtiger Transportwege können sich deshalb rasch auf die Versorgung und die Preise auswirken. 

Die direkte Abhängigkeit vom Nahen Osten ist geringer, als man vermuten könnte. Rund ein Viertel des Schweizer Mineralölbedarfs wird durch die Raffinerie Cressier gedeckt. Beim dafür importierten Rohöl dominierten 2024 die USA mit 54,5 Prozent und Nigeria mit 36,9 Prozent. Zusammen stellten sie damit gut 91 Prozent der Rohölimporte. Das Rohöl gelangt per Schiff nach Marseille und von dort über eine Pipeline nach Cressier, wo daraus unter anderem Benzin, Diesel und Heizöl hergestellt werden.

Grafik Rohöl

Erdölversorgung der Schweiz (in Prozent) (Quelle: Bundesamt für Energie/Bundesamt für Statistik/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 31.08.2025)

Benzin kommt aus Deutschland

Rund drei Viertel der Schweizer Mineralölimporte entfallen dagegen auf bereits raffinierte Produkte, die überwiegend aus europäischen Raffinerien stammen. Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit bei Benzin. 2023 kamen rund 83 Prozent der importierten Benzinmenge aus Deutschland. Deutschland wiederum bezieht sein Rohöl vor allem aus Norwegen, den USA und Kasachstan. Die effektive Abhängigkeit der Schweiz vom globalen Ölmarkt ist damit deutlich breiter, als die direkten Schweizer Rohölimporte vermuten lassen.

Entscheidend sind auch die Transportwege. 2024 gelangten rund 35 Prozent der Erdölimporte über Pipelines in die Schweiz, rund 32 Prozent per Bahn, knapp 28 Prozent über den Rhein und rund 5 Prozent über die Strasse. Der Rhein verbindet die Schweiz mit den grossen europäischen Energie- und Raffineriestandorten und bildet damit neben Pipeline und Bahn einen zentralen Versorgungsweg.

Wie verwundbar dieser Transportweg sein kann, zeigen die wiederkehrenden Niedrigwasserperioden. 2018 sank der Rheinpegel bei Kaub (D) auf 25 cm und beeinträchtigte die Mineralölversorgung erheblich. Auch 2022 kam es zu ausgeprägtem Niedrigwasser. Im August 2026 fiel der Pegel erneut auf einen aussergewöhnlich tiefen Stand.

Pegelstand im Rhein wirkt sich aus

Bei niedrigem Wasserstand können Schiffe nur einen Teil ihrer üblichen Ladung transportieren, wodurch die Transportkosten deutlich steigen. Ausweichmöglichkeiten über Bahn, Strasse und Pipelines bestehen, deren zusätzliche Kapazitäten sind jedoch begrenzt.

Für Anleger zählt deshalb nicht nur die Herkunft des Öls. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Weltmarktpreis, Geopolitik, Raffineriekapazitäten und Logistik.

Die Schweiz ist hinsichtlich ihrer Bezugsquellen und Transportwege vergleichsweise breit diversifiziert, bleibt aufgrund ihrer vollständigen Importabhängigkeit jedoch anfällig für Störungen entlang der Versorgungskette. Gerade der Rhein kann bei ausgeprägtem Niedrigwasser zum Engpass und zusätzlichen Kostentreiber werden.

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