Wer hat Angst vor Italien?

Die Politkrise in Italien sorgt für alarmierende Schlagzeilen in den Medien. Die Börsenampeln stehen aber weiterhin auf Grün.

1. Juni 2018

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An den Finanzmärkten sind die Bären aus dem Winterschlaf erwacht. Lange Zeit hat man sie nicht wahrgenommen, zu positiv war die Grundstimmung der Anleger. Nun aber, da Italien – und auch Spanien – in der politischen Krise steckt, sind die alarmierenden Überschriften in den Medien kaum zu übersehen: «Zombi-Währung ohne Zukunft», titelt die «Basler Zeitung», «Angst vor dem Italexit» liest man in der Onlineausgabe von ARD oder die «Handelsblatt» fragt sich: «Flammt die Euro-Krise wieder auf?».

Klar, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Italien politisch und wirtschaftlich seit Jahren stagniert. Eigentlich könnte Rom bei Portugal oder Spanien abschauen, wie man es besser macht. Stattdessen aber wird das Land angesichts des lärmigen Populismus ohne nennenswerte Lösungsvorschlägen immer stärker einer Zerreissprobe ausgesetzt.

Mit der Europäischen Union (EU) und dem Euro haben die Italiener auch schnell die Schuldigen ausgemacht. Aber die wahren Probleme werden damit nur überdeckt. Die Banken etwa haben sich in Italien seit der Finanzkrise 2008 nicht wie erhofft Luft verschaffen können. Ihre Bilanzen sind – wenn auch zuletzt in deutlich geringeren Ausmass – noch immer angespannt.

Insofern teilen wir auch die Bedenken vieler Finanzmarktteilnehmer hinsichtlich der fragilen wirtschaftlichen Verfassung Italiens. Aber wir malen deswegen nicht den Teufel an die Wand. Italien sieht sich nicht erst seit gestern grossen Herausforderungen gegenüber. Und diese werden auf die Schnelle auch nicht zu meistern sein.

Aber die Wirtschaft Europas läuft wieder rund und auch die Weltwirtschaft zeigt sich recht robust und konnte zum Beispiel die neuerliche Aufwertung des Dollar gut verdauen. So kann es jetzt vielleicht zu einer leichten konjunkturellen Verlangsamung kommen. Aber einen erneuten Rückfall in die Rezession erachten wir als unwahrscheinlich.

Von der starken Weltwirtschaft dürfte auch Italien profitieren. Die Arbeitslosigkeit der wichtigsten Volkswirtschaften ist ständig am Sinken, die Inflation ist unter Kontrolle und der private Konsum zeigt sich solide. Deshalb bleiben wir bei unserer positiven Grundeinschätzung für die Finanzmärkte und erwarten, dass sich die Märkte von den jüngsten Kurskorrekturen bald erholen werden. Unsere Ampeln für die Börsenmärkte stehen weiterhin auf Grün.

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