Stell dir vor, die Wirtschaft wächst und niemand freut sich darüber
Die Schweizer Wirtschaft wächst so stark wie seit Jahren nicht mehr, doch die Konsumentenstimmung bleibt negativ. Dabei sprechen viele fundamentale Faktoren für mehr Zuversicht.
30. September 2026

«In Kombination mit anhaltend tiefen Arbeitslosenzahlen würde dies eigentlich für zukünftig höhere Konsumausgaben und damit einen grösseren Wachstumsbeitrag durch den privaten Konsum sprechen.»
Die jüngst veröffentlichten Zahlen zum Wirtschaftswachstum der Schweiz sind durchwegs erfreulich ausgefallen. Mit einem Wachstum von plus 1,5 Prozent (bereinigt durch Sportevents) ist das BIP-Wachstum allein im 2. Quartal stärker ausgefallen als das prognostizierte Potenzialwachstum der Schweiz für ein ganzes Jahr.
In Kombination mit den bereits positiv ausgefallenen Wachstumsraten der Vorquartale ist dies insbesondere für die Situation auf dem Arbeitsmarkt eine gute Nachricht. Selbstverständlich ist das Wirtschaftswachstum der Schweiz im zweiten Quartal stark positiv beeinflusst durch den Wachstumsbeitrag der Pharma-Exporte aus der Schweiz in die USA.
Konsumentenstimmung alles andere als euphorisch
Es sind aber eben auch andere Akteure, insbesondere aus dem Finanzsektor, die positiv zum Wirtschaftswachstum der Schweiz beitragen. Kommt hinzu, dass die BIP-Zahlen für das Gesamtjahr neulich eine Revision nach oben erfahren haben. Unterstützt werden diese Wachstumszahlen durch eine positive Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes aus der Schweiz und solide Unternehmensergebnisse.
Demgegenüber steht eine alles andere als euphorische Konsumentenstimmung in der Schweiz. Zwar hat das Stimmungsbarometer über die Sommermonate leicht bessere Werte erreicht als zum Ende des ersten Quartals 2026. Die Stimmung ist aber weiterhin deutlich negativ. Auch die BIP-Komponente zum privaten Konsum vermag zwar positive Werte zu erzielen. Die Wachstumsraten bleiben aber moderat. Was sind die Gründe dafür?
Ein Grund sind die zuletzt gestiegenen Preise für fossile Brennstoffe. Sie belasten das Portemonnaie von Herrn und Frau Schweizer über Gebühr und lasten damit auf der Stimmung. Auch wenn Benzin, Diesel und Gas in der Tat zuletzt neue historische Höchststände erreicht haben, lässt sich festhalten, dass sich die Reallöhne in der Schweiz in den letzten Monaten für die Konsumenten besser entwickeln als über weite Teile der letzten Monate.
Reallöhne deutlichen angestiegen
So brachte beispielsweise das Jahr den ersten deutlichen Anstieg der Reallöhne in mehreren Jahren. Es sind also auch andere Gründe, die für die unterschiedliche Entwicklung zwischen Konsumenten- und Unternehmensstimmung verantwortlich sind. Dabei lässt sich darauf hinweisen, dass sich in der Schweiz der unmittelbare Bezug zwischen privat geführten Unternehmen und den Konsumenten graduell abschwächt.
Dies aufgrund der Tatsache, dass sich der Anteil der Arbeitnehmenden in privat geführten Unternehmen relativ zur Gesamtzahl Arbeitnehmender beständig reduziert. Es scheint aber auch bis zu einem gewissen Grad ein gesellschaftspolitisches Phänomen zu sein, dass viele Konsumenten ihre Situation als unsicherer und damit weniger positiv beurteilen.
Dies nota bene zu einem Zeitpunkt, zu dem das BIP pro Kopf weiter auf historischen Höchstständen verharrt. In Kombination mit anhaltend tiefen Arbeitslosenzahlen würde dies eigentlich für zukünftig höhere Konsumausgaben und damit einen grösseren Wachstumsbeitrag durch den privaten Konsum sprechen. Mehr denn je gilt: «Der Aufschwung beginnt im Kopf!»
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