Gruselstimmung an der Börse: Finanzmärkte reagieren zunehmend nervös

Die besser als erwarteten Quartalsergebnisse der Unternehmen verhallen angesichts gestiegener Zinsen und geopolitischer Unruhen. Die Finanzmärkte reagieren heftig.

1. November 2023

Gruselstimmung an der Börse: Finanzmärkte reagieren zunehmend nervös

Gruselstimmung an der Börse: Finanzmärkte reagieren zum Ende des Jahres 2023 nervös. Eine sorgfältige Diversifikation der Anlagen bleibt als Schutz absolut zentral. (Bild: Adobe Stock)

Nachdem in den letzten Quartalen in erster Linie die Zentralbanken mit Zinserhöhungen für neue Impulse an den internationalen Finanzmärkten gesorgt haben, ist es in den letzten Wochen diesbezüglich zu einer deutlichen Beruhigung gekommen. Auch wenn die Rhetorik der verschiedenen Exponenten der Zentralbanken weitere Zinserhöhungen nicht ausschliessen, kommen die Märkte zum Schluss, dass der jüngste Zinserhöhungszyklus unmittelbar vor dem Ende steht. So wurden seit Ende August und der Jackson Hole Konferenz der wichtigsten Notenbanker, die Zinsen rund um den Globus bestenfalls moderat angehoben.

Zinskurven im Fokus

Aber auch mit ihrer Inaktivität in der Geldpolitik sorgen die Zentralbanken für Gesprächsstoff an den Finanzmärkten. In der aktuellen Situation sind es die langfristigen Zinsen, die beständig höher notieren. Dies liegt in erster Linie an weiterhin bemerkenswert guten Konjunkturdaten. In der zweiten Jahreshälfte 2023 sind es in erster Linie die USA, die mit ihrem Wirtschaftswachstum überraschen. In einer Situation aber, in der sich die Zeichen mehren, dass die US-Fed die Geldmarktzinsen nur mehr graduell erhöhen wird, schlagen sich die besser als erwarteten US-Konjunkturzahlen in erster Linie in höheren langfristigen Zinsen nieder. Die Folge ist eine deutlich steilere US-Zinskurve. In ihrer aktuellen Form signalisiert die US-Zinskurve denn auch, dass baldige Zinssatzsenkungen mit den letzten Wirtschaftsindikatoren weniger wahrscheinlich geworden sind.

Ungeachtet der militärischen Handlungen in der Ukraine oder im Nahen Osten sind denn auch die Unternehmensabschlüsse in den letzten Wochen grösstenteils besser als erwartet ausgefallen. Zwar kommen diese mehrheitlich nicht an die Rekordergebnisse der Vorquartale heran, dennoch vermögen sie in der Regel zu überzeugen. Bei einer Beurteilung der Marktaktivitäten fällt aber vor allem auch auf, wie heftig zum Teil die Kursentwicklung im Nachgang zur Veröffentlichung der Unternehmenszahlen ausfallen. Auch etablierte und grosskapitalisierte Unternehmen aus der Schweiz, wie beispielsweise Nestlé, sehen sich Kursbewegungen von 10 Prozent und mehr gegenüber. Folgerichtig sind die Kursbewegungen der klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen noch heftiger. Das zeigt, dass viele Investorinnen und Investoren zum Ende des Jahres 2023 nervös reagieren. Für uns bedeutet dies im Umkehrschluss, dass eine sorgfältige Diversifikation unserer Anlagen über Anzahl Titel, Länder aber auch Sektoren absolut zentral ist.

Wechselkursveränderungen indexiert

Wechselkursveränderungen indexiert: Der Wert des Schweizer Frankens hat 2023 zugelegt. (Quelle: Bloomberg, SNB/Grafik: HBL Asset Management)

Firmen spüren Frankenaufwertung

Die erhöhte Verunsicherung vieler Marktteilnehmer lässt sich aber auch an den Devisenmärkten, im Goldpreis oder auch am Kurs für Bitcoin erkennen. So hat beispielsweise der CHF über weite Teile der letzten Wochen zur Stärke tendiert und gegenüber dem EUR mit EURCHF 0.942 einen sogar neuen historischen Höchstwert erreicht. Die Folge dieser Entwicklung ist, dass auch trotz tieferen Inflationsraten in der Schweiz der reale effektive Wechselkurs seit Beginn des Jahres 2023 rund 5 Prozent an Wert gewonnen hat.

Mit anderen Worten konnte die nominale Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro nicht mehr durch die im Vergleich zur Eurozone geringere Inflation in der Schweiz kompensiert werden. Eine Entwicklung, die sich nicht zuletzt in den Zahlen derjenigen Unternehmen reflektieren, die prioritär ihre Umsätze in Europa erzielen. Deren Unternehmensergebnisse werden aber nicht nur durch den starken CHF belastet. Europa und insbesondere auch Deutschland zeigten in den letzten Wochen einen schleppenden Konjunkturverlauf.

Zu guter Letzt lässt sich festhalten, dass an dieser Stelle nicht abschliessend beantwortet werden kann, inwieweit die Unsicherheit an den Finanzmärkten mit den jüngsten militärischen Auseinandersetzungen in Verbindung gebracht werden können. Vieles spricht aber dafür, dass mit längerer Fortdauer der entsprechenden Konflikte deren Bedeutung für die Finanzmärkte beständig abnehmen dürfte.

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