Die Schweiz hat die Schuldensituation im Griff

Für Staaten und Firmen lautet das Motto in den kommenden Monaten, sich von den Corona-Schulden nicht erdrückt zu lassen. In der Schweiz sind die Voraussetzungen relativ günstig.

1. Juli 2021

Finanzmarktupdate Juli

Robuste Konstitution: Die Schweizer Wirtschaft zeigte sich in der Corona-Krise widerstandsfähig und die Staatsverschuldung ist weniger stark gestiegen als in anderen Ländern. (Bild: Adobe Stock)

Mit den jüngsten Öffnungsschritten in der Schweiz und in anderen Teilen der Welt hat sich die Situation weiter normalisiert. Der Corona-Krisenmodus ist weiter in den Hintergrund gerückt und wir alle hoffen, dass sich daran in der nahen Zukunft möglichst wenig ändert. Für die Wirtschaft bedeutet diese Entwicklung eine deutliche Beschleunigung der Aktivitäten an allen Fronten. Es mehren sich die Hinweise, dass das Wachstum eine Dynamik an den Tag legt, dass einzelne Bereiche nur mit Schwierigkeiten mit dieser Entwicklung Schritt halten können. Produktionsfaktoren in unterschiedlichen Formen aber auch die Logistik hat mit Engpässen zu kämpfen, getreu dem Motto: An irgendeiner Stelle klemmt es immer. 

Umsätze wie vor Corona

Auch die Wirtschaft in der Schweiz erlebt im ersten Halbjahr 2021 einen Steigerungslauf, wie er in den letzten Jahren nie ausgewiesen wurde. Gemäss dem jüngsten Quartalsbericht der SNB werden in rund drei Viertel der Wirtschaft im Verlaufe des Jahres 2021 wieder Umsätze erreicht, wie sie vor Ausbruch der Corona-Krise beobachtet werden konnten. Im Umkehrschluss lässt sich festhalten, dass das Jahr 2021 für das Gros der Unternehmen neue Rekordabschlüsse bringen dürfte. So konnten in den letzten Wochen denn auch viele Firmen ihre Wachstumsprognosen für das Jahr 2021 nach oben korrigieren und positive Gewinnwarnungen ausweisen.

Zumindest in deren Zahlen ist Corona nur mehr eine Episode der Vergangenheit. Die Frage stellt sich, welche langfristigen Folgen Corona für die Unternehmenslandschaft der Schweiz hat. Eine offensichtliche Folge von Corona für viele Unternehmen ist die beschleunigte Digitalisierung. Dieser Megatrend hat in Corona-Zeiten eine neue Bedeutung erhalten. In Kombination mit der rigorosen Kostenkontrolle, die gerade nach Ausbruch der Corona-Krise von zentraler Bedeutung war, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass es bei vielen Unternehmen in der Schweiz und im Rest der Welt zu einem grösseren Fortschritt in der Produktivität gekommen ist.

Warnende Stimmen haben in den letzten Wochen vermehrt auch auf die erhöhte Verschuldung in vielen Bereichen der Wirtschaft hingewiesen. Während die Staatsverschuldung einiger Länder im Nachgang zu Corona in der Tat sehr stark angestiegen ist, trifft dies gerade für die Schweiz nur in geringerem Ausmass zu. Geholfen hat dabei mit Sicherheit, dass sich die Konjunktur der Schweiz im internationalen Vergleich als relativ resistent erwiesen hat. So ist die Arbeitslosenquote der Schweiz nur relativ moderat angestiegen. 

Schnelle Normalisierung?

Die Schuldensituation der Schweiz hat sich in den letzten Monaten nur bedingt verschlechterte. Dies ist vor allem auch darauf zurückzuführen, dass staatliche Institute in erster Linie Garantien für Kredite und nicht eigentliche Kredite gesprochen haben. Es besteht eine berechtigte Hoffnung, dass es bei einer weiteren Normalisierung der Corona-Situation auch bei den Finanzen der verschiedenen Unternehmen zu einer relativ schnellen Erholung der Situation kommen dürfte.

Das Rezept, das sich bereits während der Finanzkrise bewährt hat, scheint damit auch in Corona-Zeiten eine erfolgreiche Anwendung gefunden zu haben. Selbstverständlich hat Corona zu einer Anspannung der finanziellen Situation in einzelnen Bereichen der Wirtschaft geführt. Ein eigentlicher Flächenbrand ist bis jetzt erfreulicherweise ausgeblieben. Auch dies bestätigt der jüngste Quartalsbericht der SNB. Weder bei der Liquidität noch bei der Kreditvergabe scheint sich gemäss dieser Umfrage bei 236 Unternehmen in der Schweiz die Situation substantiell verschlechtert zu haben.

Geholfen hat mit Sicherheit, dass viele Unternehmen bei Ausbruch der Corona-Krise finanziell gut
aufgestellt waren. So ist beispielsweise die geringe Anzahl an CHF-Obligationenemissionen ein klares Indiz für die gute finanzielle Situation der meisten grossen, kapitalmarktfähigen Unternehmen der Schweiz. Sie können auch von einer historisch tiefen Schuldenlast profitieren. Auf rekordtiefen Zinsniveaus – das gilt in gleichem Masse für den risikolosen Zinssatz und die Risikoprämien der verschiedenen Unternehmen – sind die wiederkehrenden Kosten in der Form von Zinszahlungen überaus tief. Zumindest seitens der Finanzierungssituation ist bis auf weiteres nicht mit einem Sommergewitter für das Gros der Unternehmen der Schweiz zu rechnen.

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