Auf der Suche nach Impulsen für den Rest des Jahres 2026

Die Zentralbanken haben ihren Kurs festgelegt und die Märkte richten ihren Blick auf neue Einflussfaktoren. Im Fokus steht die US-Politik mit den Midterm-Wahlen.

30. September 2026

Auf der Suche nach Impulsen für die Finanzmärkte

Warten auf neues Momentum: Grosse Überraschungen oder Impulse sind von der Geldpolitik für die kommenden Monate nicht zu erwarten.

Zu Beginn des letzten Quartals des Jahres 2026 lässt sich festhalten, dass bei den wichtigsten Zentralbanken über die Sommermonate der Schluss gereift ist, dass sie den konjunkturellen Herausforderungen mit einer restriktiveren Geldpolitik entgegentreten wollen. Entgegen dem Wunsch des US-Präsidenten Trump hat sich dabei die US-Fed anlässlich ihrer letzten Zinsentscheidung, nach einer Phase mit mehreren Zinssatzsenkungen und einer längeren Pause, einstimmig zu einer Zinserhöhung durchgerungen.

Grafik Leitzinsen (2)

Leitzinsen verschiedener Länder im Überblick (in %): Neben den USA haben auch Japan und die Europäische Zentralbank in den letzten Wochen Zinserhöhungen bekannt gegeben. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 28.09.2026)

Noch nicht genug restriktiv

Dabei hat sie klargemacht, dass in der nahen Zukunft weitere vergleichbare Schritte folgen werden. Angesichts der anhaltend hohen Inflationsraten in den USA und der zuletzt wieder verbesserten Konjunkturindikatoren kann dies nicht überraschen. Die Fed verweist in ihrer Begründung für höhere Zinsen darauf, dass sie in ihrer Einschätzung mit den aktuellen Geldmarktzinsen die Märkte weiterhin mit zu günstigem Geld versorge und angesichts der erhöhten Inflation noch nicht restriktiv genug wirke.

In solchen Phasen mehren sich in der Regel die Stimmen, die vor einem heftigen Konjunkturrückgang und damit vor einem wirtschaftspolitischen Irrtum der US-Fed warnen. Präsident Trump ist nur eine dieser Stimmen. Dieser Einschätzung ist entgegenzuhalten, dass einerseits der Wunsch nach einer konjunkturellen Abschwächung jeder Zinserhöhung einer Zentralbank inhärent ist und andererseits die Zinskurve in den USA bereits weitere Zinserhöhungen vorwegnimmt.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass das lange Ende der USD-Zinskurve in den letzten Wochen beinahe täglich neue langjährige Höchstwerte erklommen hat. Dies gilt insbesondere auch für die Renditen von USD-Staatspapieren (Treasuries). Allerdings ist es gerade bei Letzteren schwierig zu beurteilen, ob es in der Tat die Inflationskomponente oder doch eher die Risikokomponente ist, die sich in erster Linie für den Anstieg der USD-Zinsen der letzten Wochen verantwortlich zeichnet. 

Sphären wie lange nicht mehr

Vieles deutet darauf hin, dass der aktuelle Umgang der Regierung Trump mit den Staatsfinanzen und ihr Auftreten an den internationalen Finanzmärkten für den Anstieg der USD-Zinsen mindestens ebenso wichtig ist wie für die langfristigen Inflationserwartungen. Neben den USA haben auch Japan und die Europäische Zentralbank (EZB) in den letzten Wochen Zinserhöhungen bekannt gegeben. Besonders erwähnenswert ist dabei, dass vor allem auch in Japan die Zinsen in Sphären steigen, die in den letzten Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wurden. 

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bildet im Konzert der grossen Zentralbanken eine Ausnahme. Sie hat anlässlich ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung zum Ende des dritten Quartals 2026 ein weiteres Mal an ihrer Nullzinspolitik festgehalten. Dabei verweist sie auf ihre weiterhin moderaten Inflationserwartungen. Zwar wurden diese für die kommenden Jahre leicht nach oben revidiert. 

Restriktiv unterwegs

Mit einer langfristigen Inflationserwartung von unter 1 Porzent zum Ende des Prognosehorizontes Mitte 2029 bei unveränderter Geldpolitik ist auch für die Zukunft nicht mit einer baldigen Zinserhöhung seitens der SNB zu rechnen. Im internationalen Vergleich und angesichts der aktuellen Wirtschaftsprognosen der SNB lässt dies den Umkehrschluss zu, dass die SNB in der Vergangenheit relativ zum konjunkturellen Rahmen wohl eher restriktiv unterwegs war.

Seitens der Geldpolitik sind die internationalen Finanzmärkte für die kommenden Monate wohl eingespurt. Grosse Überraschungen oder Impulse sind von dieser Seite für die Zukunft nicht zu erwarten. Sollte es aber zu einer negativen konjunkturellen Überraschung kommen, haben diese durchaus Spielraum, mit einer expansiveren Geldpolitik zu reagieren. Dies unterscheidet sich grundsätzlich von der jüngsten Vergangenheit.

Noch vor nicht allzu langer Zeit mussten die Zentralbanken zu kreativen Lösungen greifen, um die Wirtschaft mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen. Es sind also andere Ecken, aus denen wir neue Impulse für die Finanzmärkte erwarten. Zuoberst auf unserer Agenda stehen dabei die Midterm-Wahlen in den USA.

Trumpsche Dekrete und Demokraten

Die Ausgangslage ist klar: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können Präsident Trump und die republikanische Partei bei der Umsetzung ihrer Politik auf eine Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus zählen. Auch wenn Präsident Trump offensichtlich lieber über Dekrete regiert und auch wenn diese Mehrheit zuweilen knapp sein kann, ist sie mit Sicherheit ein wesentlicher Faktor für die Umsetzung seiner Politik.

Bei den anstehenden Midterm-Wahlen laufen Präsident Trump und die republikanische Partei Gefahr, die Mehrheit zu verlieren. Dies dürfte zweifellos auch die Handlungsfähigkeit der Regierung Trump einschränken. Für Anleger besonders relevant ist die Frage, ob und in welchem Ausmass eine politische Unsicherheit in den USA einen Effekt auf die Finanzmärkte hat. Dabei deutet vieles darauf hin, dass dieser Effekt eher moderat ausfallen dürfte.

Zum einen sei noch einmal auf Trumps Vorliebe für präsidentielle Dekrete hingewiesen. Daran dürfte sich wenig ändern. Vor allem aber ist auch bei einem Sieg der Demokraten bei den Midterm-Wahlen eher mit einer Blockade als mit einem politischen Richtungswechsel in den USA zu rechnen. Keine oder weniger politische Impulse aus den USA müssen aber nicht zwingend negativ für die Finanzmärkte sein. Im Gegenteil: In der Vergangenheit haben sich die Finanzmärkte in vergleichbaren Phasen in der Regel positiv entwickelt. 

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