Geldpolitik: Aufatmen nach dem Zinsentscheid

Nach den Sommerferien liegen auch dieses Jahr wieder alle Augen der Finanzmarktakteure auf den Aktivitäten der Zentralbanken.

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Anlässlich der geldpolitischen Entscheide der Zentralbanken in den letzten Tagen, haben Investoren Grund zum Aufatmen. (Bild: Lubos Chlubny/Adobe Stock)

Es trifft zu, dass die geldpolitische Diskussion viel breiter geführt wird, als in den letzten Jahren. Dies liegt mit Sicherheit auch an den Negativzinsen, die für immer mehr Finanzmarktakteure ein Thema werden. Vor der letzten Runde von Zinsentscheiden im September sind die Marktteilnehmer davon ausgegangen, dass die Zentralbanken die Geldschleusen ein weiteres Mal öffnen und die Weltwirtschaft mit noch günstigerem Geld versorgen würden. Diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht. So haben wichtige Zentralbanken ihre Geldpolitik in den letzten Wochen weiter gelockert. 

Den Anfang machte dabei Mitte September die Europäische Zentralbank (EZB). Obwohl im Vorfeld dieser Entscheidung viel von Zinssatzsenkungen in deutlich negatives Territorium die Rede war, lag das Augenmerk der EZB bei ihrer jüngsten geldpolitischen Entscheidung an anderer Stelle. Die EZB hat in der Tat den Zinssatz für die Einlagefazilität um weitere 10 Basispunkte auf -0,50% gesenkt. Eine Zinssenkung um 0.10% ist aber bestenfalls symbolischer Art und mit Sicherheit keine grundsätzliche Anpassung der Geldpolitik. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die EZB keine Anpassungen bei ihren anderen Leitzinsen vorgenommen hat. Analog dem Modell der Schweiz führt sie zudem ein zweistufiges System für die Verzinsung der Reserveguthaben ein, bei dem ein Teil der Überschussliquidität der Banken vom negativen Einlagenzinssatz befreit wird. Die wesentliche Anpassung in der Geldpolitik der EZB lag aber bei der Ankündigung, dass sie ab November 2019 bis auf Weiteres wieder in einem monatlichen Umfang von EUR 20 Mia. in Anleihen investieren werde. Das Ausmass und vor allem das offene Ende dieser Transaktionen ist ein klares Signal an alle Beteiligten, dass die EZB bis auf Weiteres zusätzliches Geld zur Verfügung stellen will. 

Im Vergleich zu dieser Massnahme hat die Ankündigung der amerikanischen Fed, dass sie ihre Zinsen ebenfalls um 0.25% senken werde, zumindest in unseren Breitengraden, für weniger Diskussionsstoff gesorgt. Selbstverständlich hätte der US-Präsident Trump eine umfangreichere Zinssatzsenkung bevorzugt. Allerdings wäre ein solcher Zinsschritt angesichts der wirtschaftlichen Situation gerade auf dem US-Arbeitsmarkt wirtschaftlich nur schwer zu rechtfertigen gewesen. 

In diesem von Negativzinsen geprägten Umfeld und dem damit verbundenen erhöhten Interesse in geldpolitische Entscheidungen hat die SNB in der dritten Septemberwoche ihre geldpolitische Lagebeurteilung bekannt gegeben. Nachdem die Märkte noch im August mit einer Zinssatzsenkung rechneten, hatte sich diese Erwartung in den letzten Wochen relativiert. Die SNB hat den Zins anlässlich ihrer letzten geldpolitischen Entscheidung nicht angetastet. Dagegen wurde den Geschäftsbanken eine höhere Freigrenze konzediert. Mit diesen Entscheiden einhergegangen ist eine deutliche Revision der Inflationsprognosen. Bis zum Ende des Prognosehorizontes im zweiten Quartal 2022 rechnet die SNB nur mehr mit einem Ansteigen der Inflation leicht über die Marke von 1%.

Auch wenn die geldpolitischen Entscheidungen dieser drei wichtigen Zentralbanken der letzten Wochen sehr unterschiedlich ausgefallen sind, lassen sich auch Gemeinsamkeiten erkennen. Zunächst wäre da die Notwendigkeit eines geldpolitischen Stimulus angesichts der verschlechterten globalen Wachstumsaussichten und eines moderaten Preisdrucks. Beinahe wichtiger ist aber die Erkenntnis, dass die Zentralbanken angesichts historisch tiefer Zinsen darauf achteten, dass sie mit ihren Massnahmen der Wirtschaft zusätzliches Geld zur Verfügung stellen. Daran dürfte sich auch in den kommenden Monaten nichts ändern.

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