Boom & Bust – oder: Wieso der Markt Wachstum mit tiefer Inflation liebt

Kurzfristige Marktbewegungen werden oft von langfristigen Konjunkturtrends geprägt – und diese liefern derzeit interessante Signale für Anlegerinnen und Anleger.

1. Juli 2026

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«Es liegt auf der Hand, dass die Finanzmärkte besonders gnädig auf eine Situation reagieren, bei der das Wachstum im Vergleich zur Preisentwicklung überdurchschnittlich ausfällt.»

Angesichts der Vielzahl der politischen Impulse, insbesondere von der US-Regierung, macht es in unseren Augen Sinn, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die konjunkturellen Anker der verschiedenen Volkswirtschaften kurz zu einzuordnen. Auch wir müssen – analog den verschiedenen Zentralbanken regelmässig einen etwas distanzierteren Blick auf die Weltkonjunktur werfen.

Dabei stehen folgende Fragen im Vordergrund: Wie vergleicht sich die aktuelle Entwicklung einer Volkswirtschaft mit ihrem Potenzial- und Trendwachstum? Oder: Sind die aktuellen Inflationsraten höher als das von der jeweiligen Zentralbank definierte Inflationsziel? Anhand der Antworten erhält man schnell ein akkurates Bild über den Zustand der Volkswirtschaften. Natürlich lässt sich trefflich darüber streiten, was das Wachstumspotenzial eines Landes oder eben einer Volkswirtschaft ist. 

Langfristig wächst ein Land seinem Potenzial entsprechend

Grundsätzlich ist dies eine Folge der Produktivität und der Anzahl der privaten Haushalte in einem Land. Während Letztere relativ einfach bestimmt werden können, ist die Produktivität zwar die zentrale Grösse für jeden Volkswirten aber wohl am besten im Nachhinein zu eruieren. Für die Bestimmung der aktuellen Situation nützt dies aber nur wenig. Eine sinnvolle Annäherung an das Thema des Potenzialwachstums einer Volkswirtschaft ist in unseren Augen das Konzept des Trendwachstums.

Unter der Annahme, dass ein Land in der langen Frist im Grossen und Ganzen mit der Geschwindigkeit wächst, die seinem Potenzial entspricht, lässt sich der Durchschnitt ermitteln, der dann dem Potentialwachstum entspricht. Analog dazu können wir auch das effektive Inflationsziel einer Zentralbank beurteilen. In Boom-Phasen lässt sich dabei festhalten, dass sowohl das gemessene Wirtschaftswachstum als auch die Inflation über ihrem langfristigen Trend liegen. In einer Rezession verhält es sich umgekehrt: Das Wirtschaftswachstum und die Inflation verharren unter ihrem langfristigen Trend.

Die Schweiz unter ihrem Trend

Ein Aufschwung dagegen ist gekennzeichnet durch überdurchschnittliches Wachstum bei tieferer Inflation, während bei einem Abschwung das Wachstum bei erhöhter Inflation unterdurchschnittlich ausfällt. Es liegt auf der Hand, dass die Finanzmärkte besonders gnädig auf eine Situation reagieren, bei der das Wachstum im Vergleich zur Preisentwicklung überdurchschnittlich ausfällt. Dieses Szenario ist in weiten Teilen der gegenwärtigen Weltwirtschaft zu beobachten.

Für die Schweiz lässt sich aktuell festhalten, dass sowohl Wirtschaftswachstum als auch die Inflation unter ihren langfristigen Trends ausfallen. Für die SNB ist unter diesen Umständen kein erhöhter Handlungsbedarf vorhanden. Andererseits bedeutet dies auch, dass die Volkswirtschaft über kurz oder lang den Weg in eine Wachstumsphase finden wird. Für die Aktienmärkte und insbesondere zyklische Titel ist dies eine durchaus erfreuliche Ausgangslage. Eine heftige Abwärtskorrektur ist unter diesen Voraussetzungen aus der Schweiz nicht zu erwarten.

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Finanzmarkt-Update Juli 2026

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