Aktiv oder passiv?

Die Frage nach der optimalen Anlagemethode füllt Lehrbücher. Kontrovers wird dabei an den Finanzmärkten vor allem die Frage nach aktivem oder passivem Anlagestil diskutiert.

1. April 2021

Retonomics Illu 1920X1080 1024X576

Sollen Investoren besser auf das günstige Replizieren von Finanzmarktindizes setzen oder macht es mehr Sinn, das Geld aktiv in verschiedene Finanzmarktaktiva zu investieren oder einem guten Fondsmanager zur Titelselektion anzuvertrauen? Während die Vorteile dieser beiden Anlageansätze in ihrer reinen Form breit dokumentiert sind, stellen wir fest, dass sich in den letzten Jahren für die beiden Anlagestile Grauzonen entwickelt haben.

Die Vorteile der Passivierung liegen auf der Hand: Die Kosten sind tief, da ein aktives Portfolio- und Risikomanagement wegfällt. Im Umkehrschluss ist es nach Abzug sämtlicher Kosten nicht möglich, eine Zusatzrendite zum Referenzindex zu erzielen. Die Anlage ist ja gerade der Referenzindex. Dagegen haben aktive Anleger die Möglichkeit, für die Kunden einen Zusatzertrag zu generieren. Um diesen Markterfolg zu erzielen, müssen explizite Positionen eingegangen werden.

Das bedingt in der Regel Zusatzausgaben für die Bewirtschaftung der Risiken. In der Folge sind Investitionen in aktive Anlagen in der Regel auch relativ teuer. Kommt hinzu, dass bei aktiven Anlagen immer auch die Gefahr von Kurskorrekturen relativ zum Referenzindex besteht. Angesichts der substantiellen Vor- und Nachteile der jeweiligen Anlagestrategien – aktiv vs. passiv – überrascht es wenig, dass es eine Tendenz hin zu einer Annäherung der beiden Ansätze gibt.

So werden zunehmend auf der Basis von Überzeugungen einzelner Finanzmarktteilnehmer Indizes generiert und für Anlagekunden investierbar gemacht. Die Gefahr ist jedoch, dass die Kunden auf diese Art und Weise mit ihren Anlagen grössere Risiken eingehen als ihnen dies bewusst ist.

Für uns stehen aktive Anlagestrategien im Vordergrund, bei denen der Portfoliomanager nach klar definierten Rastern Anlageideen umsetzt und Risiken bewusst eingeht. Eine periodische Prüfung im Sinne einer Erfolgskontrolle ist bei diesen Anlageansätzen ebenso imperativ wie die qualitative Beurteilung der eingegangenen Risiken. Kunden schätzen denn auch die jederzeitige Begründbarkeit der verschiedenen Anlageentscheide.

Regelbasiertes und systematisches Investieren ist in unseren Augen das Gebot der Stunde, wenn es um aktives Portfoliomanagement geht. Damit dies erfolgreich angewendet werden kann, braucht es eine wiederkehrende Beurteilung der umgesetzten Überzeugungen sowie deren Überprüfung hinsichtlich Erfolg und Risiko. Dass ein solcher systematischer Anlageprozess nicht zu exorbitanten Kosten führen muss, ist ebenfalls hinlänglich bekannt.

Artikel teilen

HBL-WebTV

Videos

2. Februar 2018

Die Typologie des neuen Investierens

In der Verhaltensökonomie spielen psychologische Aspekte der menschlichen Urteilsfähigkeit eine wichtige Rolle. In der heutigen Bankenwelt werden diese Erkenntnisse aber immer noch zu wenig beachtet. Das wollen zwei Hochschulprofessoren ändern.