Halbjahresbilanz: Zwischen KI-Boom und neuen Marktchancen

Während KI-Aktien weiterhin die Schlagzeilen bestimmen, könnten im zweiten Halbjahr andere Sektoren die besseren Chancen bieten.

1. Juli 2026

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Der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh antwortet auf Fragen der Presse nach dem Zinsentscheid vom 17. Juni 2026. (Bild: Federal Reserve auf flickr.com)

Wie jedes Jahr zur Jahreshälfte blicken wir auf das erste Semester des Jahres zurück. Für die wesentlichen neuen Impulse hat dabei ein weiteres Mal die US-Politik unter Präsident Trump gesorgt. Waren es im Vorjahr noch mehrheitlich auf die US-Wirtschaft gerichtete Massnahmen wie die US-Importzölle, ist es in diesem Jahr die US-Aussenpolitik, die für die grossen Schlagzeilen gesorgt hat.

Dabei haben insbesondere die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite für einen erhöhten Ruhepuls an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Gerade während der Eskalation dieses Konfliktes zum Ende des ersten Quartals 2026 ist es nicht zuletzt aufgrund der stark gestiegenen Erdölpreise zu heftigen Kursverlusten an den internationalen Börsen gekommen.

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Die Einkaufsmanagerindizes (PMI in Pkt.) verschiedener Wirtschaftszonen sind mit Ständen von mehr als 50 Punkten zurück im Wachstumsbereich. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 26.06.2026)

Ölpreis für alle Sektoren relevant

Verschiedentlich wurde argumentiert, dass die unmittelbare Folge der höheren Erdölpreise, höhere Inflationsraten und deshalb auch eine restriktivere Geldpolitik sei. Auch wenn dies klar nicht unsere Interpretation einer zielgerichteten Geldpolitik ist, trifft es dennoch zu, dass höhere Preise für Erdöl einen deutlich grösseren Einfluss auf die Wirtschaft haben als lediglich der Preis an der Zapfsäule der Tankstelle.

Als wesentlicher Bestandteil in der Chemie oder aber auch als Plastikverpackung und nicht zuletzt für den internationalen Tourismus gibt es praktisch keinen Sektor, auf den höhere Erdölpreise keinen Einfluss haben.

Im Verlaufe des zweiten Quartals 2026 zeichnete sich immer deutlicher ab, dass die USA ihr politisches Interesse an einer Weiterführung dieses Konfliktes zunehmend verlieren. Zudem  hat der Iran weder die politischen noch die militärischen Mittel, den Konflikt weiter zu eskalieren. So haben die Finanzmärkte mit Genugtuung auf diese Entwicklung reagiert. Einerseits waren in den letzten Wochen die Zinsen global wieder deutlich rückläufig, andererseits konnten auch die Aktienmärkte weitere Kursgewinne verzeichnen.

Schwache Konjunkturimpulse

Demgegenüber gab es wenige wirtschaftliche Impulse auf den internationalen Aktienmärkten. Seitens der Konjunkturindikatoren wechseln sich positive und negative Meldungen regelmässig ab. Richtig schlecht sind die Wirtschaftsnachrichten aber nicht. Von einer Überhitzung der Weltwirtschaft kann aber auch keine Rede sein. 

Im Mittel sind die Nachrichten allenfalls leicht besser, als die Auguren zu Beginn des Jahres erwartet haben. Dies gilt gleichermassen für die Situation im privaten Konsum, für den Arbeitsmarkt und vor allem aber für die Unternehmensnachrichten. 

Die für Ökonomen wohl wichtigste Neuerung des ersten Halbjahres war die Wahl von Kevin Warsh zum neuen Präsidenten der US-Notenbank Fed. Mit den USA als führende Wirtschaftsnation kommt der US-Fed und ihrer Geldpolitik auch 2026 eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Weltwirtschaft zu. Es mehren sich die Anzeichen, dass der von US-Präsident Trump auserkorene Kevin Warsh durchaus gewillt ist, seine über Jahre gereiften Überzeugungen zu vertreten. Rasche Zinssatzsenkungen gehören trotz erhöhter US-Zinsen zum jetzigen Zeitpunkt offensichtlich nicht dazu. Beim ersten Zinsentscheid unter der Ägide von Warsh hat die US-Notenbank das Zielband des Leitzinses am 17. Juni 2026 unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen.

Künstliche Intelligenz dominiert

Neben den weitgehend unveränderten geldpolitischen Rahmenbedingungen waren es in erster Linie die Themen rund um künstliche Intelligenz, die das Geschehen an den internationalen Finanzmärkten dominierten. Trotz temporärer Rückschläge konnten gerade diese Technologiekonzerne neue historische Höchststände verzeichnen. Im Fokus stehen dabei zum wiederholten Male die Chiphersteller wie Nvidia. Sie können denn auch mit neuen Umsatzrekorden und riesigen Bestellungseingängen begeistern. Allerdings kommen die grössten Bestellungseingänge von wenigen Auftraggebern. Diese Käufer verschulden sich zunehmend und auch die Konkurrenzsituation für diese Chiphersteller lässt Fragen offen. 

Moderate Zinserhöhung erwartet

Für das nächste Halbjahr bedeutet dies das Folgende: In den kommenden Sommerwochen ist nur mit geringen Impulsen für die Finanzmärkte zu rechnen. Nach den Sommerferien ist rund um den Globus tendenziell mit leichten Zinssatzerhöhungen zu rechnen. Dies gilt gleichermassen für die USA, Europa und Japan. Allerdings dürften diese zumindest in Europa und den USA angesichts des bereits erhöhten Zinsniveaus verhältnismässig moderat ausfallen und in erster Linie die verbesserte konjunkturelle Entwicklung widerspiegeln.

Darauf deuten unter anderem die weltweit steigenden Einkaufsmanagerindizes hin. Diese gelten als vorlaufende Konjunkturindikatoren, da sie die Einschätzungen von Unternehmen zu Auftragseingängen, Produktion und Beschäftigung erfassen und damit häufig einen frühen Hinweis auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung liefern. Zudem drüften angesichts der erhöhten Bewertungen vieler Tech-Aktien und den verbesserten konjunkturellen Aussichten an den Aktienmärkten zunehmend zyklische Titel an Attraktivität gewinnen.

Im Vergleich zum ersten Halbjahr dürften die Kursgewinne der Aktienmärkte im zweiten Halbjahr weniger bemerkenswert ausfallen. Die grössten politischen Unwägbarkeiten stehen im Zusammenhang mit den im vierten Quartal anstehenden Mid-Term Wahlen in den USA. Aktuell deutet viel auf ein gutes Resultat der Demokraten hin. Dies wiederum dürfte zu wie auch immer gearteten Reaktionen der Regierung Trump und in der Folge erhöhter Volatilität an den internationalen Finanzmärkten führen. 

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Finanzmarkt-Update Juli 2026

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1. Juli 2026

«Aktien sind gut gelaufen»

Der Krieg in Iran hatte im ersten Halbjahr 2026 nur zeitweise einen Einfluss auf die Aktienmärkte. «Wichtig war, dass man dabeigeblieben ist, und dass man diversifiziert war», sagt Reto Huenerwadel, Leiter HBL Asset Management und Anlagechef der Hypothekarbank Lenzburg. Fürs zweite Halbjahr 2026 seien die Zwischenwahlen in den USA im Fokus und die Geldpolitik der Zentralbanken.

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