Die Finanzwelt dreht sich im Schatten des Iran-Konflikts weiter

Weniger Geopolitik, mehr Fundamentaldaten: An den Finanzmärkten rücken wieder zunehmend andere Themen in den Fokus.

29. April 2026

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Der Iran-Krieg, die Schliessung der Strasse von Hormus und die Auswirkungen auf die Energiemärkte halten die Finanzmärkte derzeit in Schach. (Bild: Adobe Stock (KI), ChatGPT)

Auch im zweiten Monat nach dem Ausbruch des Konfliktes zwischen den USA, Israel und dem Iran bleiben die Sorgen um die Schliessung der Strasse von Hormus, respektive die Auswirkungen des Konfliktes auf die weltweite Ölversorgung das dominierende Thema an den internationalen Finanzmärkten. Eine endgültige Lösung dieses Konfliktes ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht absehbar. Die Auswirkungen der Spannungen zwischen den Konfliktparteien auf die Finanzmärkte haben zuletzt deutlich nachgelassen.

Spiel mit Bildern und Fristen

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Erstens haben die kriegerischen Handlungen in den letzten Tagen und Wochen deutlich abgenommen. Die Bilder von militärischen Aktionen fehlen mittlerweile in den internationalen Medien fast vollständig. Zweitens mehren sich viel eher die «Friedensinitiativen» mit an- und abgesetzten diplomatischen Efforts auf beiden Seiten. Auch wenn diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt eher halbherzig erscheinen, ist dennoch festzuhalten, dass sich die Parteien miteinander austauschen. 

Drittens werden Fristen angesetzt, verlängert, relativiert und wieder abgesetzt, ohne dass dies grössere Folgen für die Entwicklung in der Region hätte. Ganz grundsätzlich lässt sich an den Finanzmärkten aber auch wiederholt beobachten, dass die ersten Nachrichten und die damit verbundenen Unsicherheiten in der Regel die grössten Reaktionen auf den Finanzmärkten hervorrufen.

Auf den Punkt gebracht, lässt sich wohl die aktuelle Situation im Nahen Osten wie folgt beschreiben: Während die USA kein Interesse an einem anhaltenden Konflikt mit dem Iran haben und damit eine Eskalation der Situation verhindern wollen, sind wohl auf der iranischen Seite die militärischen Mittel doch deutlich dezimiert worden.

Natürlich spielt Öl und seine Derivate als Schmierstoff der Weltwirtschaft weiterhin eine zentrale Rolle, die in den letzten Monaten aber strukturell abgenommen hat. Die aktuelle Situation dürfte diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen unabhängig von der Tatsache, dass die Lieferketten neu gedacht werden müssen.

Unternehmenszahlen im Fokus

Es sind in der Folge zunehmend andere Themen, die das Geschehen an den Finanzmärkten dominieren. So sind es die Unternehmensergebnisse für das erste Quartal 2026, die für Impulse an den Finanzmärkten sorgen. Diese sind im Mittel ein weiteres Mal leicht besser als erwartet ausgefallen. Dies gilt insbesondere für die grossen aber auch die kleineren Technologiefirmen rund um den Globus. 

Auch wenn die Ergebnisse kritisch gewürdigt werden müssen, vermögen sie nach der jüngsten Konsolidierung der Aktienkurse in diesem Sektor und auf den aktuellen Niveaus positive Impulse zu geben. Aber auch andere Sektoren – zum Beispiel Finanztitel – vermögen mit guten Resultaten zu überzeugen.

Für die Unternehmensergebnisse aus der Schweiz fällt auf, dass sie querbeet stark durch die Aufwertung des Schweizer Frankens beeinflusst werden. Obwohl die Umsätze durch die Wechselkursentwicklung mehrheitlich gebremst werden, können dennoch viele Unternehmen auch bessere Margen durchsetzen.

Einzig der Ausblick bleibt – wenig überraschend – aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen für die kommenden Monate eher bescheiden. Gerade dies führt in der Folge zu zum Teil heftigen Kursausschlägen in den Aktien der entsprechenden Unternehmen.

Besonders augenfällig ist seit einigen Wochen der substanzielle Anstieg der Kurse an den Aktienmärkten aus den Schwellenländern. Im Gegensatz zum US-Aktienmarkt können diese Aktienindizes mit deutlich zweistelligen Kursgewinnen aufwarten.

Auch wenn wir in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen haben, dass die wirtschaftlichen Eigenschaften in den Volkswirtschaften, die unter dem Sammelbegriff «Schwellenländer» zusammengefasst werden, mitunter bemerkenswert unterschiedlich sind, entwickeln sich viele in der gegenwärtigen Situation prächtig.

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Wertentwicklung internationale Leitindizes (in CHF – indexiert): Getrieben von der Tech-Rally hat sich insbesondere der Nikkei Index aus Japan im laufenden Jahr positiv entwickelt. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management, Daten per 24.04.2026)

Technologie und Ressourcen gefragt

Seien es die Tech-Märkte in Asien, die auf die Produktion von natürlichen Ressourcen fokussierten Volkswirtschaften rund um den Globus oder schlicht Länder, die wortwörtlich weit ab vom Schuss sind, sie alle konnten in den letzten Monaten mit höheren Aktienkursen aufwarten. 

Zu guter Letzt scheint sich auch die wirtschaftliche Situation in China wieder etwas zu stabilisieren. So gibt es zögerliche Anzeichen, dass die Vielzahl von Initiativen zur Stärkung des privaten Konsums in China einen positiven Einfluss auf die Ausgaben der privaten Haushalte haben. Davon profitieren lokale Anbieter, aber beispielsweise auch in den Quartalsresultaten von Unternehmen aus der Schweiz ist diese Entwicklung positiv zu beobachten.

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Finanzmarkt-Update Mai 2026

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29. April 2026

«E-Mobilität hat einen Boost erhalten»

Die Ölfrage bleibt wegen des Iran-Kriegs das dominierende Thema an den Märkten. Die Verkehrswege passten sich ein wenig an und die Nachfrage verändere sich. «Bereits jetzt erhält man den Eindruck, dass die E-Mobilität durch die Krise einen Boost erhalten hat», sagt Reto Huenerwadel, Leiter des HBL Asset Managements, im aktuellen Finanzmarkt-Video. Insgesamt habe die Krise aber keine grossen Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

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