Zinsprognose Schweiz: Stillstand ist das neue Normal – SNB bleibt 2026 bei 0 Prozent
Die Schweizerische Nationalbank liefert auch im März 2026 genau das, was man erwartet: Keine Überraschung. In unserer Einschätzung steht auch für den Rest des Jahres 2026 keine Änderung an.
31. März 2026

Trotz steigender Energiepreise ist gegenwärtig kein anhaltender Inflationsdruck erkennbar: Der starke Franken wirkt weiterhin dämpfend auf die importierten Preise. (Bild: Adobe Stock)
Mit ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Kurs und wartet mit Zinsänderungen weiter zu. Im Zentrum steht dabei aktuell das geopolitische Umfeld. Der Konflikt im Nahen Osten und die steigenden Energiepreise erhöhen die Unsicherheit deutlich. Wegen seiner Rolle als sicherer Hafen führt diese Unsicherheit gleichzeitig beim Schweizer Franken für zusätzlichen Aufwertungsdruck.
Die SNB reagiert auf diese Entwicklung, indem sie ihre geldpolitischen Instrumente differenziert einsetzt. Während der Leitzins unverändert bleibt, rückt der Devisenmarkt stärker in den Fokus. Die erhöhte Interventionsbereitschaft zeigt, dass die Nationalbank eine übermässige Frankenstärke aktuell als das grössere Risiko einstuft als einen temporären Anstieg der Inflation.

SNB-Leitzins und andere Zinssätze im Vergleich (in Prozent): Die Schweizer Währungshüter setzen auf Stabilität und halten am Leitzins von 0 Prozent weiterhin fest. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 30.03.2026)
Inflationsdynamik bleibt moderat
Die Inflation hat sich zuletzt leicht erhöht, von 0,0 Prozent im November auf 0,1 Prozent im Februar. Treiber waren vor allem höhere Energie- und Warenpreise im Zusammenhang mit den geopolitischen Entwicklungen. Kurzfristig dürfte dieser Effekt noch etwas nachwirken.
Entscheidend ist jedoch der Blick nach vorne: Die mittelfristige Inflationsdynamik bleibt moderat. Die SNB prognostiziert eine durchschnittliche Teuerung von 0,5 Prozent für 2026 und 2027 sowie 0,6 Prozent für 2028. Damit bewegt sich die Inflation weiterhin im unteren Bereich der Preisstabilität. Trotz steigender Energiepreise ist gegenwärtig kein anhaltender Inflationsdruck erkennbar – im Gegenteil: Der starke Franken wirkt weiterhin dämpfend auf die importierten Preise.
Wachstum unter Trend
Konjunkturell zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Konflikt im Nahen Osten sorgt nicht nur für steigende Energiepreise mit negativen Effekten auf die globale Nachfrage, er führt möglicherweise auch zu Störungen in den Lieferketten. Auch in der Schweiz bleiben die industriellen Aktivitäten schwach, die Einkaufsmanagerindizes im verarbeitenden Gewerbe liegen deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Parallel dazu zeigt die Arbeitslosigkeit einen leicht steigenden Trend. Zwar konnte sich die Wachstumsdynamik der Schweizer Wirtschaft zuletzt stabilisieren, sie bleibt jedoch insgesamt verhalten. Für das Jahr 2026 erwartet die SNB mit rund 1,0 Prozent ein Wachstum unter Trend.
Im aktuellen Spannungsfeld zwischen kurzfristig steigenden Inflationsimpulsen und strukturell dämpfenden Faktoren hat sich die SNB für eine unveränderte geldpolitische Gangart entschieden. Aus unserer Sicht ist die Risikoverteilung allerdings klar asymmetrisch. Während eine nachhaltige Beschleunigung der Inflation wenig wahrscheinlich erscheint, sind die Abwärtsrisiken für Wachstum und Preise deutlich ausgeprägter. Die SNB betont zwar, dass die Hürden für Negativzinsen hoch sind, hält sich diese Option jedoch ausdrücklich offen.
Hypotheken bleiben stabil
Unter dem Strich bleibt die Geldpolitik der Schweiz in einem fragilen Gleichgewicht. Unser Basisszenario bleibt ein unveränderter Leitzins von 0 Prozent für das gesamte Jahr 2026. Angesichts der aktuellen Inflationsprognose, der schwachen Wachstumsdynamik und des starken Frankens sehen wir keinen Spielraum für Zinserhöhungen. Entsprechend erwarten wir in der Schweiz auch keine nennenswerte Aufwärtsbewegung bei den Hypothekarzinsen.
Gleichzeitig bleibt die Abwärtsseite relevant: Sollte sich das Umfeld weiter eintrüben, dürfte die Diskussion um Negativzinsen rasch wieder aufflammen. Auch wenn die Hürde dafür hoch bleibt, ist dieses Szenario aus unserer Sicht klar wahrscheinlicher als steigende Zinsen.
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