Zinsprognose Schweiz: Leitzins bleibt ganzes 2026 bei 0 Prozent
Die Schweizerische Nationalbank hat im Dezember 2025 den Leitzins bei 0 Prozent belassen. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass dieser Satz im ganzen Jahr 2026 Bestand haben dürfte.
21. Januar 2026

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verlängert wie erwartet ihre Zinspause. Der Leitzins wird das zweite Mal in Folge bei 0 Prozent belassen, wie die SNB im Dezember 2025 mitteilte. (Bild: Adobe Stock)
Mit ihrem letzten Zinsentscheid bestätigte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Kurs, den sie im September 2025 eingeschlagen hatte: Nach mehreren und raschen Zinssenkungen ab Anfang 2024 (s. Grafik) setzen die Schweizer Währungshüter nun weiterhin auf Stabilität und signalisierten im Dezember 2025 keinen geldpolitischen Handlungsbedarf.
Im unteren Bereich der Preisstabilität
Hinsichtlich Inflation hat sich das Umfeld zuletzt entspannt. Die Teuerung ist von 0,2 Prozent im August 2025 auf 0,1 Prozent im Dezember 2025 zurückgegangen. Dies ist vor allem auf tiefere Preise in der Hotellerie, bei Mieten und Bekleidung zurückzuführen. Kurzfristig liegt die Inflation damit tiefer als die SNB noch im September 2025 erwartet hatte. In der mittleren Frist bleibt der Inflationsdruck allerdings praktisch unverändert.
Entsprechend hat die SNB ihre bedingte Inflationsprognose nur leicht angepasst: Sie rechnet neu mit einer durchschnittlichen Inflation von 0,2 Prozent für 2025, 0,3 Prozent für 2026 und 0,6 Prozent für 2027. Die Prognose liegt damit im unteren Bereich der Preisstabilität, welche die SNB mit einer Inflation zwischen 0 und 2 Prozent gleichsetzt.

Entwicklung verschiedener Schweizer Zinssätze seit 2019 (in Prozent): Die Schweizer Währungshüter setzen weiterhin auf Stabilität und signalisierten zum Ende 2025 keinen geldpolitischen Handlungsbedarf. Der Leitzins bleibt weiterhin bei 0 Prozent. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 07.01.2025)
Tiefere US-Zölle entspannen Situation
Konjunkturell zeigt sich ein disparates Bild. Während sich die Weltwirtschaft im dritten Quartal 2025 widerstandsfähiger zeigte als befürchtet, schrumpfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im selben Zeitraum. Hauptursache war die stark schwankende pharmazeutische Industrie. Die US-Importzölle hatten substanzielle Konjunkturschwankungen zur Folge. Dass die US-Zölle zuletzt deutlich gesenkt wurden, dürfte nun Exporte in die USA und Investitionen in den Vereinigten Staaten stützen und die Unsicherheit etwas reduzieren. In den übrigen Industriebranchen und im Dienstleistungssektor blieb die Entwicklung im dritten Quartal 2025 leicht positiv. Die Wachstumsdynamik ist aber verhalten.
Als Konsequenz ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten weiter gestiegen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die SNB ein BIP Wachstum von lediglich 1 Prozent. Damit bleibt das Wachstum deutlich unter dem langfristigen Potenzial.
Risiken bleiben bestehen
Insgesamt vermittelt die SNB eine vorsichtig optimistische Grundhaltung. Die schnelle Lockerung der Geldpolitik in den vergangenen Quartalen hat aus Sicht der Nationalbank dazu beigetragen, die Konjunktur zu stabilisieren und den Inflationsrückgang frühzeitig abzufedern. Damit wurden die Weichen gestellt, um eine Rückkehr zu Negativzinsen möglichst zu vermeiden.
Dennoch bleiben die Risiken bestehen: Der Schweizer Franken ist weiterhin stark und wertet sich gegenüber US-Dollar und Euro tendenziell weiter auf. Das Wirtschaftswachstum schwächt sich ab und die Arbeitslosigkeit steigt. Dem stehen mögliche inflationäre Impulse aus dem internationalen Umfeld gegenüber, insbesondere im Zusammenhang mit Handelsbarrieren und geopolitischen Entwicklungen.
Fazit: fragiles Gleichgewicht
Unter dem Strich sehen wir die Geldpolitik aktuell in einem fragilen Gleichgewicht. Unser wahrscheinlichstes Szenario bleibt ein unveränderter Leitzins von 0 Prozent für das ganze Jahr 2026, wobei eine erste Erhöhung der SNB-Leitzinsen frühestens im ersten Halbjahr 2027 realistisch erscheint. Gleichzeitig sind die Risiken für eine erneute Einführung von Negativzinsen weiterhin vorhanden, auch wenn die Hürde dafür hoch bleibt.
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