«Wir probieren, alles abzuschöpfen, was uns die Zins- und die Kreditkurve offeriert»

Der Obligationenfonds des HBL Asset Managements gewinnt 2026 zum zweiten Mal in Folge den LSEG Lipper Fund Award. Die Fondsmanager geben im Interview Einblick in ihre Strategie.

31. März 2026

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Reto Huenerwadel und Holger Seger vom HBL Asset Management gewinnen für ihren Obligationenfonds 2026 den LSEG Lipper Fund Award zum zweiten Mal in Folge. (Bild: David Scheppus)

Frage: Wie fühlt es sich an, über drei und fünf Jahre vor allen Grossen der Finanzbranche abzuschneiden?
Reto Huenerwadel: Wir sprechen bei Frankenobligationen eigentlich von Schweizer Zinsen, und die sind die wichtigste volkswirtschaftliche Kenngrösse für alle Banken. Wenn man in diesem Anlage-Space den ersten Rang erzielt, dann scheint mir das ziemlich bemerkenswert zu sein. Insbesondere, wenn man das als kleine Hypi gegen deutlich grössere Institute erreicht.
Holger Seger: Unser Fonds ist jetzt acht Jahre alt. Wenn man über fünf Jahre der Beste ist, ist das eine kräftige Aussage.

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Was ist euer Rezept?
Holger: Wir probieren alles abzuschöpfen, was uns die Zins- und die Kreditkurve offeriert. Und wir setzen die Schwerpunkte anders als andere Manager. Viele konzentrieren sich aufs Kreditrisiko. Wir sind sehr komfortabel mit Zinsrisiken. Wir sind also auch sehr komfortabel mit längeren Laufzeiten im Portfolio. Wir profitieren sehr stark, wenn die Zinskurve eine Steilheit hat. Hier machen wir einen grossen Teil des Unterschieds zu den anderen. 
Reto: Wir haben ein sportliches Portfolio. In unserem Obligationenportfolio hat es schon Kreditrisiken drin. Wir machen aber keine grossen Wetten. Wir versuchen, solides Handwerk zu machen – konzentriert, überlegt und minutiös.

Mit einem Vermögen von rund 160 Millionen Franken ist der Fonds relativ klein. Bringt das Vorteile?
Reto: Selbstverständlich wollen wir weiter wachsen. Unsere Strategie ginge auch auf, wenn wir grösser wären. Aber aufgrund der geringen Grösse können wir gewisse Spezialsituationen ausnutzen. Wir sind vielleicht ein wenig beweglicher innerhalb dieser Anlageklasse. 

Bei Schweizer Obligationen denkt man an Schweizer Emittenten, im Fonds sind aber auch Titel von ausländischen Schuldnern – wieso?
Holger: Es sind nur Frankenobligationen im Fonds drin. Aber die Schuldner kommen aus der ganzen Welt. Der Medtech-Konzern Danaher hat eine spannende Neuemission gemacht. Er wollte Zugang zum Schweizer Kapitalmarkt aus verschiedenen Gründen. Wenn die Schuldnerqualität und die Rendite im richtigen Verhältnis sind, dann ist für uns auch ein Danaher-Konzern oder eine Provinz in Kanada attraktiv. 

Die Volatilität im Fonds ist mit Jahresrenditen von 7,7% (2024), 9,1% (2023) oder –13,9% (2022) recht gross. 
Holger: Es stimmt, die Volatilität war hoch. Wir hatten eine Corona-Pandemie, die zu einem Preis- und Nachfrageschock geführt hat. Die Lieferprobleme führten zu einer Inflation, wir hatten eine Zinswende. Wir hatten während der Pandemie aber auch Liquiditätsprobleme, wie alle Finanzmärkte. Es kam zu schwierigen Preisstellungen, die Kreditspreads, also die Kreditaufschläge für emittierende Firmen, sind auseinandergelaufen. Niemand wusste genau, wohin es gehen würde. Dementsprechend ist es zu den grossen Bewegungen gekommen. Aber ich würde sagen: Ein durchschnittliches Obligationenportfolio müsste eigentlich nicht so grosse Kurssprünge machen. 
Reto: Wir mussten in den vergangenen Jahren lernen, dass es Positionen gibt, die schwieriger zu halten sind. Wir setzen unsere Überzeugungen zum Teil auch mit ganz selektivem Einsatz von Derivaten um, aber nicht aktivistisch oder hyperaktiv, sondern gezielt und überlegt. Zinszyklen sind langfristige Themen. Die entwickeln sich nicht von einem Tag auf den anderen. Das sind Zyklen von sechs Monaten im Minimum. Hier sollte man sich positionieren und nicht auf Tagesbasis. 

Wie nutzt ihr Zinsderivate?
Holger: Unser Fonds ist BVV2-konform. Das heisst: Wir setzen Derivate nur zur Absicherung ein, nie zum Aufbau von Risiken. Das ist ein wichtiger Punkt für die Investoren. Es wird überhaupt kein Leverage gefahren. 

Reto sagte vorher, ihr würdet eure Überzeugungen umsetzen – welche war 2025 die beste Überzeugung?
Holger: Danaher zum Beispiel. Unsere Überzeugung war, dass wir in der Schweiz wieder eine steilere Zinskurve bekommen werden. Das heisst, die Zinsen im langfristigen Bereich sind höher als im kurzfristigen Bereich. Danaher kam mit drei, vier Laufzeiten und wir haben die längste Laufzeit gekauft. Aus meiner Warte war es 2025 die wichtigste Entscheidung, dass wir längere Durationen als der Benchmark gefahren sind.

In allen Medien wird heutzutage die Überlegenheit von passiven Strategien gegenüber aktivem Investieren betont. Was ist eure Meinung dazu?
Reto: Im Obligationenbereich ist passives Investieren vielleicht noch weniger zielführend als in anderen Bereichen. Wieso? Alle Emittenten von Obligationen emittieren dort, wo es für die Emittenten am günstigsten ist. Wo es für sie am günstigsten ist, ist es per Definition für die Investoren am teuersten. Zudem sind jene Emittenten besonders aktiv, die viele Schulden aufbauen. Das sind dann auch die Obligationen, die in einem ETF stark gewichtet sind. Aber welche Institute machen viele Schulden? Oft jene, die ein wenig laxer mit ihrer Bilanz umgehen. Das muss nicht immer sein, aber man muss hier ganz genau hinschauen, wo man das Geld alloziert. Also sind wir der Überzeugung, dass gerade im Obligationenbereich ein aktives Management einen Unterschied machen kann. 

Tabelle Top 10 Fonds Frankenobligationen 2026 Fuw

Top 10 Fonds Frankenobligationen 2026 (Sortierung nach 3-Jahres-Performance – Quelle: Fonds‘26 Finanz und Wirtschaft / LSEG Lipper; Performance in Prozent per 31. Dezember 2025 in CHF))

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