Goldhandel in der Schweiz – wichtig, aber hohen Schwankungen unterworfen

Kaum ein anderes Land prägt den weltweiten Goldhandel so stark wie die Schweiz. Hier wird Gold gelagert, verarbeitet und weiterverkauft. Die Exporte schwanken aber beträchtlich.

27. August 2025

Gold 1920X1080

Jüngst ein wichtiger Exportfaktor: Die Goldbranche schafft direkt rund 1500 Jobs in der Schweiz. (Bild: Adobe Stock)

Die Schweiz spielt eine zentrale Rolle im weltweiten Goldhandel. Jedes Jahr werden hier zwischen 2 500 und 3 000 Tonnen importiert. Damit ist die Schweiz ein globaler Knotenpunkt für Gold. Im Mittelpunkt stehen dabei die Raffinerien. In diesen Betrieben wird Rohgold eingeschmolzen, gereinigt und in Barren gegossen. Rund die Hälfte bis zwei Drittel der weltweiten Produktion läuft durch Schweizer Raffinerien. Von hier aus gehen die Barren nach London, New York oder Asien.

Dass die Schweiz diese Rolle innehat, ist kein Zufall. Mehrere Faktoren spielen zusammen: politische Stabilität, moderne Infrastruktur und sichere Lagerstätten und die Nähe zur Uhren- und Schmuckindustrie. Auch der Ruf von „Swiss Made“ trägt dazu bei, dass Schweizer Barren weltweit als Qualitätsstandard gelten.

Grafik Gold

Goldlieferungen aus der Schweiz in die USA in Milliarden CHF (Quelle: BAZG/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 22.08.2025)

Sprunghafte Schwankungen der Handelsbilanz

Gold ist ein zentraler Exportfaktor. Für die Schweiz schafft die Branche rund 1 500 Arbeitsplätze. Dazu kommen viele indirekte Jobs in Logistik, Sicherheit und Handel. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist in einer aktuellen Studie darauf hin, dass Gold im Jahr 2024 rund 27 Prozent des gesamten Warenhandels ausmachte – noch vor Pharmazeutika. Dennoch ist die reale Bedeutung für die Binnenwirtschaft insgesamt kleiner.

Damit wird auch erklärt, warum die Handelsbilanz der Schweiz manchmal sprunghaft schwankt. Diese Ausschläge liegen oft nicht an der Stärke oder Schwäche der Schweizer Wirtschaft, sondern daran, dass weltweit mehr oder weniger Gold nachgefragt wird. Mit anderen Worten: Gold verzerrt die offiziellen Aussenhandelszahlen. Auch die Leistungsbilanz wird durch solche Bewegungen beeinflusst, ohne dass dies etwas über die grundlegende wirtschaftliche Lage der Schweiz aussagt.

Goldnachfrage als Spiegel der Unsicherheit

Die genauen Mengen an gelagertem Gold werden nicht veröffentlicht. Klar ist jedoch: Die Schweiz gilt als einer der sichersten Standorte der Welt. Private Anbieter und Banken bieten hochsichere Tresore an, die von internationalen Kunden genutzt werden.

Die Bedeutung des Goldhandels dürfte auch in Zukunft bestehen bleiben. Politische Unsicherheiten und Krisen lassen die Nachfrage nach Gold eher steigen. Die SNB erwartet, dass sich die starken Schwankungen im Goldhandel auch künftig in den Aussenhandelsstatistiken zeigen werden. Diese Zahlen müssen daher mit Vorsicht interpretiert werden: Sie spiegeln vor allem globale Unsicherheiten wider – und weniger die fundamentale Stärke der Schweizer Wirtschaft.

Artikel teilen

Finanzmarkt-Update 09|25

Bitte Marketing-Cookies akzeptieren, um dieses Video anzusehen.

27. August 2025

«Negativzinsen in der Schweiz möglich»

Der Kleinkrieg von US-Präsident Trump mit der US-Notenbank Fed um weitere Zinssenkungen könnte auch Folgen für die Schweiz haben. «Es besteht die Möglichkeit, dass die Schweiz in Negativzinsen eintauchen wird», sagt Reto Huenerwadel, Anlagechef der Hypothekarbank Lenzburg. Die starke Realwirtschaft sei für Aktien aber grundsätzlich positiv.

Bitte Marketing-Cookies akzeptieren, um diesen Inhalt anzusehen.

Bitte Marketing-Cookies akzeptieren, um diesen Inhalt anzusehen.

Abonnieren Sie #hblasset

Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie kostenlos unseren #hblasset Anlageservice für private Investor:innen digital per E-Mail oder als Magazin per Post.

Newsletter abonnieren

Printausgabe abonnieren