Erste Lichtblicke für die deutsche Konjunktur – doch die Risiken beim grossen Nachbar im Norden bleiben hoch

Nach Jahren der Rezession und Stagnation mit strukturellen Problemen mehren sich die Anzeichen einer leichten konjunkturellen Erholung in Deutschland.

4. März 2026

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Ikone der deutschen Ingenieurskunst: Porsche 911 Turbo S. Die starke Abhängigkeit von der Automobilindustrie war für Deutschlands Volkswirtschaft zuletzt auch ein Handicap. (Bild: Volkswagen AG)

Deutschland kämpft seit Jahren mit tiefgreifenden wirtschaftlichen Herausforderungen. Die starke Abhängigkeit von der Automobilindustrie, strukturelle Versäumnisse bei der Digitalisierung sowie der Dieselskandal belasteten die deutsche Wirtschaft.

Mit der Corona-Pandemie folgte ein Schock historischen Ausmasses, der Lieferketten unterbrach und die industrielle Produktion einbrechen liess. Der anschliessende Inflationsschub traf Unternehmen und Haushalte gleichermassen. Besonders der Immobiliensektor geriet durch stark gestiegene Zinsen und Baukosten unter erheblichen Druck. Gleichzeitig zwingt die Verlagerung zur E-Mobilität zu milliardenschweren Transformationsinvestitionen.

Grafik Deutschland

Trend zeigt aufwärts (BIP-Veränderung in Prozent zum Vorquartal): Deutschlands Bruttoinlandprodukt (BIP) erzielte im ersten und vierten Quartal 2025 eine positive Veränderung – die gepunktete Trendlinie zeigt nach oben. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 27.02.2026)

Staatsausgaben sorgen für Impulse

Nun zeigen die jüngsten Zahlen jedoch ein etwas freundlicheres Bild. Im vierten Quartal 2025 wuchs das Bruttoinlandprodukt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit fiel das Gesamtjahr 2025 im Vergleich zu 2024 und 2023 spürbar positiver aus. Für 2026 dürfte das Wachstum die prognostizierte Marke von 1 Prozent übertreffen. Impulse werden insbesondere von steigenden Staatsausgaben erwartet: Der Bund plant erhebliche Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und Subventionen, was kurzfristig stabilisierend wirken dürfte.

Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex signalisiert eine deutliche Aufhellung und hat den Tiefpunkt von Ende 2024 klar hinter sich gelassen. Auffällig ist, dass sich zuletzt die Industrie etwas robuster zeigte als der Dienstleistungssektor. Dennoch verharren die Erwartungen insgesamt auf niedrigem Niveau – von einem breiten Industrieaufschwung kann daher noch nicht gesprochen werden.

Ein ähnliches Bild liefern die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe. Im Dezember 2025 stiegen sie gegenüber dem Vormonat um 7,8 Prozent. Ohne Grossaufträge lag das Plus jedoch lediglich bei 0,9 Prozent. Viele dieser Grossaufträge waren staatlich geprägt, insbesondere im Rüstungsbereich. Es ist wahrscheinlich, dass weitere Staatsausgaben die Zahlen in den kommenden Monaten stützen werden.

Auch die Einkaufsmanagerindizes (PMI) als wichtige Frühindikatoren deuten auf eine Erholung hin und erreichten zuletzt den höchsten Stand seit Anfang 2022. Dennoch bleibt Vorsicht geboten. Der Inflationsschock wirkt nach, der private Konsum erholt sich nur langsam von tiefen Niveaus, und geopolitische Spannungen im Nahen Osten bergen erhebliche Risiken für die Energiepreise. Deutschland zeigt erste Stabilisierungstendenzen. Von einer grossen Wirtschaftswende zu sprechen, wäre jedoch verfrüht.

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