Iran, Zapfsäule und Restaurant – oder: Ökonomie in Zeiten des Krieges

Höhere Ölpreise belasten die Weltwirtschaft auf mehreren Ebenen. Ob daraus vor allem Inflationsdruck oder ein Dämpfer für das Wachstum entsteht, hängt stark vom Arbeitsmarkt ab.

31. März 2026

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«Je robuster der Arbeitsmarkt, desto eher können Arbeitnehmende höhere Löhne durchsetzen.»

Im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran rücken das Öl und die wirtschaftlichen Folgen eines Preisanstiegs in den Fokus. Das ist naheliegend. Einerseits befinden sich in der Region bedeutende Ölreserven, andererseits verlaufen dort für den Welthandel und die Geopolitik strategisch zentrale Routen – Stichwort Strasse von Hormuz.

Auch wenn sich bis jetzt – und wohl auch künftig – nicht abschliessend klären lässt, wer in der Ölfrage welche Interessen verfolgt, lässt sich bereits heute festhalten, dass der Konflikt das weltweite Ölangebot verknappt. Unabhängig davon, ob diese Angebotsreduktion nur vorübergehend ist oder länger anhält, hat sie folgerichtig zu einem Anstieg des Ölpreises an den internationalen Rohstoffmärkten geführt.

Dass sich dies tendenziell preistreibend auf die Weltwirtschaft auswirkt, ist die logische Folge. Auch wenn die Finanzmärkte auf diese Entwicklung mit höheren Zinsen reagiert haben, erscheint uns diese Reaktion etwas gar simpel beziehungsweise zu kurz gegriffen. Wir halten die Zusammenhänge für deutlich vielschichtiger. Im Zentrum unserer Betrachtung stehen die Konsumenten. 

Situation entscheidet sich am Arbeitsmarkt

Private Haushalte verwenden – je nach Volkswirtschaft in unterschiedlichem Ausmass und im langfristigen Trend eher sinkend – einen substanziellen Teil ihres verfügbaren Einkommens für fossile Treibstoffe und damit verbundene Güter und Dienstleistungen. Steigen nun die Ölpreise, bedeutet dies nicht nur höhere Inflation, sondern vor allem auch einen Rückgang der real verfügbaren Einkommen der Konsumenten rund um den Globus. Entscheidend ist dabei die Situation am Arbeitsmarkt, denn sie bestimmt mit, ob und in welchem Ausmass der private Konsum als zentraler Wachstumsanker einer Volkswirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird.

Je robuster der Arbeitsmarkt beziehungsweise je tiefer die Arbeitslosigkeit, desto eher können Arbeitnehmende höhere Löhne durchsetzen, um die gestiegenen Auslagen für Öl und seine Derivate auszugleichen. Ist der Arbeitsmarkt hingegen angespannt, sind die Voraussetzungen für entsprechende Lohnforderungen deutlich schlechter.

Im ersten Fall dürfte ein höherer Ölpreis zu zusätzlichem Lohndruck und damit berechtigterweise auch zu höheren Zinsen führen. Im zweiten Fall wirken höhere Ölpreise im Grundsatz wie eine Steuer auf den Konsum. Sie schmälern die Kaufkraft der Konsumenten und belasten das Wachstum der jeweiligen Volkswirtschaften.

Etwas plakativ formuliert: Wer mehr Geld für eine Tankfüllung ausgeben muss, wird weniger Geld im Restaurant ausgeben können. Das hat zwangsläufig Auswirkungen auf die nachgefragten Mengen und auf die Preise der abgesetzten Güter. Für die Geldpolitik stellt damit der Arbeitsmarkt die entscheidende Weichenstellung dar. Ein robuster Arbeitsmarkt spricht für höhere Zinsen.

Ein angeschlagener Arbeitsmarkt für tiefere Zinsen. Die jüngsten Entscheide der Zentralbanken deuten darauf hin, dass sie diese beiden Entwicklungen sorgfältig abwägen. Eine falsche Entscheidung könnte weitreichende konjunkturelle Folgen haben. Vorerst kaufen sich die Zentralbanken Zeit, indem sie die Leitzinsen unverändert belassen.

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