US-Aussenpolitik, Realitäts-Check und Repositionierung der Investoren
Die Eskalation im Iran-Konflikt fällt in ein angespanntes Stimmungsumfeld. Erratische Kursreaktionen auf Einzeltitelebene zeigen dies deutlich.
4. März 2026

Der Amtssitz des US-Präsidenten im Fokus: Die Regierung Trump misst vor den anstehenden Mid-Term Wahlen im kommenden November der Aussenpolitik grössere Bedeutung bei. (Bild: Adobe Stock)
Für die internationalen Finanzmärkte hatten die Trends der Vormonate grundsätzlich auch im Januar und Februar 2026 mehrheitlich Bestand. So deutet die volkswirtschaftliche Grosswetterlage weiter auf moderates Wachstum hin. Allenfalls lässt sich argumentieren, dass sich das Wachstumsmomentum in den letzten Wochen sogar etwas verbessert hat. Am besten lässt sich dies an den Umfragen bei den sogenannten Einkaufsmanagerindizes illustrieren. Diese sind nach langer Phase der Stagnation zum ersten Mal wieder angestiegen und auch besser als erwartet ausgefallen (Grafik rechts). Dies gilt gleichermassen für die Gesamtindizes der jeweiligen Volkswirtschaften als auch für die besonders relevanten Sub-Komponenten aus dem Bereich des Bestellungseingangs.

Stimmungsindikatoren stehen auf Wachstumskurs (in Punkten): Die Stimmungsindikatoren der grössten Volkswirtschaften stiegen zuletzt über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 02.03.2026)
Eigentlich Verbesserung angezeigt
Sie deuten darauf hin, dass sich an der Schnittstelle zwischen Nachfrage und Angebot, also den Kunden und der Produktion der befragten Firmen, das erste Mal in rund vier Jahren eine deutlich verbesserte Grundhaltung breit macht. Dies gilt in gleichem Masse für die führenden westlichen Volkswirtschaften als auch für viele Schwellenländer. Allerdings trifft es auch zu, dass ein einzelner positiver Monatswert nicht überinterpretiert werden darf. Erst die kommenden Monate werden klarer zeigen, ob und in welchem Ausmass sich die ersten Anzeichen eines konjunkturellen Aufschwungs effektiv bestätigen werden.
Da gleichzeitig aber auch für die kommenden Monate mit weiteren Impulsen seitens der Fiskalpolitik gerechnet werden kann und mit der Ausnahme der Schweiz auch seitens der Geldpolitik weitere Impulse möglich sind, besteht durchaus Hoffnung, dass sich mittel- bis langfristig ein konstruktives Bild für die Weltkonjunktur ergibt.
Kurzfristig besteht selbstverständlich auch in diesem Jahr die Gefahr, dass die Regierung Trump mit ihren politischen Aktivitäten für Stimmung an den Finanzmärkten sorgen wird. Auch dies ist im Vergleich zu der Entwicklung an den Märkten der letzten Monate nicht neu. Dabei deutet aktuell vieles daraufhin, dass die Regierung Trump vor den anstehenden Mid-Term Wahlen im kommenden November angesichts unerfreulicher Umfrageergebnisse und der politischen Probleme in den USA selbst der Aussenpolitik im Sinne einer politischen Ablenkung eine grössere Bedeutung beigemessen wird. Auch wenn diesem politischen Vorgehen in früheren Episoden der US-Geschichte in der Regel wenig Erfolg beschieden war, ist es dennoch ein oft begangener Weg von US-Präsidenten.
Iran wegen Erdöl relevant
Die aktuellen Spannungen mit Iran sind denn auch entsprechend zu interpretieren. Auch der Versuch des Irans, aus diesen Spannungen einen regional möglichst grossen Konflikt zu machen, kann ebenfalls nicht überraschen. Angesichts der in der Region angesiedelten Erdölreserven wird dies Implikationen auf den Erdölpreis und auf die internationalen Finanzmärkte haben.
Die Frage stellt sich, ob Teheran die politische, wirtschaftliche und/oder militärische Kraft hat, sich den USA zu Beginn des Jahres 2026 zu widersetzen. Zumindest in den letzten Jahren wurde diese Antwort von der internationalen Staatengemeinschaft und auch von den internationalen Finanzmärkten immer verneint. Wenig deutet darauf hin, dass dies aktuell anders sein soll. Zu geschwächt erscheint die politische und militärische Elite des Irans aktuell.
Vor diesem wirtschaftlichen und politischen Hintergrund haben in den letzten Wochen das Gros der Unternehmen ihre Jahresergebnisse präsentiert. Diese sind rund um den Globus mehrheitlich positiv ausgefallen. Auffällig sind allerdings die zum Teil heftigen Reaktionen der Finanzmärkte auf die konkrete Veröffentlichung der verschiedenen Unternehmensnachrichten.
Institutionelle Anleger führen Realitäts-Check durch
Auch etablierte Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell und verbesserten Unternehmensergebnissen sahen sich grossen Kursschwankungen gegenüber. Zweistellige Kursreaktionen nach oben oder unten im Anschluss an die Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse konnten verschiedentlich beobachtet werden. In der Regel zogen Anpassungen in den Erwartungen die grössten Kursschwankungen nach sich.
Bemerkenswert ist dabei, dass auch in den letzten Jahren anerkanntermassen schwierige Geschäftsmodelle im Anschluss an die Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse positive Kurssprünge verzeichnen konnten und umgekehrt. Nach mehreren monothematischen Wochen an den internationalen Finanzmärkten – Geschäftsmodelle rund um künstliche Intelligenz dominierten Kommentare und Investitionen gleichermassen – scheint es unter anderem auch bei institutionellen Investoren in den letzten Wochen zu einem Realitäts-Check gekommen zu sein. Die sich daraus ergebenden Handelsaktivitäten und Repositionierungen der wichtigsten Akteure führten in der Folge zu grösseren Verwerfungen in den entsprechenden Aktien, ohne dass der Gesamtindex grosse Bewegungen gemacht hätte.
Obwohl diese mitunter erratischen Kursentwicklungen einzelner Aktien für einzelne Investoren und Investorinnen schmerzhaft ausgefallen sein dürften, sind sie für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten durchaus positiv zu werten. Eine allzu einseitige Positionierung an den Finanzmärkten führt in der Regel zu positiven oder eben auch negativen Verzerrungen, die fundamental nicht gerechtfertigt sind. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass auch die jüngsten heftigen Kursbewegungen noch nachgelagerte Effekte auf die Finanzmärkte oder deren Akteure haben werden.
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