Jahresausblick 2026 – zwischen Stabilität und Sprengstoff

Geld- und Fiskalpolitik stützen die Märkte, während Geopolitik und KI die Richtung vorgeben.

21. Januar 2026

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2026 erwarten wir ein verhaltenes, aber stabiles Wachstum, getragen von expansiver Geld- und Fiskalpolitik. (Bild: Adobe Stock (KI))

Wie immer zu Beginn des Jahres stellen auch wir uns die Frage, was die kommenden Wochen und Monate für die Weltwirtschaft und in der Folge auch für die Finanzmärkte bringen werden. In der Kürze lässt sich dabei festhalten, dass gemessen an den verschiedenen Konjunkturindikatoren die letzten zwölf Monate eine Annäherung der verschiedenen Konjunkturzyklen brachten. Während die Wirtschaftszahlen aus den USA am unteren Rand der Erwartungen ausgefallen sind, wurden aus Europa eher besser als erwartete Nachrichten veröffentlicht. Dies hat in der Folge auch zu einer Outperformance der jeweiligen Aktienindizes geführt.

Auch für die kommenden Wochen und Monate erwarten wir eine vergleichbare Entwicklung. Obwohl rund um den Globus die Stimmungsindikatoren seitens Konsumenten und Unternehmen gleichermassen wenig positive Dynamik versprechen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mit einem Einbruch der Wachstumsdynamik zu rechnen. Dies liegt in erster Linie daran, dass die verschiedenen Zentralbanken in den letzten Monaten in der Summe eher expansiver geworden sind und es zum gegenwärtigen Zeitpunkt wenig Anzeichen für eine restriktivere Gangart seitens der verschiedenen Zentralbanken gibt. Im Gegenteil: Gerade auch in den USA oder auch in England verharren die Geldmarktzinsen auf Niveaus, die für den Fall eines Notfalles weitere Zinssatzsenkungen ermöglichen.

Entsprechend verhält es sich bei der Fiskalpolitik. Rund um den Globus wird mit expansiveren Staatsfinanzen gerechnet. Besonders ausgeprägt ist dies in den USA, wo die Mittel der Umsetzung der Big Beautiful Bill der Regierung Trump in die Wirtschaft fliessen werden. Aber auch in Europa und in anderen Teilen der Erde wurden zuletzt zusätzliche staatliche Ausgaben gesprochen, die das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten stützen sollten.

Dabei lässt sich argumentieren, dass gerade der US-Aktienmarkt bis zu den Midterm-Wahlen in den USA auch von der Trump-Regierung gestützt werden dürfte. Angesichts der aktuell bemerkenswert schlechten Umfragewerte der Regierung Trump und der Bedeutung einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik für die Nachwahlen in den US-Kongress, dürfte den amerikanischen Aktienmärkten als Gradmesser eine zentrale Rolle zukommen. Dabei will sich die Regierung Trump eine tiefere Aktienbewertung wohl nicht leisten.

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Geldmarktsätze verschiedener Währungen im Vergleich (in Prozent): Auf internationaler Ebene verharren die Geldmarktzinsen auf Niveaus, die für den Fall eines Notfalles weitere Zinssatzsenkungen ermöglichen würden. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 16.01.2026)

Gleichzeitig lässt sich festhalten, dass sich Europa in vielerlei Hinsicht gegenüber den USA in einer vorteilhaften Situation befindet. Dies gilt erstens für die Geldpolitik, die angesichts tieferen Inflationsdrucks – die US-Importzölle lassen grüssen – bereits jetzt expansiver als in den USA ist. Besonders wichtig ist aber die fiskalische Position. Nach Jahren mit expansiven Staatsfinanzen in den USA – gleichermassen getrieben von den beiden Trump-Regierungen aber auch der Biden- Präsidentschaft – ist in der Zwischenzeit die Verschuldung der USA ungleich höher als in Europa.

Einiges deutet daraufhin, dass Europa dieses Wachstumspotenzial in den kommenden Jahren über vermehrte Infrastruktur- und Militärausgaben anzapfen will. Auch wenn über Sinn und Unsinn dieser Ausgaben auf beiden Seiten des Ozeans trefflich gestritten werden kann, bedeuten sie trotzdem für die nächsten Monate Wirtschaftswachstum. Seitens der Wirtschaft ist also auch für das kommende Jahr mit verhaltenem Wachstum zu rechnen.

Neben dem staatlich induzierten Wirtschaftswachstum werden auch in den kommenden Monaten die technologischen Trends der letzten Monate rund um den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) vorherrschen. Dabei wird es interessant sein zu sehen, ob und in welchem Ausmass die Ausgaben in KI rentabilisiert werden können, oder ob es in erster Linie die Anbieter der entsprechenden Infrastruktur sind, die am meisten von diesem Trend profitieren.

In jedem Fall gilt, dass es zuletzt erschreckend wenige Akteure waren, die im grossen Stil von diesem Trend profitieren konnten. Grosse Investitionen wurden und werden in diese KI-Infrastruktur gemacht. Besonders bemerkenswert dabei ist, dass diese zuletzt nicht mehr eigen- sondern zunehmend fremdfinanziert wurden und werden. In der Kombination mit Aktienbewertungen, die immer stärker von wenigen grossen Aktien getrieben werden, ist dies sicher eine Entwicklung, die genau beobachtet werden muss und gehörig Sprengstoff beinhaltet. Sorgfältige Diversifikation macht vor diesem Hintergrund sicher Sinn.

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