Die US-Politik trifft auf die Wirtschaft

Donald Trump steht innenpolitisch unter Druck. Entscheidend ist, ob daraus wirtschaftlich und finanzmarktseitig Impulse entstehen.

31. März 2026

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Zapfsäule als Massstab der wirtschaftlichen Stimmung: Steigende Benzinpreise treffen die US-Haushalte direkt und können über Wahlen entscheiden. (Bild: Adobe Stock)

Auch in den letzten Wochen dominierten die Regierung Trump und ihre Entscheidungen den politischen und wirtschaftlichen Diskurs. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Schlagzeilen aus Washington. Vieles deutet darauf hin, dass sich die US-Regierung in einem permanenten Kommunikationsmodus befindet, in dem politische Präsenz fast schon zum Selbstzweck geworden ist.

Mit Blick auf die Midterm-Wahlen vom November 2026 überrascht dies allerdings nicht. Diese Wahlen werden für die zweite Hälfte der Legislatur Trump zum ersten grossen politischen Gradmesser. Gewählt werden dann alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie ungefähr ein Drittel der Sitze im Senat. Erfahrungsgemäss ist dies jener Zeitpunkt, an dem ein US-Präsident seine politische Handlungsfreiheit verlieren kann, falls er sich neu mit einem geteilten Kongress arrangieren muss.

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US-Arbeitsmarkt im Fokus: Die Arbeitslosenrate (in %) steigt auf tiefem Niveau an und gleichzeitig weist die Entwicklung der neu geschaffenen Jobs ausserhalb der Landwirtschaft (absolut in 1000) eine sinkende Tendenz auf. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management; Daten per 30.03.2026)

Stimmung auf Dreimonatstief

Für die Finanzmärkte ist dabei entscheidend, dass die Regierung Trump innenpolitisch zunehmend unter Druck gerät. Gerade in wirtschaftspolitischen Fragen wurde ihr nach den Wahlen Ende 2024 von vielen Wählern eine höhere Glaubwürdigkeit zugeschrieben als den Demokraten. 

Umso schwerer wiegt, dass sich das konjunkturelle Bild zuletzt eingetrübt hat. Die Stimmung der US-Konsumenten ist im März 2026 auf ein Dreimonatstief gefallen. Gleichzeitig sind die kurzfristigen Inflationserwartungen wieder gestiegen. Dies ist nicht nur ein psychologischer Faktor, sondern auch aus finanzmarktseitiger Sicht relevant, weil schwächeres Konsumentenvertrauen, steigende Lebenshaltungskosten und zurückhaltendere Ausgabebereitschaft die Wachstumserwartungen direkt beeinträchtigen können.

Hinzu kommt der Konflikt mit dem Iran, der die Lage verschärft hat. Der starke Ölpreisanstieg hat die Unsicherheit über den weiteren Verlauf von Inflation, Zinsen und Weltwirtschaft nochmals erhöht. Ein Fass Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich zuletzt auf rund 115 US-Dollar, was im Monat März 2026 einem Anstieg von weit über 50 Prozent entsprach. Das ist nicht nur für die Energiepreise relevant, sondern auch für das politische Klima in den USA.

Steigende Benzinpreise treffen die US-Haushalte direkt und sind erfahrungsgemäss ein äusserst sensibler Gradmesser für die wirtschaftliche Stimmung der Wählerschaft. Nicht zufällig wird in den USA oft gesagt, Wahlen würden auch an der Zapfsäule entschieden. Genau in diesem Punkt gerät Präsident Trump derzeit unter zusätzlichen Druck. Gemäss den jüngsten Umfragewerten ist seine Zustimmungsrate zuletzt auf 36 Prozent gefallen.

Anspruchsvolle Gemengelage

Solange höhere Ölpreise die Kaufkraft schmälern und die Inflationserwartungen anheben, bleiben die Notenbanken unter Druck. Gleichzeitig wirkt ein solcher Schock aber auch wachstumsdämpfend. Für die Finanzmärkte ist diese Gemengelage anspruchsvoll, weil sie sowohl Aktien als auch Anleihen kurzfristig belasten kann. Das war in den letzten Tagen denn auch zu beobachten: Höhere Ölpreise, fallende Aktienkurse und eine insgesamt nervöse Marktstimmung gingen Hand in Hand. 


Auch andere politische Themen entwickeln sich nicht im Sinne von Präsident Trump. Die Affäre rund um Jeffrey Epstein sorgt erneut für Schlagzeilen, und die Involvierung der USA im Krieg mit dem Iran wird in Teilen der Bevölkerung zunehmend kritisch gesehen. Für die Märkte ist all dies nicht deshalb relevant, weil einzelne politische Episoden an sich entscheidend wären, sondern weil sich daraus ein Muster ergibt: Der politische Druck auf die Regierung steigt, und mit ihm steigt auch der Zwang, in den kommenden Monaten wirtschaftlich und finanzmarktseitig positive Resultate zu liefern.

Marktfreundliche Massnahmen

Genau darin liegt aus unserer Sicht die eigentliche Kernaussage. Die politische Lautstärke in Washington ist hoch, und sie dürfte bis zu den Midterms kaum abnehmen. Für die Finanzmärkte ist aber wichtiger, dass sich die Regierung Trump kaum leisten kann, mit einer schwachen Konjunktur, hohen Benzinpreisen, ungelösten Fiskalfragen und fallenden Aktienkursen in den Wahlkampf zu ziehen. Der Druck, bei Energiepreisen, Zinsen oder Staatsfinanzen Fortschritte zu erzielen, nimmt deshalb zu. Das schafft kurzfristig keine Ruhe, erhöht mittelfristig aber den Anreiz für marktfreundliche Massnahmen und kommunikative Erfolge.

Für unsere Anlagelösungen bedeutet dies, dass wir die erhöhte Unsicherheit genau beobachten, daraus aber vorerst keinen Grund für hektische Richtungswechsel ableiten. Vielmehr spricht das Umfeld weiterhin für eine disziplinierte Einordnung der politischen Entwicklungen im Licht ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen. 

Anders formuliert: Die Nachrichtenlage bleibt laut und volatil, doch für die Positionierung entscheidend bleiben Konjunktur, Inflation, Zinsen und Unternehmensgewinne. Genau deshalb erscheint es uns derzeit wichtiger, an den grundlegenden Überzeugungen festzuhalten, als jeder neuen Schlagzeile hinterherzulaufen.

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