Zentralbanken wollen ein Abgleiten in deflationäre Tendenzen verhindern

Notenbank-Meeting in Jackson Hole: Angesichts der grossen Risiken rund um die Corona-Pandemie ist nicht mit einer Änderung der geldpolitischen Stossrichtung zu rechnen.

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Kein Abgleiten in deflationäres Terrain: Zentralbanken müssen angesichts anhaltend hoher Arbeitslosenzahlen alle Register ziehen, die ihnen zur Verfügung stehen. (Bild: Justus Menke/unsplash, Montage HBL)

Nach den grossen Sommerferien und mit Start in das letzte Drittel des Jahres 2020 stellt sich die Frage, wie sich die Welt und die Finanzmärkte in den kommenden Wochen darstellen werden. Wie immer zum Ende des Hochsommers kommt dabei der Jackson-Hole-Konferenz der US-Notenbank Fed eine zentrale Rolle zu. An diesem Treffen der wichtigsten geldpolitischen Würdenträger der Welt wird der Takt für den Handel an den internationalen Finanzmärkten in den letzten Monaten des Jahres 2020 vorgegeben. Selbstverständlich wird das Treffen dieses Jahr zum ersten Mal in beinahe 40 Jahren nicht physisch stattfinden. Virtuell findet dieses Treffen unter dem Titel «Navigieren in der nächsten Dekade: Geldpolitische Implikationen» aber sehr wohl statt. 

Unterton konstruktiver

Es ist dabei nicht absehbar, dass die Vertreter der wichtigsten Zentralbanken zu grundsätzlich neuen Schlüssen kommen werden. Der Unterton könnte aber etwas konstruktiver ausfallen als in der ersten Jahreshälfte. Angesichts der anhaltend grossen Herausforderungen rund um die Corona-Pandemie und deren Implikationen auf Wirtschaft und Inflation ist nicht mit einer grundsätzlich geänderten geldpolitischen Stossrichtung zu rechnen. In den Augen der meisten Zentralbanker ist dies nicht der Zeitpunkt für Experimente mit einer restriktiveren Geldpolitik. In einer Situation, in der die verschiedenen Zentralbanken angesichts anhaltend hoher Arbeitslosenzahlen ein Abgleiten in deflationäre Tendenzen mit allen – auch geldpolitischen – Mitteln verhindern wollen, liegt es auf der Hand, dass die Geldschleusen weiterhin offen bleiben. Die Staaten, die weiterhin die Möglichkeit haben Förderprogramme zu schnüren, werden darauf in den kommenden Monaten ebenfalls nicht verzichten wollen.

Ansonsten brachten die letzten Hochsommer-Wochen wenig neue Impulse für die internationalen Finanzmärkte. Das dominierende Thema ist und bleibt das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft sowie die Wirtschaft respektive die Finanzmärkte. Trotz steigenden Fallzahlen rund um den Globus bemühen sich dabei Entscheidungsträger einen zweiten Lockdown und damit die verheerenden Auswirkungen auf die Wirtschaft zu verhindern. Dabei kommt der Schutzmaske eine immer wichtigere Bedeutung zu. Dies gilt immer mehr auch für die Schweiz. Auch wenn die Fallzahlen von Woche zu Woche ansteigen, sind die Steigerungsraten nie mit der Situation zum Ende des ersten Quartals 2020 vergleichbar. 

Normalisierung in einzelnen Branchen

Insbesondere für die Weltwirtschaft dürfte diese Entwicklung eine gewisse Entspannung mit sich bringen. Natürlich hat die Corona-Pandemie in verschiedenen Branchen und bei einzelnen Unternehmen einschneidende Auswirkungen. Die Situation hat sich für das Gros der Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte 2020 etwas entspannt. Zu diesem Schluss kommt auch, wer sich die Unternehmensergebnisse der an den verschiedenen Börsen gehandelten Aktien für das zweite Quartal 2020 genauer anschaut. Grossmehrheitlich sind diese besser als erwartet ausgefallen. Natürlich wurden für dieses Quartal sehr vorsichtige Erwartungen formuliert. Dennoch deuten die Zahlen auf eine gewisse Normalisierung der Situation zumindest in einzelnen Branchen hin. 

In der Konsequenz konnten denn auch die Aktienmärkte weiter an Boden gut machen. Einzelne Börsen wie beispielsweise die US-Technologiebörse Nasdaq konnten sogar neue absolute Höchstwerte erreichen. Bei einer Beurteilung der aktuellen Börsensituation ist zu berücksichtigen, dass sich in den letzten Wochen und Monaten die Preisentwicklung an den Märkten sehr uneinheitlich darstellt. Der Fokus der Investoren liegt weiterhin auf den Technologietiteln, den Werten aus einzelnen Bereichen des Gesundheitssektors und dem privaten Konsum. Diese erzielen auch weiterhin permanent neue Höchstwerte. Finanztitel und insbesondere Energiewerte leiden weiterhin stark und kommen nicht vom Fleck. Entsprechend fallen auch die Bewertungen aus. 

Vorsicht vor knappen Anlagen

Befeuert wird diese Entwicklung durch die von den Zentralbanken grosszügig zur Verfügung gestellten Finanzmitteln. Davon profitieren vor allem die Geschäftsmodelle, die sich in Corona-Zeiten bewähren und bessere Zahlen schreiben konnten. Neben den anderen knappen Anlagen wie Gold, aber auch Kryptowährungen, scheint es auch einen gewissen Mangel an guten Geschäftsideen zu geben. All diesen knappen Anlagen gemeinsam ist, dass es wenig Sinn macht ihnen einen Wert zuzuschreiben. Sie sind knapp und dies ist der wichtigste Grund in diese zu investieren.

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