Trotz schlechter Stimmung keine Rezession wie 2008 erwartet

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) erreicht im Juli einen Tiefstwert. Wir rechnen aber nicht mit einem Wachstumseinbruch in der Grössenordnung der letzten Rezession.

213
Rückläufige Auftragsbestände sorgen derzeit für volle Firmenlager. In der
zweiten Jahreshälfte 2019 lässt dies unterdurchschnittliches Wachstum für die Schweiz erwarten. (Bild: zephyr_p/Adobe Stock)

Im Zuge der verschlechterten Unternehmensstimmung in Europa und vor allem auch in Deutschland sind zuletzt auch die Werte des Einkaufsmanagerindex (PMI) in der Schweiz unter Druck geraten. Mit einem Wert von 44,7 Punkten hat der Gesamtindex im Juli den tiefsten Wert seit genau zehn Jahren erreicht. Noch vor rund einem Jahr lag der entsprechende Wert nahe der historischen Höchststände.

Auch wenn bereits der Einkaufsmanagerindex als vorlaufender Wirtschaftsindikator gilt, lassen sich die detaillierten Umfrageergebnisse so kombinieren, dass diese ihrerseits die Werte des Einkaufsmanagerindex prognostizieren können. Dabei werden die Zahlen zu den Bestellungen mit den Werten der Lager verglichen. Die Logik ist klar: Je grösser die Bestellungen und je kleiner die Warenlager, desto grösser die Produktion in der Zukunft und umgekehrt. Da aktuell erhöhte Werte der Warenlager verhältnismässig tiefen Bestellungen gegenüber stehen – tatsächlich hat die Kombination dieser beiden Zeitreihen einen der tiefsten überhaupt ausgewiesenen Werte erreicht – ist für die zweite Jahreshälfte 2019 mit unterdurchschnittlichem Wachstum auch in der Schweiz zu rechnen.

Indexiert: Der Schweizer Einkaufsmanagerindex (PMI) ist in den letzten Monaten deutlich gefallen. (Quelle: Credit Suisse, procure.ch/Grafik: HBL Asset Management)

Als Folge des tiefen Falles dieser Wirtschaftsindikatoren mehren sich auch in der Schweiz die Sorgen über eine bevorstehende Rezession. Bereits wird die aktuelle konjunkturelle Situation in der Schweiz mit der Finanzmarktkrise der Jahre 2008 und 2009 verglichen.

Auch unsere Einschätzung der Konjunktur in der Schweiz ist vorsichtiger als in den Vormonaten. Die erfreuliche Situation auf dem Arbeitsmarkt, vor allem aber die historisch tiefen Zinsen in der Schweiz aber auch international führen dazu, dass wir nicht mit einem Wachstumseinbruch in der Grössenordnung der letzten Rezession in der Schweiz rechnen. Diese dauerte von 2008 bis 2009 und der BIP-Rückgang betrug 3,3 Prozent.