Schwellenländer in türkischer Sippenhaft

Der Einbruch der türkischen Lira sorgt bei Schwellenland-Investments unter Anlegern für Unsicherheiten. Doch wie gross ist die Ansteckungsgefahr wirklich?

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Wieder einmal stehen die Schwellenländer im Zentrum des Interesses. Gross ist dabei die Sorge um einen Flächenbrand, der die Finanzmärkte ganz grundsätzlich in Mitleidenschaft zieht, zumindest aber den Schwellenländer, respektive deren Finanzinstrumente deutlich unter Druck setzt. Nach Jahren mit steigenden Aktienmärkten macht die Angst über eine erneute Finanzmarktkrise die Runde.

Wir teilen diese Sorgen nicht: Erstens sind die Konjunkturdaten weltweit insbesondere die tiefen Arbeitslosenraten in unseren Augen deutliche Zeichen des guten konjunkturellen Zustands der Weltwirtschaft. Zudem ist bis auf wenige Ausnahmen – in erster Linie Türkei und Argentinien – die Verschuldungssituation gerade in den Schwellenländern weiterhin erfreulich. Viele Schwellenländer generieren Leistungsbilanzüberschüsse. Sie können also ihre Investitionen aus eigener Kraft bezahlen.

Insbesondere diejenigen Schwellenländer, die natürliche Ressourcen produzieren, können von gestiegenen Preisen profitieren. Auch ein stärkerer USD wird an dieser Situation nichts ändern. Die Entwicklung der türkischen Finanzaktiva ist also auch in den Schwellenländern einzigartig. Sie kann deshalb nicht die Blaupause für sämtliche Schwellenländer sein. Kommt hinzu, dass die Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung der Türkei auf die Welt vernachlässigbar klein sind.

Zu guter Letzt hat auch die schärfere Tonalität zwischen der Administration Trump und China, respektive haben die angekündigten Strafzölle nicht das Potential das Wachstum in China nachhaltig zu stören. Bereits jetzt werden Massnahmen zur Stützung der inländischen Wirtschaft ergriffen. Diese werden an Bedeutung weiter gewinnen.

In der Summe beurteilen wir also gerade auf den aktuellen Bewertungsniveaus Anlagen in Schwellenländer als erfolgsversprechend. Neben den guten langfristigen Wachstumsmöglichkeiten sind aktuell die Risikoprämien auf fundamental nur schwer zu rechtfertigenden Niveaus.