Komax-CEO: «Das Auto wird immer intelligenter»

Die Abhängigkeit von der Autobranche ist für Komax ein Segen. «Fahrzeuge müssen in Zukunft immer mehr Daten verarbeiten, davon profitieren wir», sagt Matijas Meyer, Chef des Schweizer Herstellers von Kabelverarbeitungsmaschinen im Chef-Talk des HBL-WebTV.

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Komax-CEO Matijas Meyer

«Die Autobranche ist für uns mit Abstand der wichtigste Sektor», sagt Komax-CEO Matijas Meyer im Chef-Talk des HBL-WebTV.In einem Mittelklassewagen wie einem VW Golf stecken heute rund zwei Kilometer Kabel. In einem Oberklasse-Fahrzeug wie einem 5er-BMW sogar rund vier Kilometer. Dabei werden die Drähte kunstvoll verknotet und verknüpft, sodass am Schluss ein Gebilde entsteht, das wie ein Baum ausschaut und deshalb im Fachjargon als Kabelbaum bezeichnet wird.

Für die Komax-Gruppe sind diese Bäume aus Draht und Isolationsmaterial das tägliche Brot. Das Unternehmen mit Sitz in Dierikon (LU) entwickelt und produziert Maschinen für die Kabelbaumherstellung und -prüfung. Und zwar im grossen Stil: Die Luzerner Gruppe hat Tochtergesellschaften in der ganzen Welt und ist in ihrem Fachgebiet das führende Unternehmen weltweit.

Zulieferer der Zulieferer

Wobei man genau genommen ein Zulieferer der Zulieferer sei. Das heisst, Komax beliefert BMW, Mercedes und Co. nicht direkt, sondern versorgt die Autohersteller über Zulieferer wie den deutschen Kabelspezialisten Leoni, der für viele der weltweit führenden Autohersteller unter anderem mit Komax-Maschinen komplexere Bordnetzsysteme fertigt.

«Die Autobranche ist für uns mit Abstand der wichtigste Sektor», sagt Komax-CEO Matijas Meyer im Chef-Talk des HBL-WebTV. Dass man so stark von einer Branche abhängt, erachtet Meyer nicht als Klumpenrisiko, sondern als Chance. «Die Autobranche verarbeitet deutlich mehr Kabel als jede andere Industrie», sagt der Komax-CEO.

Zudem zeichne sich die Autoindustrie durch hohe Wachstums- und Innovationsraten aus. «Das Auto wird immer intelligenter. Es wird vernetzt. Es wird in Zukunft mit anderen Fahrzeugen und dem Verkehrsleitsystem kommunizieren», so Meyer. Das beeinflusse auch die Bauweise von Automobilen und steigere nicht zuletzt auch den Kabelbedarf.

«Eine optimale Chance»

Die vernetzten Autos der Zukunft müssen nämlich fähig sein, sehr schnell sehr viele Daten zu verarbeiten, die ihnen von Bewegungssensoren und Radarsystemen zur Verfügung gestellt werden. Auch im Kabelbereich brauche es dazu neuartige Lösungen. «Für uns ist das eine optimale Chance, mit Innovationskraft Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln, die der Markt auch wertschätzen wird», sagt Meyer.

Um mit der Entwicklung Schritt halten zu können, beliefert Komax auch Sektoren, in denen Technologien entwickelt werden, die künftig auch in der Autobranche zum Einsatz kommen werden. «In der Telekombranche zum Beispiel hat die Datenübertragung eine grosse Bedeutung und sie wird in Zukunft auch in der Automobilbranche wichtiger werden», sagt Meyer.

In der Flugzeugindustrie dagegen sei die Sicherheit mit redundanten, sich überwachenden Systemen schon heute ein grosses Thema – ähnlich wie sie es für das Auto von morgen werden dürfte. «So können wir uns als Zulieferer dieser Branchen bestens für die Zukunft unseres wichtigsten Abnehmermarktes vorbereiten», sagt Meyer.

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