Horrortage für Apple

Im Herbst 2018 war der Technologiekonzern Apple noch das grösste Unternehmen der Welt. Die Marktkapitalisierung betrug mehr als eine Billion Dollar. In den vergangenen drei Monaten hat das US-Unternehmen rund einen Drittel an Wert eingebüsst.

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Die Silvesterparty war ein trauriges Fest für Apple. Als erste Amtshandlung im neuen Jahr musste das Unternehmen die Umsatzprognose für das letzte und wichtigste Quartal 2018 nach unten korrigieren. Entgegen prognostizierten Einnahmen in der Höhe von 89 bis 94 Milliarden Dollar musste der Geschäftsführer Tim Cook in einem Investorenbrief verkünden, dass Apple nur mehr mit einem Umsatz von 84 Milliarden Dollar rechne.

Es war das erste Mal seit der Lancierung des iPhones im Jahr 2007, dass Apple die eigenen Prognosen verfehlt hat. Gründe für das enttäuschende Schlussquartal gibt es verschiedene. Besonders bedeutsam ist jedoch mit Sicherheit die jüngste konjunkturelle Abschwächung Chinas.

Chinas Wirtschaft beginnt zu schwächeln

Apple rechnete zwar für die Schwellenländer mit einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld. Dennoch scheint das Unternehmen die Konjunkturflaute in China deutlich unterschätzt zu haben. So ist beispielsweise in China der Einkaufsmanager-Index der verarbeitenden Industrie (PMI) im Dezember 2018 nach Angaben des statistischen Amtes von China erstmals seit Mitte 2016 wieder unter die kritische Grenze von 50 gefallen.

Mit anderen Einkaufsmanage-Indizes gehört der PMI Chinas zu den weltweit klar wichtigsten vorlaufenden Wirtschaftsindikatoren. Ein Wert unter 50 deutet auf einen wirtschaftlichen Abschwung hin. Die konjunkturelle Schwäche Chinas wurde nicht zuletzt durch den von der US-Regierung initiierten Handelskonflikt mit der Volksrepublik beschleunigt.

Den wirtschaftlichen Gegenwind bekommt Apple offensichtlich besonders beim Verkauf des Vorzeigeproduktes iPhone zu spüren bekommen. Daneben hat aber gerade auch in China der Konkurrenzdruck zuletzt stark zugenommen. Nachdem im letzten Jahr die einheimischen Smartphone-Hersteller wie Huawei und Co. den Amerikanern die Führung abgelaufen haben, hat Apple beständig Marktanteile verloren.

Milliarden für die Wirtschaft

Zumindest auf die schwächelnde Wirtschaft hat die chinesische Regierung aber bereits reagiert und den Mindestreservesatz, den Banken als Sicherheit hinterlegen müssen, um ein Prozent gesenkt. Durch dieses Vorgehen pumpt China Milliardenbeträge in die Wirtschaft und die Konjunktur wappnet sich für die zweite Runde des Handelsstreites.

Es kann zwar sein, dass US-Präsident Donald Trump mit dem von ihm ausgelösten Handelskonflikt in gewisser Weise eine Mitschuld am Absatzrückgang von Apple trägt, aber auch andere Faktoren und Apple-interne (Fehl-)Einschätzungen haben zu der jüngsten Entwicklung beigetragen. So ist das kalifornische Unternehmen mit seiner forschen Preispolitik, insbesondere bei den neuen iPhone-Modellen, gerade auch in China dabei, die Grenzen des Möglichen zu überschreiten.

Daneben hat sich die Haltedauer von Smartphones in den letzten Jahren deutlich erhöht und damit deren nachgefragte Menge reduziert. Apple steht aber auch im Heimmarkt (USA) vor allem im Bereich der Netzwerkausrüstung unter Druck. Es kam der Verdacht auf, dass Apple-Handys und -Netzwerke nicht sicher seien. Dies hat dazu geführt, dass in den USA der Konzern von Regierungsaufträgen zum Aufbau von Telekomnetzen ausgeschlossen wurde.

Wir steigen aus

Das HBL Asset Management setzt seit Dezember die Apple-Aktie in seinen Verwaltungsmandaten nicht mehr ein. Auch wenn sich der US-Konzern gegenwärtig in einer delikaten Lage befindet, ist zu unterstreichen, dass Apple weiter zu den weltgrössten Tech-Unternehmen gehört. Die Firma hat die Möglichkeit, jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar in die Forschung zu stecken und global die besten Arbeitskräfte einzustellen. Wir sind davon überzeugt, dass Apple auch in Zukunft hervorragende Produkte entwickeln wird. Das HBL Asset Management wartet somit auf den geeigneten Zeitpunkt, um wieder bei Apple einzusteigen.