Dieselskandal, E-Mobiliät und die USA fordern die Autoindustrie heraus

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Die Aufarbeitung des Dieselskandals beschleunigt die Entwicklung von E-Autos in Deutschland: Ein Prototyp von Audi e-tron im März 2018 auf einer Testfahrt in Genf. (Bild: Audi via Flickr)

Auch im Jahr 2018 ist die Automobilindustrie mit einem Umsatz von 426 Milliarden Euro die mit Abstand verkaufsstärkste Branche Deutschlands. Entsprechend sind die strukturellen Änderungen, die dem Sektor derzeit zu schaffen machen, für das Land aber auch für ganz Europa von grosser Bedeutung.

Den bisherigen Tiefpunkt im aktuellen Strukturwandel markierte der Dieselskandal. Die Folge waren Strafen in Milliardenhöhe und strengere Umweltstandards. Zudem haben die deutschen Automobilhersteller die Entwicklung bei der Elektromobilität lange verschlafen und sind heute gegenüber den Chinesen und Amerikanern im Hintertreffen. Über den hausgemachten Problemen schwebt zuletzt die Warnung des US-Präsidenten Donald Trump, die deutsche Automobilebranche als «Bedrohung der nationalen Sicherheit» mit Importzöllen zu bestrafen. Kein Wunder, sind die Aktienkurse der deutschen Automobilhersteller unter Druck.

Die Manager der deutschen Autokonzerne stufen die Auftragssituation seit Mitte 2018 von Monat zu Monat besser ein. (Quelle: Ifo und Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management)

Die deutschen Autohersteller sind herausgefordert. Wir sind aber trotzdem zuversichtlich. Der Dieselskandal wird langsam abgearbeitet und dürfte bald abgeschlossen sein. Zudem beschleunigt die Aufarbeitung des Dieselskandals die Entwicklung und Lancierung von E-Autos in Deutschland. Die Autohersteller haben neue Elektroautos vorgestellt, die Produktionsstätten umgestellt und mit der serienmässigen Produktion begonnen. Auch wenn das Jahr 2019 noch nicht als das Jahr der E-Revolution in die Geschichtsbücher eingehen wird, dürften die deutschen E-Autos in den kommenden Jahren weltweit viele Kunden gewinnen.

Bei den vom US-Präsidenten angekündigten Importzöllen stellt sich hingegen vielen die Sinnfrage. Importzölle machen nämlich volkswirtschaftlich wenig Sinn, denn die deutschen Automobilbauer haben in den USA einen Marktanteil von unter 8 Prozent. Dagegen haben die amerikanischen Automobile in Europa einen deutlich höheren Marktanteil. Die verbesserte Grundstimmung in der deutschen Automobilindustrie kann mit deren Auftragsvolumen untermauert werden. Das Auftragsvolumen ist seit Mitte 2018 deutlich angestiegen und hat aktuell die höchsten Werte seit 2013 erreicht (s. Grafik).