Die Tage der Libor-Hypothek sind gezählt

Geldmarkthypotheken mit periodisch sich anpassendem Zins sind sehr beliebt. Aber die Libor-Variante dürfte bis 2021 verschwinden.

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Die Auswirkungen der globalen Finanzmarktkrise 2007/08 sind heute noch spürbar. So konnten sich die gehandelten Volumen im ungesicherten Geldmarkt – also das Ausleihen von Cash mit einer Laufzeit von bis zu 12 Monaten – in den letzten Jahren kaum erholen. Das Thema ist für den Schweizer Hypothekarmarkt zentral und die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat es deshalb an ihrem letzten Geldmarktapéro aufgegriffen.

Zum Verständnis: Die meisten Geldmarkttransaktionen werden heute nur mehr auf gesicherter Basis abgewickelt. Das entsprechende Geschäft heisst Repo-Geschäft, wobei Repo als eine Abkürzung für Repurchase Operation oder Rückkaufvereinbarung steht. Hier erfolgt ein Austausch von Geld gegen Hinterlegung von Wertschriften als Sicherheit.

Der Trend hin zu besicherten Geldmarkttransaktionen hat Konsequenzen für die wichtigste Referenzgrösse im Schweizer Zinsgeschäfte – die London Interbank Offered Rate, kurz: Libor. Die Bedeutung des Libor-Satzes schwindet, da er nicht auf effektiven Transaktionen sondern viel mehr auf Schätzungen der Banken für ungesicherte Transaktionen beruht.

Effektive Transaktionen mit echten Preisen

Es überrascht daher kaum, dass für fast alle Währungen nach Alternativen zum Libor gesucht wird. In den USA wird der Sofr (Secured Overnight Financing Rate) den Libor in den nächsten Jahren ablösen, die Japaner setzten auf den Tonar (Tokio Overnight Average Rate), in Grossbritannien wird der Sonia (Sterling Overnight Index Average) und im Euro-Raum der Eonia (Euro Overnight Index Average) als neuer Referenzzinssatz eingesetzt werden.

In der Schweiz wird dies der Saron (Swiss Average Rate Overnight) sein. Basierend auf effektiv getätigten Geldmarkttransaktionen mit Wertschriftenbesicherung und verbindlichen Preisstellungen der Marktteilnehmer aus dem In- und Ausland wird täglich ein Fixing geliefert. Damit wird die Situation auf dem Repomarkt im Tagesgeschäft besser als mit den Libor-Schätzungen widerspiegelt.

Das Problem: Noch sind viele Hypotheken und derivative Zinsprodukte an den Libor gebunden. Die SNB forciert deshalb, dass diese Grösse mit Schätzungscharakter und entsprechender Manipulationsanfälligkeit durch einen Satz ersetzt wird, der auf effektiven Transaktionen beruht. Schnell werde das aber nicht gehen. Erst ab 2021 wird der Libor weitgehend abgelöst sein, wie die SNB am Geldmarktapéro dargelegt hat.

Wir begrüssen generell den Wechsel hin zum Saron. Er wird unserer Ansicht nach kaum grössere Probleme auf dem Hypotheken- oder Derivatemarkt der Schweiz verursachen. Man wird existierende Produkte einfach auslaufen lassen und neue Produkte mit dem alternativen Referenzsatz anbieten. Auch die Geldpolitik und die Geldmarktoperationen der SNB sollten aufgrund des Wechsels nur unwesentlich beeinflusst werden.