Die hohen Bewertungsniveaus von Aktien haben verschiedene Ursachen

Aktien weisen derzeit stolze Bewertungen auf. Dies hat nur zum Teil damit zu tun, dass die Unternehmen besser als befürchtet durch die Corona-Krise gekommen sind.

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Die die hohen Aktienbewertungen sind auch eine Folge der Modelle, mit denen die Analystenzunft die Dividendenpapiere bewerten. (Bild: Adobe Stock)

Gemessen am historischen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) notieren die Aktienmärkte weltweit trotz des schwierigen Marktumfelds auf stolzen Niveaus. Was bei Optimisten Kursfantasien schürt, sorgt bei vielen Anlegerinnen und Anlegern für Stirnrunzeln oder gar Kopfzerbrechen. Dabei gibt es neben den viel zitierten Kursfantasien durchaus weitere plausible Gründe für die aktuelle Hausse an den Aktienmärkten.

Stattliche Bewertung

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Beim aktuellen KGV von rund 23 zahlen Anleger bei Schweizer Aktien pro Franken Gewinn rund 23 Franken. (Quelle: Bloomberg/Grafik: HBL Asset Management)

Zunächst sind da die soliden Ertragszahlen der Unternehmen. Die von den Unternehmen vorgelegten Halbjahresabschlüsse lagen abgesehen von wenigen Ausnahmen mehrheitlich über den Erwartungen. Davon profitierten in erster Linie die Bewertungen, da die Gewinngrössen darin einfliessen.

Zentralbankliquidität bleibt hoch

Zudem fahren die Zentralbanken weiterhin eine expansive Geldpolitik. Das heisst: Sie stellen aktuell im Rahmen ihrer Massnahmenpakete den Finanzmärkten so viel Liquidität wie noch nie zuvor zur Verfügung. Dies führt vor allem auch dazu, dass Investoren kaum Alternativen zu den Aktienmärkten bleiben oder diese allenfalls noch teurer als Aktien sind.

Zudem sind die hohen Aktienbewertungen auch eine Folge der Modelle, mit denen die Analystenzunft die Dividendenpapiere bewerten. Viele Modelle zur Unternehmensbewertung, die professionellen Investoren und Finanzanalysten benutzen, beinhalten Zinssätze als eine wichtige Komponente. Dabei gilt: Je niedriger der Zinssatz liegt, desto höher fällt die Bewertung aus. Aktuell notieren die Zinssätze für praktisch alle Laufzeiten bekanntlich auf historisch tiefen Niveaus.

Zumindest kurzfristig kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich einer der oben genannten Gründe fundamental ändern wird. Infolgedessen ist weiterhin mit stolz bewerteten Aktien zu rechnen. Wichtiger als die Bewertung ist aus unserer Sicht langfristig gesehen eine breite Diversifikation der Anlagen. Genauso zentral ist zudem, dass Anlegerinnen und Anleger das Geschäftsmodell, das Erfolgspotenzial und die Marktposition von Unternehmen, in die sie investiert sind, richtig einschätzen können.