Flughafen-CFO: «Der Circle befruchtet das ganze System»

In Zürich entsteht mit «The Circle» der Flughafen der Zukunft. Konkrete Zahlen zum erwarteten Ergebnisbeitrag des neuen Geschäftszentrums gab es von offizieller Seite bisher keine. Im Gespräch mit dem HBL-WebTV nimmt Flughafen-Finanzchef Lukas Brosi nun eine qualitative Einschätzung vor.

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«Die Inbetriebnahme wird das Geschäftsergebnis verbessern»: Flughafen-Finanzchef Lukas Brosi. (Bild: HBL-WebTV)

Von aussen sieht alles hell und sauber aus. Die Beton- und Metallelemente mit ihren Schattensilhouetten vermengen sich zu einem futuristischen Stilensemble. Passend dazu die «Wow»-Metaphorik der weissen Werbewand: «Your Invitation to a New Wow. The Circle at Zürich Airport.»

Hier soll Grosses entstehen. Tatsächlich: Die kleine Eingangstüre in der Wand eröffnet einem den Ausblick auf ein weitläufiges Bauareal. Acht oder neun Lastkrane stehen an diesem Nachmittag in Betrieb. Die Bagger wirken in der Distanz zwar wie Spielzeug. Die Lärmsymphonie der Baumaschinen aber hat wenig Verspieltes an sich: Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Es geht um viel Geld.

Eine Milliarde Franken werden verbaut. Ende 2019 soll Grossprojekt fertig sein. Hotels, Läden, Kongress- und Eventhallen und sogar ein Gesundheitszentrum des Universitätsspitals Zürich sollen die 180 000 Quadratmeter einmal beherbergen. Dazu kommen zahlreiche gastronomische Highlights. Zum Vergleich: Heute hat die Betreiberin des Flughafens Zürich Büros auf 100 000 rund Quadratmeter im Portfolio.

Die Qualität des Aufenthalts steigern

«Was hier entsteht ist die logische Weiterentwicklung des Flughafens Zürich», sagt Lukas Brosi, Finanzchef der Flughafen Zürich AG, im «Chef-Talk» des HBL-WebTV. Die Flughafenbesucher hätten immer höhere Ansprüche an die Aufenthaltsqualität. «Wir sind überzeugt, dass die Fläche nachgefragt wird», so Brosi weiter.

Wie Circle-Projektleiter Beat Pahud gegenüber mehreren Zeitungen anlässlich der Grundsteinlegung im vergangenen März festhielt, sei nicht davon auszugehen, dass schon bei Inbetriebnahme des Circles alle Büros vermietet sein werden. Immerhin aber hat man mit dem Duty-Free-Laden-Betreiber Dufry schon einen Ankermieter gefunden. Und mit Swatch und Hyatt sind auch schon zwei international bekannte Unternehmen mit an Bord. Lokale Partner wie unter anderem Grieder oder Jelmoli sind auch schon bekannt.

Wie aber wird sich das Milliardenprojekt insgesamt auf den Geschäftsverlauf der Flughafen Zürich AG auswirken? Konkrete Zahlen will die Flughafen Zürich AG nicht bekanntgeben. Immerhin aber sagt der Finanzchef im Gespräch: «Die Inbetriebnahme wird selbstverständlich das Geschäftsergebnis der Flughafen Zürich AG verbessern.» Aber man dürfe nicht nur auf die Rendite schauen. «Der Circle befruchtet das ganze System des Flughafens und beeinflusst auch unser bestehendes Geschäft positiv», so der 38-Jährige, der seit Februar 2017 oberster Finanzmann bei der Flughafenbetreiberin in Zürich-Kloten ist.

Den Dialog fördern

Der zunehmenden Digitalisierung und dem Trend hin zum Onlinehandel könnten sich auch die Läden am Flughafen Zürich nicht entziehen. «Die digitale Revolution hat einen grossen Einfluss auf das Geschäftsmodell jedes Flughafens», sagt Brosi. Man spüre von den Kommerzpartnern das Bedürfnis, sich vermehrt präsentieren und die Marke in den Vordergrund stellen zu können, um so mit dem Endkunden in einen Dialog zu treten.

Den auf Dialog basierenden Kundenkontakt wollen die Markenunternehmen zunehmend vom direkten Kaufimpuls trennen. «Im Circle haben wir mit den modularen und multifunktionalen Flächen die richtige Antwort für dieses Bedürfnis», so Brosi.

Im Staub der Bauarbeiten braucht es noch eine gute Portion Vorstellungskraft für solche Visionen. Mit den Wand- und Bodeneinheiten des neuen Geschäftszentrums existieren aber immerhin erste Realisierungsformen der dialogbasierten Kundenpflege, wie sie «The Circle» in Zukunft ermöglichen will.

Wie die Digitalisierung das Reisegeschäft verändert, was unter «Seamless Travel» zu verstehen ist und wieso die symbiotische Partnerschaft mit der Fluggesellschaft Swiss für die Zukunft des Flughafens Zürich wichtig ist, erfahren Sie im Videogespräch mit Lukas Brosi.