Dätwyler-CEO: «In den USA haben wir einen neuen Standard gesetzt»

Die Industriegruppe Dätwyler hat in den USA ein neues Werk für Komponenten für die Healthcare-Industrie in Betrieb genommen. Damit will Dätwyler das profitable organische Wachstum weiter beschleunigen, sagt Konzern-CEO Dirk Lambrecht im Interview.

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«Mit unseren Projekten treffen wir immer wieder eine Punktlandung»: Dirk Lambrecht, CEO der Dätwyler Holding. (Bild: HBL-WebTV)

Im weltweiten Automobilmarkt ist die Dätwyler-Gruppe mit den Dichtungselementen ihrer Unternehmenseinheit Sealings Solutions ein grosser Player. «In jedem zweiten Auto weltweit hat es Produkte von Dätwyler drin», sagt Dirk Lambrecht im Chef-Talk des HBL-WebTV.

In Südamerika will man jetzt noch mehr Gas geben, weshalb Dätwyler im vergangenen August das brasilianische Unternehmen Bins Indústria de Artefatos de Borracha übernommen hat. Man erhoffe sich dadurch einen besseren Zugang zum südamerikanischen Automobilmarkt, so das Unternehmen anlässlich der Bekanntgabe der Übernahme.

Die wirtschaftliche Unsicherheit ist praktisch zeitgleich mit der Brasilientransaktion von Dätwyler in vielen Schwellenländern deutlich angestiegen. «Anleger fürchten nicht zuletzt wegen der Strafzollpolitik von US-Präsident Donald Trump mancherorts Rückschläge», sagt Reto Huenerwadel, Anlagechef der Hypothekarbank Lenzburg und Leiter des HBL Asset Managements.

Langfristigen Horizont

In Brasilien sorgten in den vergangenen Wochen zudem die Präsidentschaftswahlen für Schlagzeilen: «Mit dem Ex-Militär Jair Bolsonaro an der Spitze stehen dem Land grössere Veränderungen bevor», so Brasilienkenner Huenerwadel weiter.

Das bringt Dätwyler-CEO Lambrecht nicht aus der Ruhe: «Wir haben einen sehr langfristigen Horizont, wenn wir in diese Region hineingehen.» Politik habe ja sowieso bei solchen Entscheidungen nur einen kurzlebigen Einfluss. «Die Schwellenländer sind für uns ganz klar ein zukünftiges, wichtiges Absatzgebiet», sagt Lamprecht, der seit 2017 die Geschäfte der Dätwyler-Gruppe leitet.

Disziplin und Offenheit

Bei solchen Transaktionen sei es ein Vorteil, dass die Dätwyler-Holding eine sehr kleine Einheit mit flachen Hierarchien und «nahe am Markt» sei. Zudem arbeite man am Konzernhauptsitz in Altdorf (UR) sehr diszipliniert und mit der nötigen Offenheit. «Das führt dazu, dass wir mit unseren Projekten in Bezug auf Termin und Budget immer wieder eine Punktlandung treffen», sagt Lambrecht im Chef-Talk des HBL-WebTV.

Auch die jüngst erfolgte Eröffnung des neuen Healthcare-Werks in den USA sei nur mit kleinsten Abweichungen von der ursprünglichen Planung erfolgt. «Wir haben 100 Millionen Franken investiert und ich bin stolz darauf, dass wir das Projekt auf die Woche genau und mit nur einem Prozent Abweichung vom Budget beendet haben», so Lambrecht weiter.

Mit dem neuen US-Werk habe man einen neuen Standard gesetzt. «Wir nennen das First-Line-Fertigung und es geht darum, sehr hochwertige Komponenten für die Verarbeitung von injizierbaren Arzneimitteln auf den Markt zu bringen», so der Dätwyler-CEO. Die USA seien der grösste Markt im Medizinalbereich und da wolle man einen höheren Anteil erreichen.

Im ganzen Videointerview erfahren Sie, welche Bereiche beim Altdorfer Unternehmen nach der Verjüngungskur des Konzerns im Fokus stehen, und wieso Dätwyler auch beim Verlauf Ihres nächsten Zahnarztbesuchs ein Wörtchen mitzureden hat.