Corona-Krise: Die wirtschaftliche Erholung entscheidet sich auf den Arbeitsmärkten

Noch nie waren die Arbeitslosenzahlen derart schnell in die Höhe gesprungen wie in der Corona-Krise. In den USA notiert die Arbeitslosenrate auf historischem Höchststand.

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Den Arbeitsplatz räumen: In der aktuellen Situation dauerte es nur Tage oder wenige Wochen bis die Konjunkturschwäche mit voller Wucht über die Arbeitsmärkte schwappte. (Bild: Adobe Stock/supAVADEE)

Auch per Ende Mai 2020 bleibt das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Weltwirtschaft das dominierende Thema auf den Finanzmärkten rund um den Globus. Obwohl verschiedene Wirtschaftskommentatoren vermehrt die alten Sorgen rund um den Handelskrieg zwischen den USA und China oder die Schwierigkeiten in der konkreten Umsetzung des Brexit wieder aufnehmen, sind dies bis dato aber im Wesentlichen Randnotizen. Viele dieser Sorgen können denn im weiteren Sinne wiederum mit dem Coronavirus und dessen wirtschaftlichen Auswirkungen in Verbindung gebracht werden. 

Offene Fragen nach Lockerung

Auch wenn die Lockerung der Isolationsmassnahmen in Teilen der Welt in unterschiedlicher Form und Geschwindigkeit durchgeführt wird, sind die Signale grossmehrheitlich positiv. Dennoch bleiben viele Unsicherheiten: Was passiert bei einer zweiten Infektionswelle? Wie schnell kann sich die Weltwirtschaft erholen? Endgültige Antworten gibt es zu diesen Fragekomplexen keine. Dennoch deutet einiges darauf hin, dass eine zweite Infektionswelle weniger drastische Anordnungen mit sich bringen würde. Bei der Behandlung der Patienten und der Umsetzung respektive Wirkung der getroffenen Schutzmassnahmen wurden doch erhebliche neue Erkenntnisse gewonnen. Vor allem aber auch die Finanzmärkte vermögen in der Regel eine zweite Runde an Unsicherheiten besser zu absorbieren. 

Bei der Frage nach dem zukünftigen Wirtschaftswachstum spielt die Situation auf dem Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle. Ein wichtiges Merkmal der augenblicklichen Konjunkturschwäche ist dabei das gleichzeitige und unmittelbare Einknicken der Nachfrage und des Angebotes. Bis auf überlebenswichtige Güter und Dienstleistungen konnten in den letzten Wochen nur wenige Produkte an die Endverbraucher gebracht werden. 

Ein Novum auf dem Arbeitsmarkt

Aber auch die Produktion von Gütern und Dienstleistungen musste verschiedentlich gestoppt werden, da die jeweiligen Produktionsmittel nicht mehr oder nur teilweise in der benötigten Menge zur Verfügung standen. Die Folge war ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit, der in dieser Form ein absolutes Novum darstellt.

In der Vergangenheit war die Arbeitslosigkeit ein der Konjunkturentwicklung klar nachlaufender Indikator. Im Wissen darum, dass es für Unternehmen schwierig und teuer sein kann die geeigneten Mitarbeiter innert kurzer Zeit an der richtigen Stelle einzusetzen, haben viele Firmen lange zugewartet bis sie die Arbeitnehmer entlassen haben. 

In der aktuellen Situation dauerte es nur Tage oder wenige Wochen bis die Konjunkturschwäche mit voller Wucht über die Arbeitsmärkte schwappte. Dabei besteht durchaus die Möglichkeit, dass die umfassenden Massnahmenpakete der Staaten mit Kurzarbeit und Überbrückungskrediten die Situation auf dem Arbeitsmarkt akzentuiert hat.

Einmal mehr hat sich in der aktuellen Wirtschaftskrise die unterschiedliche Struktur des Arbeitsmarktes in den USA und in Europa inklusive der Schweiz bestätigt. Während in Europa die Zahl der Kurzarbeitslosen stark angestiegen ist, ist es in den USA zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen gekommen. Die US-Arbeitslosenrate ist von 4,4% im März auf den historischen Höchststand von 14,7% gesprungen und verschiedentlich wird damit gerechnet, dass sie bis auf 20% ansteigen könnte. Damit wäre ein Fünftel der US-Bevölkerung ohne Job. Ein Wert der noch zu Beginn des Jahres nicht vorstellbar war. Für die USA, die schon bald in die heisse Phase des Präsidentschaftswahlkampfes treten, ist es also zentral, dass es bald zu einer Stabilisierung der Arbeitsmarktsituation kommt. 

Lockerung bringt Impulse 

Diese Möglichkeit besteht durchaus, da die USA unvermittelt und aus intakter konjunktureller Situation mit den Herausforderungen der Corona-Krise konfrontiert wurden. Je länger die Nachfrage- und Produktionsschwäche anhält, desto einschneidender werden die Effekte auf dem Arbeitsmarkt sein. Eine Abwärtsspirale könnte sich in einem solchen Szenario entwickeln. Dies ist klar nicht unser wahrscheinlichstes Szenario. Damit ein solches Szenario nicht eintrifft, müssen die nächsten Wochen aber zwingend eine Stabilisierung des US-Arbeitsmarktes bringen.

Auch wenn viele der Ausführungen zum Arbeitsmarkt in den USA in ähnlicher Weise auch für die Schweiz zutreffen, gibt es einen wesentlichen Unterschied. Es ist das Konzept der Kurzarbeit. Dies führt zu einem verhältnismässig geringen Ansteigen der Arbeitslosenquote und damit zu einer Stabilisierung der Nachfrage. Aber auch für die Schweiz ist zwingend, dass es in den nächsten Wochen zu einer erhöhten Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit zu einer Entspannung der Situation auf dem Arbeitsmarkt kommt. 

Wir bleiben optimistisch und rechnen mit einer Beschleunigung der Wirtschaftsaktivitäten durch die zunehmenden Lockerungen der Isolationsmassnahmen. Die ergriffenen Massnahmen in verschiedenen Volkswirtschaften sollten zusätzliche Impulse setzen. 

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