Cembra-CEO: «Crowdlending ist keine grosse Sache»

Crowdlender verzeichnen derzeit Zuwächse, von denen klassische Finanzhäuser nur träumen können. Etablierte Kreditspezialisten nehmen die Fintech-Konkurrenz scheinbar gelassen. «In der Schweiz wird Crowdlending in den nächsten fünf Jahren keine grosse Sache sein», sagt Robert Oudmayer, CEO vom Zürcher Konsumkreditfinanzierer Cembra Money Bank, im HBL-WebTV.

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«In Europa gibt es nur ein Land, das wirkliche Grösse im Crowdlending hat», sagt Robert Oudmayer, CEO der Cembra Money Bank. (Bild: HBL-WebTV)

In der Finanzindustrie und den Medien kocht derzeit kein Wirtschaftsthema so stark hoch wie Fintech und die darunter subsummierten Disziplinen des Crowdfunding, -lending und -investing. Doch hinter fulminanten Wachstumszahlen kochen die Schweizer Schwarmfinanzierer wie Cashare, CreditGate24, Swisspeers oder Wecan.fund ihre Süppchen immer noch auf sehr kleinem Feuer.

«In Europa gibt es nur ein Land, das wirkliche Grösse im Crowdlending hat: England», sagt Robert Oudmayer, CEO von Cembra Money Bank, im «Chef-Talk» des HBL-WebTV. In allen anderen Ländern sei Crowdlending immer noch ein sehr kleines Geschäft. «Sogar in Deutschland ist es klein und in der Schweiz ist es sehr klein. Wir glauben nicht, dass Crowdlending in den nächsten fünf Jahren in der Schweiz eine grosse Sache wird und sind in diesem Bereich auch nicht aktiv», so Oudmayer weiter.

Insider schätzen, dass Crowdlending 2016 ein Kreditvolumen von 35 Millionen Franken erreichen und 2017 die 100-Millionen-Marke überschreiten wird. Gemäss dem Crowdfunding Monitor von Swisscom und dem Institut für Finanzdienstleistungen in Zug lag das Volumen 2015 bei rund 8 Millionen Franken. Demgemäss ist die Branche 2016 um 337 Prozent gewachsen und für 2017 wird eine Zunahme von mehr als 186 Prozent erwartet.

Angesichts so hohen Wachstums ist es kein Wunder, dass auch klassische Finanzhäuser auf den Zug aufspringen. So kooperiert die Hypothekarbank Lenzburg seit 2016 im Bereich der Konsumkredite mit CreditGate24. Der im März 2015 gestartete Crowdlender aus Rüschlikon hat für die Finanzierung der ersten 100 Kredite rund ein Jahr benötigt. Im April 2017 habe CreditGate24 schon mehr als 600 Kredite finanziert mit einem Volumen von mehr als 31 Millionen Franken, so CreditGate24 in einer Medienmitteilung. Das Antragsvolumen stehe bei über 123 Millionen Franken. Bis Ende 2017 will CreditGate24 das Volumen versechsfachen. Die Expansion wird derzeit auch in Deutschland vorangetrieben.

Wie disruptiv ist die Dynamik?

All diesen Bemühungen zum Trotz: Das effektive Crowdlending-Volumen ist im Vergleich zum Gesamtmarkt der Konsumkredite in der Schweiz noch bescheiden. Konsumkredite erreichten gemäss den Zahlen der Zentralstelle für Kreditinformation 2016 ein Volumen von 7 Milliarden Franken. Das gegenüber 100 oder vielleicht auch 200 oder 300 Millionen Franken, die der Crowdlending-Markt 2017 erreichen könnte.

Wie auch immer: Das Kräfteverhältnis verschiebt sich derzeit zugunsten der digitalen Direktkreditvermittler. Wie schnell dieser Prozess dauern und wie sein Endergebnis ausschauen wird, darüber kann man nur spekulieren. Wüchsen die Crowdlender mit der gleichen Kraft wie im laufenden Jahr (plus 186 Prozent) – zugegebenermassen ein sehr stark vereinfachtes Prognosemodell, aber immerhin gibt es eine grobe Indikation – würden Crowdlender in fünf Jahren schon mehr als 2 Milliarden Franken vergeben. Auch wenn es nur eine Milliarde sein würde, wäre das eine doch recht stark disruptive Dynamik.

Dieser neuen Kraft ist sich wohl auch Oudmayer bewusst. Auf die Frage nach den grössten Herausforderungen sagt er jedenfalls: «Unsere grösste Challenge ist es, wie wir in der Schweiz wachsen können». Wie er das schaffen will, erklärt der Chef von Cembra Money Bank im Video.