Calida-CEO: «Die Digitalisierung ist ein Riesending»

Bis vor kurzem ist die Bekleidungsgruppe Calida vor allem durch Firmenzukäufe gewachsen. Nun setzt Calida-CEO Reiner Pichler auf «organisches Wachstum» und «E-Commerce».

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«Die Digitalisierung ist ein Riesending und betrifft alle Unternehmensbereiche», sagt Calida-CEO Reiner Pichler im Chef-Talk des HBL-WebTV.

Bei vielen Menschen in der Schweiz steht die 1941 gegründete Marke Calida als Synonym für korrekte Unterwäsche und biedere Pyjamas. Doch in den letzten Jahren haben sich die Bekleidungsspezialisten aus Sursee (AG) ein neues Image mit mehr Sex-Appeal und Sportlichkeit verpasst. Dafür sorgen die Lingeriemarke Aubade und die Alpinsport- und Outdoorbrands Millet, Oxbow, Eider und Lafuma, die alle zur Calida Holding gehören.

Der Modernisierungsprozess wurde vor allem über eine Akquisitionsstrategie umgesetzt. Doch nun gelten neue Regeln: Seit der Ex-Strellson-Mann Reiner Pichler im April 2016 das Ruder übernommen hat, ist man am Holdingsitz in Sursee auf eine Politik des organischen Wachstums umgeschwenkt. Und das offenbar mit Erfolg: «Wir entwickeln uns in allen Segmenten wesentlich besser als der Markt, was auf die Fokusänderung unserer Strategie zurückzuführen ist», sagt Pichler im Chef-Talk des HBL-WebTV.

Die Digitalisierung spiele in der neuen Strategie eine wichtige Rolle. «Sie ist ein Riesending und betrifft alle Unternehmensbereiche», sagt Pichler. Alles, was digitalisiert werden könne, werde digitalisiert werden – Logistik, Vertrieb und Kommunikation. «Den grössten Impact hat aber natürlich E-Commerce», sagt Pichler. E-Commerce sei auch der Vertriebskanal, der weltweit am schnellsten wachse. «Die Endverbraucher sind sich gewohnt, alles zu jeder Zeit verfügbar zu haben. Um diesen Wunsch zu befriedigen, müssen wir uns auf E-Commerce konzentrieren, müssen wir E-Commerce entwickeln», so Pichler weiter.

Aus diesem Zweck habe man im vergangenen Jahr mit dem deutschen E-Commerce-Spezialisten Reich Online Services auch die bisher letzte Akquisition getätigt. Bei aller Digitalisierung sei das Wichtigste die Qualität der Produkte und die «Begehrlichkeit» der Marke. «Ohne diese ist erfolgreiches E-Commerce eigentlich nicht möglich», so Pichler. Calida habe den Anteil des E-Commerce-Geschäfts am Gesamtumsatz von 2016 bis 2017 von 3 Prozent auf 8 Prozent gesteigert und 2018 strebe man einen Anteil von 10 Prozent an.

Wieso das heterogene Markenportfolio – Pichler selbst nannte Calida einmal einen «textilen Gemischtwarenladen» – ein Vorteil für das Unternehmen ist, und wieso Europa in der Geschäftsentwicklung des Bekleidungsspezialisten eine zentrale Rolle spielt, erfahren Sie im vollständigen Interview mit dem Calida-Chef.